Vom Hafen Wismar bis zur Obduktion auf Anholt: Chronologie des Ostsee-Buckelwals "Timmy"
Schwerin, 12. Juni 2026
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Kurzfassung
Der Buckelwal "Timmy" war im März 2026 erstmals in der Ostsee gesichtet worden und wurde monatelang betreut, bevor er Anfang Mai in der Nordsee ausgesetzt wurde und kurz darauf tot auf der dänischen Insel Anholt angeschwemmt wurde. Nun liegen die vollständig ausgewerteten Daten des am Tier angebrachten Senders vor, die teils scharfe Kritik an der Rettungsaktion ausgelöst haben.
Der als "Timmy" bekannt gewordene Buckelwal war ab Anfang März 2026 in der Ostsee unterwegs, wurde nach wochenlangen Rettungsversuchen in die Nordsee transportiert und dort Anfang Mai ausgesetzt; kurze Zeit später wurde das Tier tot auf der dänischen Insel Anholt gefunden, inzwischen liegt die vollständige Auswertung der Senderdaten vor.
Am 3. März 2026 tauchte der Buckelwal im Hafen von Wismar auf und zog Schaulustige an. Einsatzkräfte entfernten Teile von Fischernetzen vom Körper des Tieres, bevor es am Abend wieder in die Ostsee hinausschwamm, wie aus dem von der dpa verbreiteten Chronologiebericht hervorgeht.
In den folgenden Tagen wurde das Tier immer wieder in der Lübecker Bucht und vor Boltenhagen gesichtet. Sea Shepherd gelang es am 7. März, von einem Schlauchboot aus weitere Netzreste zu entfernen; am 10. März verhedderte sich der Wal bei Steinbeck erneut in einem Fischernetz, das ein ortsansässiger Fischer kappte, woraufhin das Tier erneut ins offene Wasser schwamm.
Am 19. und 20. März beobachtete Sea Shepherd vom Schiff "Triton" aus, wie der Wal in die Trave vor Travemünde und anschließend in Richtung Haffkrug und Scharbeutz schwamm. Die Wasserpolizei alarmierte die Organisation, die mithilfe eines Schlauchbootes letzte Seilreste entfernte, während Netzreste am Tier verblieben.
Erste Sichtungen und Befreiungsversuche
Am 23. März strandete der Buckelwal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand im flachen Wasser. Fachleute identifizierten das Tier eindeutig als Buckelwal, was tagelange Rettungsversuche auslöste. Am 27. März hatte sich der Wal wieder in die Lübecker Bucht entfernt, am 28. März lag er jedoch erneut auf einer Sandbank in der Wismar Bucht südlich der Insel Walfisch fest.
Am 30. März schwamm das Tier abends nach akustischen Reizen durch Experten kurzzeitig wieder in Richtung Seebrücke Wismar, bevor es am 31. März letztlich in flachem Wasser im Kirchsee vor der Insel Poel zur Ruhe kam, wo es mehrere Tage geschwächt liegen blieb. Am 1. April stellten die Behörden weitere Rettungsversuche ein, um das Tier nicht weiter zu stressen.
Am 7. April stellten Fachleute gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ein Gutachten zum Zustand des Tieres vor. Backhaus erklärte, das Tier sei "critically ill" und könne an dem Stress bei einer Rettung sterben.
Am 11. April versuchten Helfer, den Wal mit Unterwasserklängen zu aktivieren, jedoch ohne Erfolg. Am 15. April kündigte Backhaus auf einer Pressekonferenz an, dass die Behörden einen privaten Transport des Tieres in die Nordsee und möglichst den Atlantik dulden würden.
Politische Entscheidung und Privatinitiative
Am 16. April begann die von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz finanzierte Aktion: Ein Konvoi aus Lkw mit Mobilkränen, schwimmenden Pontons und Rohren traf im Hafen von Kirchdorf ein. Am 17. April näherte sich ein Bagger auf einer schwimmenden Plattform, woraufhin der Wal heftig reagierte.
Am 20. April schwamm der Buckelwal am Morgen nach drei Wochen erstmals wieder aus eigener Kraft; Helfer versuchten, ihn von Booten aus in die offene Ostsee zu treiben, doch nach zwei Stunden strandete er erneut im flachen Wasser am Übergang vom Kirchsee zur Wismar Bucht. Am 27. April traf ein 50 Meter langer und 13 Meter breiter Ponton nach Überführung über den Nord-Ostsee-Kanal in Wismar ein, um den Wal in Richtung Nordsee zu transportieren.
