Mercedes & VW Proteste: Mitarbeiter gegen Sparpläne | nachrichten360
Beschäftigte von Mercedes und VW protestieren gegen Sparpläne der Autokonzerne
Berlin, 04. Juli 2026
Willy Pragher / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Tausende Beschäftigte von Mercedes-Benz und Volkswagen haben in Bremen, Hamburg und Emden gegen die Sparprogramme der Autokonzerne demonstriert. IG Metall kündigt weitere Protestaktionen an allen Standorten sowie bei Zulieferern und anderen Herstellern an.
Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Mercedes-Benz und Volkswagen haben am Freitag in mehreren deutschen Städten gegen die Spar- und Restrukturierungspläne ihrer Arbeitgeber protestiert, während die IG Metall weitere Aktionen an allen Standorten ankündigte.
Proteste in Bremen, Hamburg und Emden
In Bremen, Hamburg und Emden gingen nach Gewerkschaftsangaben insgesamt rund 33.000 Menschen auf die Straße, um ihrem Unmut über die angekündigten Sparmaßnahmen Luft zu machen. Allein am Bremer Mercedes-Werk, dem größten privaten Arbeitgeber der Region, versammelten sich laut IG Metall etwa 5.000 Beschäftigte. Am Hamburger Mercedes-Standort kamen nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Werkstor zusammen. In Emden in Ostfriesland demonstrierten nach IG-Metall-Angaben mehr als 4.000 Beschäftigte des dortigen VW-Werks gegen die Sparpläne des niedersächsischen Autobauers.
Hintergrund: Verschärfter Sparkurs
Hintergrund der Proteste sind Berichte über einen verschärften Sparkurs bei beiden Konzernen. Wie das "Manager Magazin" Ende Juni unter Berufung auf Konzernkreise berichtete, könnten bei Volkswagen weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen – doppelt so viele wie zuvor geplant. Zudem stehen demnach vier deutsche VW-Standorte vor einer möglichen Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Auch Mercedes-Benz hat ein Sparprogramm angekündigt und erwägt unter anderem längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Werke zu steigern. Eine ursprünglich geplante Sonderzahlung wurde auf das kommende Jahr verschoben. Ende April hatte Mercedes einen um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunkenen Quartalsgewinn von 1,43 Milliarden Euro gemeldet und dafür vor allem das schwierige China-Geschäft verantwortlich gemacht. Ende 2025 beschäftigte der Konzern nach eigenen Angaben rund 164.000 Menschen in Deutschland.
Politische Reaktionen
Bei einer Kundgebung in Bremen sprach Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) zu den Protestierenden. Der Bremer Mercedes-Standort beschäftigt rund 11.000 Menschen. Die Demonstration und die anschließende Kundgebung verliefen laut einer Polizeisprecherin friedlich.
Daniel Friedrich, Bezirksleiter von IG Metall Küste, machte in einer Pressemitteilung deutlich, dass die Beschäftigten die aktuellen Probleme nicht zu verantworten hätten. Er sagte: "Die Beschäftigten haben die aktuellen Probleme der Unternehmen nicht verursacht." Weiter erklärte er: "Sie haben in den vergangenen Jahren Milliarden erwirtschaftet, die Transformation mitgetragen und immer wieder Flexibilität bewiesen." Friedrich sagte zudem: "Ob Mercedes oder Volkswagen, die Beschäftigten sind nicht bereit, die Zeche für das Managerversagen zu zahlen."
Die IG Metall kritisierte, dass die Sparmaßnahmen einseitig zulasten der Belegschaften gingen. Demonstriert wurde nach Gewerkschaftsangaben gegen eine unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, Kürzungen bei tariflichen Leistungen, überhöhte Dividenden sowie den Sparkurs des Konzerns auf Kosten der Beschäftigten.
Weitere Aktionen angekündigt
Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, forderte bei einer Kundgebung in Düsseldorf ein klares politisches Signal. Sie sagte: "Auch von der Politik fordern wir ein klares Signal: Der industrielle Kern dieses Landes darf nicht ausgehöhlt werden. Wir brauchen eine aktive Industriepolitik, die Transformation absichert." Die Gewerkschaft kündigte an, dass die Proteste an allen Mercedes-Benz-Standorten stattfänden und ähnliche Aktionen bei anderen Herstellern und Zulieferern – einschließlich Volkswagen – in den kommenden Wochen folgen sollten.
IG Metall erklärte weiter, der Protest bei Mercedes sei erst der Auftakt: "Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen."
Weitere Protestaktionen waren nach IG-Metall-Angaben unter anderem in Sindelfingen, Stuttgart, Rastatt, Kuppenheim, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Germersheim geplant. In Sindelfingen sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Mercedes, Ergun Lümali, auf einer Kundgebung: "Die Beschäftigten sind mit den Plänen des Vorstands und des Abbaus des Sozialstaats nicht einverstanden."
Beschäftigungssicherung bei VW
Bei Volkswagen hatte die IG Metall bereits im Dezember 2024 nach harten Tarifverhandlungen eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Konzernstandorte bis 2030 durchgesetzt, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Für den Fall, dass Volkswagen diese Vereinbarung kündigt, wurde eine Strafzahlung in Höhe von einer Milliarde Euro vereinbart. Julia Willie Hamburg, niedersächsische Vizeregierungschefin und grünes Mitglied im VW-Aufsichtsrat, sagte: "Einfach nur Werke zu schließen, wäre viel zu kurz gesprungen. Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie." Sie ergänzte: "Volkswagen muss sich verändern. Im Gegenteil: Volkswagen muss sich verändern." Zugleich wies sie darauf hin: "Werksschließungen wirken, wenn überhaupt, frühestens 2030. Das ist nicht die Antwort auf die akute Krise, die wir jetzt gerade haben."
VW-Chef Oliver Blume erwägt nach Medienberichten eine grundlegende Umstrukturierung des größten europäischen Autobauers, einschließlich einer möglichen Verselbstständigung der Kernmarke Volkswagen und der Komponentensparte. Bei Volkswagen sind Beschlüsse der Hauptversammlung, die nach Aktienrecht einer Dreiviertelmehrheit bedürfen, an eine Vierfünftelmehrheit gebunden – was Niedersachsen mit seinem Anteil von 20 Prozent de facto eine Sperrminorität sichert.
Die Lage in der deutschen Automobilindustrie bleibt angespannt: Nach Berechnungen der Prüfungsgesellschaft EY sind seit 2019 rund 111.000 Arbeitsplätze in der Branche in Deutschland weggefallen, allein im vergangenen Jahr fast 50.000. Die IG Metall kündigte für die kommenden Wochen weitere Proteste an allen Standorten und bei weiteren Herstellern und Zulieferern an.
Fragen & Antworten
Wer hat zu den Protesten bei Mercedes und Volkswagen aufgerufen?
Die IG Metall hat die Protestaktionen organisiert. An einer Kundgebung in Bremen sprach zudem Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD).
Wie viele Menschen haben an den Demonstrationen teilgenommen?
Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich insgesamt rund 33.000 Beschäftigte an den Protesten, davon etwa 5.000 am Bremer Mercedes-Werk und mehr als 4.000 am VW-Werk in Emden.
Welche Sparmaßnahmen stehen zur Diskussion?
Bei Mercedes sind längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn sowie die Verschiebung einer Sonderzahlung im Gespräch. Bei Volkswagen könnten laut einem Bericht des "Manager Magazin" weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen und vier deutsche Werke vor einer Schließung stehen.