VDA-Präsidentin Müller fordert tiefgreifende Reformen der Autoindustrie – VW-Aufsichtsrat berät über mögliche Werksschließungen
Berlin, 09. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, hat vor der VW-Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg tiefgreifende Reformen der Branche gefordert. Bei Volkswagen stehen einem Medienbericht zufolge bis zu 100.000 Stellen weltweit und mittelfristig vier deutsche Werke zur Disposition.
Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, hat vor der VW-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag in Wolfsburg tiefgreifende Reformen der Branche verlangt; gleichzeitig verdichten sich Medienberichte, wonach beim Volkswagen-Konzern bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen und mittelfristig vier deutsche Werke geschlossen werden könnten.
VDA fordert Reformen von Politik und Unternehmen
Angesichts der laufenden Debatte um Sparpläne bei Volkswagen und Mercedes-Benz sieht der Verband der Automobilindustrie (VDA) weiteren Reformbedarf in der deutschen Autoindustrie. VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte vor der für Donnerstag anberaumten Sitzung des VW-Aufsichtsrats in Wolfsburg, die Unternehmen der Automobilindustrie müssten mit Blick auf die andauernden und akuten Standortprobleme weitere Reformen und Anpassungen vornehmen. „Die Realität habe die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährde zunehmend auch Arbeitsplätze“, sagte Müller. Die Realität habe die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährde zunehmend auch Arbeitsplätze.
Zu den nötigen Maßnahmen zählten aus Sicht des VDA Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle. Dazu gehören Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle. Die Branche stehe vor der Aufgabe, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten. Sie stehen vor der Aufgabe, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten.
Konkret warnte Müller, die Werke bei Herstellern und Zulieferern ließen sich nicht halten, wie sie derzeit organisiert seien. „Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht halten können“, sagte sie. Diesen Handlungsbedarf ganz oder in Teilen zu leugnen und die eindeutige Faktengrundlage nicht anzuerkennen, sei keine Option. „Es ist kurzsichtig und wegen seiner Konsequenzen unsozial.“ Die Entscheidungen seien schwierig und müssten im Dialog mit allen Beteiligten ausgestaltet werden.
Konkrete Vorschläge: Werke für ausländische Hersteller öffnen
Müller forderte zugleich bessere Standortbedingungen in Deutschland. „Wir müssen die Standorte hier auch für ausländische Hersteller öffnen. Mit jedem Werk, das wir hier halten können, halten wir Arbeitsplätze“, sagte sie. Alles, was Wachstum schaffe, müsse Priorität haben – sei es mit Blick auf die Sozialabgaben, Steuern, Energiepreise, Bürokratieaufwand oder auch Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt. Der VDA sprach sich in diesem Zusammenhang für „einschneidende Reformen“ aus, um der Branche eine Rückkehr auf einen Wachstumskurs zu ermöglichen.
Im Zentrum der Debatte steht der Volkswagen-Konzern. Nach Informationen von Manager Magazin will Volkswagen seinen Sparkurs deutlich verschärfen und weltweit bis zu 100.000 Stellen abbauen – doppelt so viele wie bisher geplant. Zudem könnten vier Werke in Deutschland mittelfristig geschlossen werden. Medienberichten zufolge plant Volkswagen, bis zu 100.000 Arbeitsplätze abzubauen. Zudem könnten vier Werke in Deutschland mittelfristig geschlossen werden. Der Konzern hat die Zahlen bisher nicht offiziell bestätigt.
Bis zu 100.000 Stellen weltweit betroffen
Welche Standorte konkret betroffen wären, ist bislang nicht abschließend geklärt. Im Gespräch sind Berichten zufolge die vier VW-Standorte Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Am Standort Neckarsulm (Landkreis Heilbronn) ist das Audi-Werk mit rund 15.500 Beschäftigten nach eigenen Angaben eine der zentralen Produktionsstätten des Konzerns. Vier Werke stehen zur Debatte, darunter das Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Denn das sind in dem Werk immerhin rund 15.500 Männer und Frauen. Im Dresdner Werk ist die Fahrzeugproduktion eigenen Angaben zufolge kürzlich ausgelaufen.
Volkswagen hatte bereits zuvor angekündigt, bis 2030 konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland zu streichen. Allein bei der Kernmarke VW sollen nach den vorliegenden Plänen 35.000 Positionen wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen zu den Stellenabbauplänen unterzeichnet.
Am Donnerstag will die Konzernführung ihre Pläne dem Aufsichtsrat präsentieren. Ab 14:30 Uhr soll die Sitzung in Wolfsburg losgehen. VW-Chef Oliver Blume will an diesem Donnerstag seine Sparpläne präsentieren. VW selbst hält sich auf Nachfrage zu den Inhalten der Sitzung bedeckt. Bereits am Mittwoch kam der Audi-Aufsichtsrat am Unternehmenssitz in Ingolstadt zusammen, nach SWR-Informationen zur Vorbereitung auf das große VW-Treffen einen Tag später in Wolfsburg. Das Thema der Sitzung ist laut SWR-Informationen: Die Vorbereitung auf wiederum das große Treffen in Wolfsburg einen Tag später am Donnerstag. Der Termin war ganz regulär geplant.