Am 28. April übernahm ein Schlepper den Ponton mit dem Buckelwal, um die fahrtüchtige Plattform in die Nordsee zu ziehen. Am 30. April warnten Experten des Ozeaneums Stralsund, das Aussetzen des Tieres auf offener See könne dazu führen, dass es sofort ertrinke. Am 2. Mai wurde der Wal etwa 70 Kilometer vor Skagen im Skagerrak freigelassen.
Transport, Aussetzen und Fund auf Anholt
Am 3. Mai gingen vom Sender des Tieres keine Daten ein, der Aufenthaltsort des Buckelwals war unbekannt. Am 15. Mai wurde ein toter Wal vor der dänischen Insel Anholt entdeckt; am 16. Mai bestätigte die Seriennummer des Senders, dass es sich um dasselbe Tier handelte, das seit März 2026 in der Ostsee betreut worden war. Am 19. Mai bereiteten die dänischen Behörden die Bergung des Kadavers für eine Obduktion vor.
Am 28. Mai wurde das tote Tier dennoch auf Anholt am Strand obduziert, nachdem es rund zwei Wochen im flachen Wasser gelegen hatte. Das Expertenteam konnte zunächst keine eindeutige Todesursache feststellen, bestätigte aber, dass der Wal trotz seines maskulin klingenden Namens ein Weibchen war. Die Überreste sollten in Dänien unter anderem zu Biodiesel verarbeitet werden. Am 4. Juni wurde die Obduktion öffentlich am Strand der Insel fortgeführt.
Mittlerweile liegt die vollständige Auswertung der im Sender gespeicherten Daten vor. Demnach hatte das Gerät nie Standortdaten übertragen; lediglich Bewegungsmuster wie Tauchtiefen wurden laut Initiative anfangs aufgezeichnet, jedoch ebenfalls nicht an das Umweltministerium übermittelt. Eine unabhängige Bestätigung dieser Werte fehlt.
Senderauswertung und Kritik
Laut Vereinbarung hätten die Senderdaten unmittelbar nach dem Aussetzen an das Umweltministerium übermittelt werden sollen. Daten könnten ohnehin nur übertragen werden, wenn das Tier auftaucht und die Antenne ausreichend aus dem Wasser ragt. Fachleute kritisierten übereinstimmend, dass der Sender vor dem Aussetzen nicht getestet und initialisiert worden sei, obwohl dies bei handelsüblichen Wal-Satellitensendern wie jenen von Wildlife Computers zum Standard gehöre.
Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern kündigte an, die Ergebnisse der Senderauswertung persönlich durch Minister Backhaus vorstellen zu lassen. Der Sender hatte keine medizinischen Vitalzeichen wie Herz- oder Atemfrequenz erfasst, da hierfür Spezialsensoren nötig gewesen wären. Die Initiative erklärte Probleme mit dem Sender als Grund für die fehlende Datenübermittlung; eine unabhängige Überprüfung steht aus.
Während des Transports war der Wal nach Angaben der Beteiligten verletzt worden. Über die genaue Todesursache herrscht weiter Unklarheit. Die Bergung, Obduktion und Verwertung des Kadavers wurden von dänischen Behörden koordiniert, während auf deutscher Seite politische und wissenschaftliche Aufarbeitung betrieben wird.
Fragen & Antworten
Wer ist Till Backhaus in diesem Zusammenhang?
Till Backhaus ist Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern (SPD) und kündigte an, die Ergebnisse der Senderauswertung persönlich vorzustellen. Er hatte den umstrittenen Privattransport des Wals in die Nordsee politisch mitgetragen.
Warum sendete der am Wal angebrachte Tracker keine Daten?
Nach Angaben der Initiative lagen technische Probleme am Sender vor, der zudem vor dem Aussetzen nicht getestet und initialisiert worden war. Standortdaten werden nur übertragen, wenn das Tier auftaucht und die Antenne aus dem Wasser ragt.
Was ergab die Obduktion des Wals auf Anholt?
Die am 28. Mai 2026 am Strand der dänischen Insel Anholt begonnene Obduktion konnte zunächst keine eindeutige Todesursache feststellen. Bestätigt wurde, dass es sich trotz des Namens "Timmy" um ein weibliches Tier handelte.
Buckelwal Timmy Ostsee: Chronologie bis Obduktion | nachrichten360