Zeitfahren in der Tour de France: Evenepoel gewinnt, Lipowitz scheidet verletzt aus
Chambéry, 22. Juli 2026
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Kurzfassung
Der Belgier Remco Evenepoel hat das Zeitfahren der 16. Etappe der Tour de France gewonnen und seine Chancen auf das Podium in Paris untermauert. Sein deutscher Teamkollege Florian Lipowitz vom Red-Bull-Bora-hansgrohe stürzte schwer und schied mit Schlüsselbeinbruch aus.
Chambéry, 22. Juli 2026
Der Belgier Remco Evenepoel hat das Einzelzeitfahren der 16. Etappe der Tour de France gewonnen, während sein deutscher Teamkollege Florian Lipowitz nach einem schweren Sturz mit Schlüsselbeinbruch aufgeben musste.
Evenepoel benötigte für die rund 26,1 Kilometer lange Strecke gut 32 Minuten und lag am Ende 28 Sekunden vor dem Zweitplatzierten. Der Däne Mattias Skjelmose fuhr auf den dritten Platz der Etappe. Für den Belgier war es der vierte Tagessieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt, womit er seine guten Aussichten auf eine Podestplatzierung in Paris weiter festigte.
In der Gesamtwertung liegt Evenepoel auf Rang zwei, 4:32 Minuten hinter dem Führenden Tadej Pogačar. Die Tour endet am kommenden Sonntag in Paris. Evenepoel teilte sich beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe gemeinsam mit Lipowitz die Kapitänsrolle.
Ganz anders verlief das Rennen für Lipowitz, der im Vorjahr als Dritter der Gesamtwertung auf sich aufmerksam gemacht hatte und diesmal mit großen Erwartungen angetreten war. Wie Teamchef Ralph Denk berichtete, erlitt der 25-Jährige bei einem Sturz in einer Rechtskurve unweit des Genfersees einen Schlüsselbeinbruch sowie Abschürfungen und eine Schulterverletzung.
Lipowitz' Sturz und Verletzungen
Denk erklärte vor dem Start der 17. Etappe in Chambéry: „Das Schlüsselbein ist gebrochen, und er wurde operativ behandelt, gestern Nacht noch.“ Lipowitz müsse mit einer Pause von mindestens sechs Wochen rechnen und werde voraussichtlich bis Donnerstag im Krankenhaus in Frankreich bleiben.
Denk betonte zudem, dass Lipowitz persönlich mit ihm gesprochen habe und es ihm den Umständen entsprechend gut gehe: „Es geht ihm gut, ich habe schon persönlich mit ihm sprechen können.“ Der Teamchef äußerte zudem die Hoffnung, dass Lipowitz noch in dieser Saison auf dem Rad zurückkehren wird: „Ich gehe davon aus, dass man ihn in diesem Jahr noch auf dem Rad und bei Rennen sehen wird.“
Denk machte indes deutlich, dass Lipowitz nach seiner Einschätzung zu schnell in die Kurve gefahren sei und niemandem sonst eine Schuld gegeben werden könne. Gleichwohl räumte er ein, dass die Streckensicherung möglicherweise nicht optimal gewesen sei: „Ob er diese Verletzungen davongetragen hätte, wenn die Strecke besser abgesichert wäre, das kann man diskutieren.“ Denk wies zudem darauf hin, dass die Teams auf der 26,1 Kilometer langen Strecke nur wenig Trainingszeit gehabt hätten.
Einschätzung von Simon Geschke
Der frühere Tour-Etappensieger Simon Geschke ordnete den Sturz in einem SWR-Interview ein. Er erklärte, ein Zeitfahren sei ein Kampf um Sekunden, in dem zehn Sekunden über Podium oder Enttäuschung entschieden. „Die Fahrer jagen mit Puls 180 bis 190 am Limit, steuern Kurven mit 60 bis 70 km/h an“, sagte Geschke.
Zum konkreten Sturz von Lipowitz sagte Geschke: „Ich habe mir den Sturz ein paar Mal angeschaut. Ich finde nicht, dass er wahnsinnig zu schnell in die Kurve gefahren ist. Ich denke einfach, dass er die Linie nicht optimal getroffen hat und dann mit dem Vorderrad leider weggerutscht ist.“ Lipowitz sei mit dem Vorderrad weggekommen, habe mit hoher Geschwindigkeit die Bordsteinkante touchiert und sei in die Absperrgitter geschleudert worden, wobei er blutend vom Kurs eskortiert worden sei.