Spekulationen über chinesische Hersteller zurückgewiesen
Spekulationen, VW könne ganze Standorte an chinesische Hersteller abgeben, wies Blume zurück. „Es gebe aktuell keine Überlegungen und Gespräche mit chinesischen Herstellern“, sagte er. Zugleich kündigte er an, VW werde prüfen, ob es in Europa Absatzmöglichkeiten für die in China angebotenen Modelle gebe. „Wir werden prüfen, ob es in Europa Absatzmöglichkeiten für unsere chinesischen Autos gibt“, sagte Blume Ende April bei der Vorstellung von Quartalszahlen. Bei den Modellen handelt es sich eigenen Angaben zufolge um Eigenentwicklungen für den chinesischen Markt.
Für den Standort Osnabrück, an dem laut Volkswagen die Cabrio-Produktion im kommenden Jahr ausläuft, werden eigenen Angaben zufolge Gespräche über eine Lösung geführt; im Gespräch sind demnach auch Rüstungsunternehmen als mögliche Partner. Die niedersächsische Ministerpräsidentin Olaf Lies und Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (beide SPD) hatten sich zuvor dafür ausgesprochen, chinesische Modelle auch in Europa zu fertigen, um die heimischen Standorte auszulasten.
IG Metall kündigt Aktionstag an
Die Gewerkschaft IG Metall reagierte mit einem bundesweiten Aktionstag an allen Standorten des Volkswagen-Konzerns in Deutschland auf die Pläne. An allen Standorten sind für Donnerstag Protestveranstaltungen des Betriebsrats und der Gewerkschaft IG Metall angekündigt. Geplant sind Kundgebungen an mehreren VW-Standorten und in Stuttgart eine Autokorso-Aktion bei Porsche. IG-Metall-Chefin Benner sagte, die Beschäftigten hätten ihre Beiträge geleistet. Anstatt die Versäumnisse der letzten Jahre auf dem Rücken der Belegschaft abzuladen, sollte sich die Konzernleitung um eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Marken kümmern.
Die IG Metall Heilbronn-Neckarsulm kündigte an, dass es keinen Warnstreik geben werde, da man sich laut aktuellem Tarifvertrag in der Friedenspflicht befinde. Es wird keinen Warnstreik, heißt es von der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm. Denn laut dem aktuellen Tarifvertrag befindet man sich momentan in der Friedenspflicht. Die Belegschaft erinnert in diesem Zusammenhang an die Rettung des Werks im Jahr 1975, als durch die Produktion des Porsche 924 der Standort gesichert werden konnte. Auch damals stand das Werk auf der Kippe. Die Rettung kam in Form des Porsche 924, der sorgte für Auslastung. Erst vergangenes Jahr feierte die Belegschaft 50 Jahre „Marsch auf Heilbronn“; der ehemalige Gewerkschaftssekretär Klaus Zwickel wird als Zeitzeuge dieser Aktion genannt.
In Neckarsulm laufen eigenen Angaben zufolge in diesem Zeitraum Anfang der 2030er Jahre die aktuellen Verbrennermodelle aus. In den durchgesickerten Plänen ist die Rede, dass die Reformen Anfang der 2030er Jahre beginnen könnten. Eine Lokalzeitung zitierte eine Neckarsulmer Bürgerin mit den Worten: „Was in den letzten Jahren alles dort investiert wurde – und jetzt ist es auf einmal wieder so rum.“ Trotz viel Lob der Konzernleitung über den Anlauf des A5 und A6 steht der Standort damit erneut zur Disposition.
Blick auf Neckarsulm und die Erinnerung an 1975
Parallel zur Diskussion bei Volkswagen verschärft sich auch die Lage bei Mercedes-Benz. Bereits am vorherigen Freitag hatten nach Gewerkschaftsangaben Zehntausende Beschäftigte des Stuttgarter Autobauers in ganz Deutschland gegen eine geplante Verschärfung des Sparkurses protestiert. Auch dort steht die Sorge vor einem weitreichenden Stellenabbau im Raum.
Auch Mercedes-Benz unter Druck
Der VDA betonte zugleich, dass die Lage nicht ausschließlich durch unternehmerische Anpassungen zu lösen sei. Die Standortbedingungen – von Energiepreisen über Steuern und Sozialabgaben bis hin zur Bürokratie – müssten auf politischer Ebene dringend verbessert werden, damit Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland blieben. Ohne diesen politischen Rahmen, so die Botschaft des Verbands, würden die Unternehmen ihre Werke „so nicht halten können“.
Die kommenden Tage gelten als richtungsweisend: Sollte der Aufsichtsrat am Donnerstag in Wolfsburg den verschärften Sparkurs absegnen, wären sowohl die betroffenen Werke als auch die Arbeitnehmervertretungen vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Diskussion über die Zukunft der deutschen Automobilindustrie dürfte damit in eine entscheidende Phase treten.
Fragen & Antworten
Wer ist Hildegard Müller und in welcher Funktion äußerte sie sich?
Hildegard Müller ist die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) und äußerte sich vor der VW-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag zu den Reform- und Sparplänen der Branche.
Welche VW-Standorte sind laut Medienberichten von einer möglichen Schließung betroffen?
Nach Informationen von Der Spiegel und Manager Magazin stehen die VW-Standorte Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm zur Debatte; die Fahrzeugproduktion in Dresden ist eigenen Angaben zufolge bereits ausgelaufen.
Wie viele Stellen könnten bei Volkswagen weltweit wegfallen?
Medienberichten zufolge plant Volkswagen, seinen Sparkurs deutlich zu verschärfen und weltweit bis zu 100.000 Stellen abzubauen – doppelt so viele wie bisher vorgesehen; der Konzern hat die Zahl bisher nicht offiziell bestätigt.
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