WHO warnt vor drastischem Anstieg der Krebsfälle bis 2050
Genf, 8. Juli 2026
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Kurzfassung
Die WHO warnt in ihrem neuen Krebsreport vor einem massiven Anstieg der Neuerkrankungen: Bis 2050 könnte die Zahl auf 35 Millionen pro Jahr steigen. Gleichzeitig bleibt der Zugang zu Diagnostik und Behandlung in weiten Teilen der Welt unzureichend.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in ihrem neuen Krebsreport, dass die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen ohne Gegenmaßnahmen bis 2050 von derzeit rund 20,6 Millionen auf etwa 35 Millionen steigen könnte.
Weltweiter Anstieg um 70 Prozent erwartet
Im aktuellen Krebsreport prognostiziert die WHO für das Jahr 2050 rund 35 Millionen neue Krebspatienten pro Jahr – ein Anstieg von etwa 70 Prozent gegenüber 20,6 Millionen Fällen im Jahr 2024. Nahezu zehn Millionen Menschen sterben den Angaben zufolge jährlich an einer Krebserkrankung. Die Weltgesundheitsorganisation sieht die Gründe vor allem im Wachstum und in der Alterung der Weltbevölkerung sowie in der Zunahme von Risikofaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum, Übergewicht und Luftverschmutzung.
Gleichzeitig zeigt der Bericht erhebliche Unterschiede bei Prävention, Früherkennung und Behandlung zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen. In nur 39 Prozent aller Länder sei der Zugang zumindest zu minimalen Behandlungen möglich, schreibt die WHO. "Das bedeutet, dass ein Großteil der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer Grundversorgung hat."
Ungleiche Chancen auf Heilung
Besonders deutlich wird die Diskrepanz am Beispiel Brustkrebs: In reichen Ländern liegt die Überlebensrate bei 85 Prozent, in ärmeren Staaten nur bei rund 40 Prozent. Auch bei anderen Krebsarten entscheide der Wohnort häufig über die Überlebenschancen, heißt es im Report.
Neben der medizinischen Dimension verweist die WHO auf die wirtschaftlichen Folgen einer Krebserkrankung. "Krebs ist eine der Hauptursachen für medizinisch bedingten Bankrott", schreibt der Report. In vielen Ländern führten Diagnose und Therapie für Betroffene und ihre Familien in die finanzielle Notlage, oft noch bevor eine wirksame Behandlung überhaupt begonnen habe.
Wirtschaftliche Folgen für Betroffene
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte, dass die Überlebenschancen nicht vom Geburtsort oder Einkommen abhängen dürften. "Krebs ist eine zutiefst persönliche Krankheit, die uns fast alle betrifft. Doch ob ein Mensch den Krebs überlebt, darf niemals davon abhängen, wo er geboren wurde oder wie viel er verdient", sagte er.
Erfreulich sei, dass sich einzelne Risikofaktoren durch Präventionsmaßnahmen reduzieren ließen. Im Vergleich zu 2010 griffen 27 Prozent weniger Menschen zur Zigarette, Zigarre oder Pfeife. Auch bei Impfungen gegen krebserregende Viren wie HPV und Hepatitis B sowie bei Aufklärungskampagnen sieht die WHO Fortschritte, allerdings nicht in ausreichendem Tempo.
Prävention zeigt erste Erfolge
Trotz wachsendem Wissen über Risiken, Früherkennung und Therapien bleibe die größte Herausforderung die Umsetzung. Die größte Lücke sei nicht länger das Wissen um die Krankheit, sondern die Lücke "zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir tun", heißt es im Report. André Ilbawi, einer der Mitautorinnen und Mitautoren, hatte diese Einschätzung zuvor in Fachgesprächen erläutert.
Die WHO weist zudem darauf hin, dass Krebs längst nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem sei. 92 Prozent der Weltbevölkerung würden im Laufe ihres Lebens mit Krebs konfrontiert – entweder als Patientin oder Patient oder als enge Angehörige. Die Diagnose bedeute oft hohen seelischen Stress und könne ganze Familien in eine Krise stürzen.
Im Report werden mehrere konkrete Maßnahmen gefordert: mehr Investitionen in Krebsregister und Früherkennungsprogramme, ein Ausbau der Strahlentherapie und Palliativversorgung, höhere Tabak- und Alkoholsteuern sowie eine bessere Aufklärung über Impfungen gegen krebserregende Erreger. Die WHO ruft Regierungen auf, nationale Krebspläne mit verbindlichen Zeitplänen zu verabschieden.
Forderungen an die internationale Politik
Auch die Forschung sieht die WHO in der Pflicht. Wichtig sei, neue Therapien nicht nur zu entwickeln, sondern sie bezahlbar und weltweit verfügbar zu machen. Dazu gehörten Patentreformen, eine stärkere Förderung generischer Arzneimittel und international koordinierte klinische Studien.
Mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte erwarten die Autorinnen und Autoren, dass der Anstieg der Krebsfälle vor allem Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen treffen wird. Dort lebten 2024 rund 80 Prozent der neu diagnostizierten Patientinnen und Patienten, obwohl nur ein Bruchteil der Ressourcen für Krebsversorgung zur Verfügung stehe.
Beobachterinnen und Beobachter werten den Bericht als Weckruf an die internationale Gemeinschaft. Die kommenden UN-Konferenzen zur Gesundheitsfinanzierung und nichtübertragbaren Krankheiten müssten Krebs als zentrales Thema behandeln, fordert die WHO. Andernfalls drohe nicht nur eine humanitäre, sondern auch eine makroökonomische Krise.
Fazit: Globaler Weckruf
Die WHO unterstrich, dass Prävention wirksamer sei als jede Therapie. Bis zu 40 Prozent aller Krebsfälle ließen sich durch Vermeidung bekannter Risikofaktoren verhindern – etwa durch Nichtrauchen, ausgewogene Ernährung, Bewegung, Impfungen und Schutz vor krebserregenden Stoffen am Arbeitsplatz.
Krebs bleibe, so das Fazit des Berichts, eine der großen globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Ohne entschlossenes Handeln werde die Krankheit in den kommenden Jahrzehnten noch mehr Leben kosten, noch mehr Familien in die Armut treiben und noch stärkere Ungleichheiten zwischen Ländern und Regionen verfestigen.
Die Veröffentlichung des WHO-Krebsreports ist Teil einer Reihe globaler Gesundheitsberichte, die regelmäßig die wichtigsten Trends nichtübertragbarer Krankheiten analysieren. Die WHO will mit dem Bericht Regierungen, Gesundheitssysteme und Zivilgesellschaft dazu bewegen, Krebs als politische Priorität zu behandeln – ähnlich wie es bei HIV/Aids oder Malaria in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ist.
Fragen & Antworten
Was sagt der neue WHO-Krebsreport voraus?
Die WHO erwartet, dass die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen ohne Gegenmaßnahmen von 20,6 Millionen im Jahr 2024 auf etwa 35 Millionen im Jahr 2050 steigt.
Warum ist die Krebsversorgung weltweit so ungleich verteilt?
Laut WHO haben nur 39 Prozent aller Länder Zugang zu minimalen Behandlungen; in reichen Ländern liegt die Überlebensrate bei Brustkrebs bei 85 Prozent, in armen bei rund 40 Prozent.
Welche Maßnahmen fordert die WHO?
Die WHO fordert mehr Investitionen in Früherkennung, bezahlbare Therapien, nationale Krebspläne sowie Präventionsmaßnahmen gegen Tabak, Alkohol und Übergewicht.
WHO-Krebsreport 2026: 35 Mio. Fälle bis 2050 erwartet | nachrichten360