Geschke sprach von einer „ganz bitteren Pille“ für Lipowitz: „Jetzt, wo gerade die dritte Woche begonnen hat, die ihm ja eigentlich entgegenkommt – das ist ja, wofür er das ganze Jahr trainiert hat –, gleich am ersten Tag dieser dritten Woche auszuscheiden, ist eine ganz bittere Pille.“ Das Schlüsselbein sei allerdings die „dankbarste Verletzung“, die ein Profi haben könne, weil sie gut heile: „Ein Schlüsselbeinbruch ist – so makaber das klingt – eigentlich die dankbarste Verletzung, die man haben kann, weil sie sehr gut heilt und man relativ schnell wieder auf der Rolle fahren kann.“
Geschke, der seit 2012 in Freiburg lebt und 2015 eine Tour-Etappe gewann, zeigte sich überzeugt, dass Lipowitz stärker zurückkehren werde: „Florian ist noch jung. Ich glaube, das macht ihn nur noch hungriger fürs nächste Jahr. Er kommt sicherlich stärker zurück – vielleicht sogar noch dieses Jahr.“
Ausblick auf den Rest der Saison
Für Lipowitz dürfte die Saison mit den großen Zielen allerdings weitgehend gelaufen sein. Die Vuelta a España steht vom 22. August bis 13. September auf dem Programm, die Weltmeisterschaften in Montreal vom 20. bis 27. September. Beide Rennen wird der Deutsche nach derzeitigem Stand vermutlich verpassen, beim Giro di Lombardia am 10. Oktober könnte ein Comeback möglich sein.
Auch Denk räumte ein: „Für die letzten Höhepunkte in dieser Saison wird es kaum reichen.“ Allerdings sei das Team mit der Doppelkapitänsrolle um Evenepoel und Lipowitz sowie mit den bereits zwei herausgefahrenen Etappensiegen gut aufgestellt: „Wir rennen jetzt keinem Erfolg mehr hinterher.“ Lipowitz sei im Vorjahr als Newcomer stark gefahren, diesmal aber mit „einer riesigen Erwartungshaltung von ganz Radsport-Deutschland“ gestartet – „Das ist der Unterschied.“
Nächtliche Kontrollen und Glaubwürdigkeit
Neben Lipowitz erwischte es im Zeitfahren auch Mitfavorit Jonas Vingegaard mit einem Sturz. Geschke wertete die Häufung der Stürze zuletzt nicht als Folge nächtlicher Doping-Kontrollen, sondern als Zufall: „Ich halte die Stürze für Zufall.“ Diese Kontrollen seien jedoch trotz der nächtlichen Belastung für die Fahrer wichtig für die Glaubwürdigkeit des Sports: „Es ist sicherlich supernervig, in der Nacht eine Dopingkontrolle zu haben. Aber es ist für die Glaubwürdigkeit des Sports sehr wichtig, da gibt es keine Diskussion.“
Geschke erläuterte zudem: „Es gibt nun mal Mittel, die nur sehr kurz im System sind und die man morgens schon nicht mehr nachweisen kann. Von daher sind solche nächtlichen Kontrollen eine Abschreckung für Fahrer, die vielleicht dieses Zeitfenster nutzen wollen.“ Dass Lipowitz trotz des Sturzes Rang drei auf der Etappe unmittelbar vor sich gehabt hätte, macht den Ausgang für das Team besonders schmerzhaft.
Evenepoel festigt Podestkurs
Während die 17. Etappe in den Alpen ansteht, richtet sich der Blick des deutschen Radsports zugleich nach vorn. Denk sieht seinen Schützling trotz des Rückschlags auf einem guten Weg: „Letztes Jahr kam er als Newcomer hierher und hat performt. Dieses Jahr ist er mit einer riesigen Erwartungshaltung von ganz Radsport-Deutschland gestartet. Das ist der Unterschied.“ Mit 25 Jahren hat Lipowitz noch reichlich Zeit, an die Leistungen des Vorjahres anzuknüpfen.
Der Etappensieger Evenepoel selbst durfte sich über einen weiteren großen Erfolg freuen. Sein Erfolg im Zeitfahren unterstreicht, dass das Team trotz des schweren Ausfalls seines Kapitäns-Kollegen im Gesamtklassement hervorragend positioniert ist. Die kommenden Bergetappen werden zeigen, ob der Belgier seinen Podestplatz in Paris tatsächlich ins Ziel retten kann.
Bericht: dpa / Deutschlandfunk
Die Meldung wurde am 22. Juli 2026 im Deutschlandfunk ausgestrahlt.
Fragen & Antworten
Wer ist Remco Evenepoel und warum ist sein Sieg wichtig?
Der Belgier Remco Evenepoel, 26 Jahre alt, fährt für Red Bull-Bora-hansgrohe und gewann die 16. Etappe der Tour de France, ein Einzelzeitfahren über 26,1 Kilometer. Es war bereits sein vierter Tagessieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt; in der Gesamtwertung liegt er auf Rang zwei, 4:32 Minuten hinter Spitzenreiter Tadej Pogačar, mit guten Chancen auf das Podium in Paris.
Wie schwer ist Florian Lipowitz verletzt?
Der 25 Jahre alte deutsche Radprofi erlitt bei einem Sturz in einer Rechtskurve nahe dem Genfersee einen Schlüsselbeinbruch, eine Schulterverletzung und multiple Hautabschürfungen, wurde noch in der Nacht operiert und muss voraussichtlich mindestens sechs Wochen pausieren.
Welche Rennen wird Lipowitz nach seinem Sturz voraussichtlich verpassen?
Nach Einschätzung von Teamchef Ralph Denk und Simon Geschke wird es für Lipowitz für die letzten Saisonhöhepunkte kaum reichen; sowohl die Vuelta a España vom 22. August bis 13. September als auch die Weltmeisterschaften in Montreal vom 20. bis 27. September gelten als unrealistisch.
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