Wenige Stunden vor der ganztägigen Sperrung der Brennerautobahn aufgrund einer Protestdemonstration hat ADAC am Samstagmorgen erste Staus in Richtung Süden gemeldet.

Die Sperrung im Detail

Die Sperrung für Lastwagen trat um 9:00 Uhr in Kraft, für Autos und Motorräder folgte sie um 11:00 Uhr. Auf österreichischer Seite ist die Strecke bis 19:00 Uhr dicht, auf italienischer Seite gilt die Sperrung von 10:30 Uhr bis 20:00 Uhr. Auch die parallel verlaufende Landstraße ist während der Demonstration für den Durchgangsverkehr gesperrt; lediglich Ziel- und Quellverkehr sowie Radfahrer sind dort zugelassen.

Die Demonstration wurde von Karl Mühlsteiger, dem Bürgermeister der benachbarten Tiroler Gemeinde Gries, als Privatperson angemeldet. Sie richtet sich gegen die Belastung der Anwohner durch den Schwerverkehr und war für den Zeitraum von 13:00 Uhr bis 16:30 Uhr angesetzt.

Der ADAC und Auswärtige Amt in Berlin hatten bereits im Vorfeld vor erwarteten Staus auf den Ausweichrouten gewarnt, die bis in den Sonntag hinein andauern könnten. Die Sperrung fällt zudem in die Pfingstferien mehrerer deutscher Bundesländer, was das Verkehrsaufkommen zusätzlich erhöht.

Verkehrslage am Vortag

Am Freitagabend hatte sich der Verkehr auf der deutschen A93 in Richtung des Grenzübergangs Kiefersfelden auf bis zu 16 Kilometern gestaut, was zu Zeitverlusten von bis zu einer Stunde führte. Dennoch blieb das befürchtete große Verkehrschaos am Tag vor der mehrstündigen Sperrung weitgehend aus.

Daten des Verkehrsdienstleisters TomTom zeigten, dass der Verkehr in Österreich in Nord-Süd-Richtung bis zum späten Nachmittag flüssig lief. Der Verkehrsfluss am Tag vor der Brenner-Sperrung war demnach sogar besser als am vorherigen Freitag und am durchschnittlichen Pfingstferien-Freitag des Vorjahres.

Auf deutscher Seite hingegen kam es zwischen dem Autobahndreieck Rosenheim und der Grenze von den Morgenstunden bis zum Nachmittag zu erheblichen Verkehrsstörungen. Die Reisezeit auf diesem kurzen Abschnitt vervielfachte sich im Vergleich zu den beiden Vergleichsfreitagen. Unklar blieb, ob die erhöhte Reisezeit auf vorgezogene Fahrten oder auf Effekte am Grenzübergang zurückzuführen war.

Reisende, die von Italien in Richtung Deutschland unterwegs waren, erlebten um die Mittagszeit und in geringerem Maße am Nachmittag Verzögerungen auf beobachteten österreichischen Autobahnabschnitten. Die Informationen der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag decken sich mit den TomTom-Daten.

Stimmen der Automobilclubs

Ein Sprecher des ADAC erklärte am Samstagmorgen, dass es auf deutscher Seite derzeit keine Staus aufgrund der Brenner-Sperrung gebe. Der österreichische Automobilclub ÖAMTC teilte mit, es gebe aktuell "überhaupt keine wesentlichen Staus" und es sei "sehr ruhig bisher". Der ÖAMTC ergänzte: "Wir haben schon mit mehr gerechnet."

Der ADAC hat mehrere Verkehrsbeobachter auf Motorrädern vor Ort im Einsatz, um Reisenden Tipps zu geben und Hilfe zu leisten. Der ÖAMTC erwartet im späteren Tagesverlauf stärkeren Reiseverkehr auf der Tauernautobahn (A10) und der Pyhrnautobahn (A9), die weiter östlich die Alpen queren.

Hintergrund der Proteste

Die Brennerautobahn ist die wichtigste Verkehrsverbindung nach Italien und verläuft zwischen Innsbruck in Österreich und Bozen in Italien über die Alpen. Die Anwohner fordern seit langem Maßnahmen gegen die Verkehrsbelastung, insbesondere eine Anhebung der Lkw-Maut auf das Niveau der benachbarten Schweiz.

Laut dem österreichischen Mobilitätsverein VCÖ fuhren im vergangenen Jahr mehr als 2,4 Millionen Lastwagen über die Brennerautobahn. Auf den Transitstrecken der benachbarten Schweiz waren es im Vergleich dazu nur rund 860.000 Lastwagen. Seit 2010 hat der Lkw-Verkehr auf der Route zwischen Deutschland und Italien über den Brennerpass um etwa 40 Prozent zugenommen.

Karl Mühlsteiger sagte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, die Situation sei massiv angespannt. Der Verkehr habe in den vergangenen Jahren exorbitant zugenommen. Es gebe 14,4 Millionen Fahrten pro Jahr über die Brennerautobahn. Keinesfalls dürften die bestehenden Fahrverbote für Lkw in der Nacht oder an Wochenenden und Feiertagen aufgeweicht werden.

Forderungen der Anwohner

Die Schweiz setzt im Güterverkehr stark auf die Schiene, was die deutlich niedrigeren Lkw-Zahlen im Transitverkehr erklärt. Die Forderung der Anwohner am Brenner zielt darauf ab, durch eine höhere Maut eine ähnliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu erreichen.

Die Demonstration am Brennerpass ist ein Ausdruck des jahrelangen Protests gegen die Schwerverkehrsbelastung. Die Organisatoren hoffen, mit der spektakulären Aktion einer ganztägigen Sperrung der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung den Druck auf die Politik zu erhöhen.

Empfehlungen für Reisende

Für Reisende, die am Samstag in Richtung Süden unterwegs sind, empfehlen die Automobilclubs, auf die späteren Abendstunden auszuweichen oder großräumige Alternativrouten über die Schweiz oder die östlichen Alpenübergänge zu nutzen. Die Lage bleibt dynamisch, und Verkehrsteilnehmer werden gebeten, sich vor Fahrtantritt aktuell zu informieren.