Weimer wirbt für ein Bündnis zur Freiheit der Kunst und stellt sich gegen Angriffe der AfD auf das Bauhaus
Berlin, 20. August 2026
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Kurzfassung
Wolfram Weimer wirbt für ein breites Bündnis aus Kultur, Kirchen, Kommunen und Handwerk, das die Freiheit der Kunst verteidigen und das Erbe des Bauhauses schützen soll. Zugleich positioniert er sich klar gegen die AfD, die das Bauhaus wiederholt als Irrweg der Moderne kritisiert hatte.
Wolfram Weimer setzt sich gemeinsam mit Kulturrat, Kirchen, Kommunen und Handwerk für ein Bündnis zur Freiheit der Kunst ein und grenzt sich dabei ausdrücklich von der AfD ab.
Breite Trägerschaft aus Kultur, Kirchen, Kommunen und Handwerk
Wolfram Weimer will die Freiheit der Kunst in Deutschland mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis stärken. Wie aus seinem Umfeld verlautete, haben zahlreiche zentrale Institutionen ihre Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert. Damit reagiert Weimer auf eine zunehmend zugespitzte Debatte über den Umgang mit dem kulturellen Erbe und die Rolle der Kunst im demokratischen Diskurs.
Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören nach den vorliegenden Informationen der Deutsche Kulturrat, die Deutsche UNESCO-Kommission, die Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Museumsbund, die Akademie der Künste, der Zentralverband des Deutschen Handwerks und das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste. Diese Zusammensetzung aus Kultur-, Religions-, Kommunal- und Wirtschaftsverbänden verleiht dem Bündnis ein ungewöhnlich breites gesellschaftliches Fundament.
Ein Schwerpunkt des Engagements liegt auf dem Erbe des Bauhauses, das in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit erfährt. Weimer sieht die design- und kunstgeschichtliche Bedeutung des Bauhauses als unverzichtbaren Bestandteil der deutschen und europäischen Moderne. Das Bündnis solle deutlich machen, dass künstlerische Strömungen nicht für parteipolitische Auseinandersetzungen instrumentalisiert werden dürfen.
Streit um das Erbe des Bauhauses
Politischer Zündstoff ergibt sich aus einer Äußerung aus den Reihen der AfD. Wie aus dem Umfeld des Bündnisses hervorgehoben wird, bezeichnete der stellvertretende AfD-Vorsitzende Hans-Thomas Tillschneider 2024 im Landtag von Sachsen-Anhalt das Bauhaus als "Irrweg der Moderne". An diese und ähnliche Äußerungen knüpft die Initiative an, wenn sie auf die Verteidigung der Kunstfreiheit pocht.
Weimer argumentiert, dass die Freiheit der Kunst eine Voraussetzung für eine offene Gesellschaft sei. Das geplante Bündnis solle daher nicht nur symbolisch wirken, sondern konkrete Formate entwickeln, um kulturelle Bildung, Ausstellungen und den Schutz von Kultureigentum zu fördern. Besonders die Beteiligung des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste deutet darauf hin, dass auch Fragen des Erhalts und der Rückführung von Kulturgut eine Rolle spielen sollen.
Kirchen als Brücke zwischen Tradition und Avantgarde
Mit der Einbindung der Kirchen erhält das Bündnis zusätzliches moralisches Gewicht. Sowohl die Deutsche Bischofskonferenz als auch die Evangelische Kirche in Deutschland treten seit Jahren für die Bewahrung kultureller Vielfalt ein. Ihre Mitwirkung verändert den Ton der Debatte, da religiöse Stimmen in Fragen der Kunstfreiheit oftmals als Brücke zwischen Tradition und Avantgarde wahrgenommen werden.
Auch die kommunale Ebene ist eingebunden: Der Deutsche Städtetag vertritt die Interessen der Städte, in denen zahlreiche Bauhaus-Stätten, Museen und Kulturdenkmäler liegen. Insbesondere Weimar als historischer Ort des Bauhauses profiliert sich seit Jahren als Standort einer designgeschichtlichen Erinnerungskultur. Der Deutsche Museumsbund bringt zudem die Perspektive der Ausstellungshäuser ein, die einen Großteil der Vermittlungsarbeit leisten.
Handwerkliche Dimension des Bauhaus-Erbes
Das Handwerk ist über den Zentralverband des Deutschen Handwerks vertreten, womit auch eine handwerklich-ästhetische Dimension des Bauhaus-Erbes Berücksichtigung findet. Das Bauhaus verband seinerzeit künstlerische Avantgarde mit handwerklicher Praxis – ein Erbe, das bis heute in Ausbildungsberufen und Designwerkstätten weiterlebt.
Weimer plant nach eigener Darstellung, das Bündnis als längerfristige Plattform zu etablieren. Es solle regelmäßig Stellung zu kulturpolitischen Fragen beziehen und als Ansprechpartner für Politik, Medien und Zivilgesellschaft dienen. Damit geht die Initiative über ein einmaliges Bekenntnis hinaus und erhält den Charakter einer dauerhaften Stimme für die Kunstfreiheit.
Gleichzeitig richtet sich das Bündnis implizit gegen Versuche, kulturelle Institutionen für populistische Narrative zu vereinnahmen. Weimer stellt sich damit auch gegen Bestrebungen innerhalb der AfD, das Bauhaus als Symbol einer vermeintlich gescheiterten Moderne darzustellen. Die Konfliktlinie verläuft damit entlang der Frage, welche Rolle Kunst und Kultur in einer demokratischen Öffentlichkeit spielen sollen.
Das Vorhaben reiht sich in eine Reihe ähnlicher Initiativen ein, die in den vergangenen Jahren unter Beteiligung des Deutschen Kulturrats und weiterer Spitzenorganisationen entstanden sind. Neu ist allerdings die Breite der Trägerschaft und die explizite Verknüpfung mit der Auseinandersetzung über politische Kräfte, die das Bauhaus als Irrweg bezeichnen.
Bis zum Redaktionsschluss lag keine offizielle Stellungnahme der AfD zum geplanten Bündnis vor. Auch blieb offen, in welcher Form die ersten konkreten Aktionen – etwa Veranstaltungen, Ausstellungen oder Kampagnen – zeitnah umgesetzt werden sollen.
Fragen & Antworten
Wer steht hinter dem geplanten Bündnis?
Zu den Unterzeichnern gehören der Deutsche Kulturrat, die Deutsche UNESCO-Kommission, die Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Museumsbund, die Akademie der Künste, der Zentralverband des Deutschen Handwerks und das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste.
Warum steht das Bauhaus im Zentrum der Debatte?
Das Bauhaus gilt als zentraler Bestandteil der Moderne und ist Anknüpfungspunkt für die Auseinandersetzung mit politischen Kräften, die es als gescheitert darstellen.
Welche Rolle spielt die AfD in dem Konflikt?
Auslöser ist unter anderem eine Äußerung des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Hans-Thomas Tillschneider, der das Bauhaus 2024 im Landtag von Sachsen-Anhalt als "Irrweg der Moderne" bezeichnete.
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