Utah entzieht Internat nach Missbrauchsvorwürfen von Paris Hilton die Lizenz
Springville, 9. Juli 2026
Bryan Berlin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Nach jahrelanger Kampagne von Paris Hilton hat die US-Behörde für Gesundheit und Soziales dem Internat Provo Canyon School in Springville, Utah, die Lizenz entzogen. Hilton hatte bei einer Anhörung 2024 in Washington berichtet, dort als Teenagerin sexuell missbraucht und zwangsweise mit Medikamenten behandelt worden zu sein.
Die US-Behörde für Gesundheit und Soziales hat dem privaten Internat Provo Canyon School in Springville im US-Bundesstaat Utah die Betriebslizenz entzogen, nachdem die Reality-TV-Stimme Paris Hilton dem Internat schwerwiegenden Missbrauch in ihrer Jugend vorgeworfen hatte.
Anhörung in Washington und Vorwürfe
Die Entscheidung markiert das vorläufige Ende einer jahrelangen Auseinandersetzung zwischen Hilton und der Einrichtung, die sie öffentlich als Ort traumatischer Erlebnisse beschrieben hat. Wie die Behörde mitteilte, stützt sich der Lizenzentzug auf festgestellte Verstöße und Mängel, darunter eine unzureichende medizinische Versorgung der Schülerinnen und Schüler. Das Internat muss den Schulbetrieb einstellen.
Provo Canyon School: Lizenz entzogen – Paris Hilton | nachrichten360
Bereits in ihrer Dokumentation „This is Paris" aus dem Jahr 2020 hatte Hilton öffentlich gemacht, dass sie in ihrer Jugend Opfer von Missbrauch und Gewalt an Schulen für verhaltensauffällige Jugendliche geworden war. Gegenüber dem People-Magazin erklärte sie später, sie sei eines der Kinder gewesen, die solche Einrichtungen durchlaufen hätten.
Bei einer Anhörung im US-Kongress in Washington schilderte Hilton im Jahr 2024 detailliert ihre Erlebnisse. „Ich wurde zwangsweise mit Medikamenten vollgepumpt und vom Personal sexuell missbraucht", sagte sie dort. Zudem berichtete sie, sie habe zwei Jahre lang weder frei sprechen noch sich frei bewegen dürfen. „Diese Programme versprachen Heilung, Wachstum und Unterstützung", fasste sie die Ankündigungen der Einrichtungen zusammen.
Hilton, die heute Mutter von zwei Kindern ist, sagte in Washington, mehr als fünfzig Jahre lang hätten Kinder Geschichten von Missbrauch, Vernachlässigung und Trauma vorgebracht. Damit griff sie eine seit Jahrzehnten dokumentierte Kritik an Teilen der US-amerikanischen Internatsbranche auf, die in den USA unter dem Schlagwort „troubled teen industry" bekannt ist.
Die Anhörung in Washington war Teil einer breiteren politischen Initiative. Hilton forderte dort wiederholt eine bessere Aufsicht und bessere Schutzmaßnahmen für Jugendliche in entsprechenden Einrichtungen. Sie bezeichnete die Branche als eine „gewinnorientierte Industrie". Ihre Eltern hätten von den Vorfällen nichts gewusst, seien von den Betreibern getäuscht worden, erklärte Hilton.
Hintergrund der Kampagne
Wie der TV-Sender ABC berichtete, hatten Eltern Klagen gegen die Schule eingereicht. Die nun vollzogene Schließung der Provo Canyon School ist das Ergebnis eines langwierigen Verfahrens, in dem die Aufsichtsbehörde Verstöße bei der Betreuung und medizinischen Versorgung der untergebrachten Jugendlichen feststellte.
Paris Hilton hat den Lizenzentzug auf ihrem Instagram-Konto öffentlich gemacht. Sie habe dafür „gekämpft und gebetet", schrieb sie dort. Zudem dankte sie Überlebenden, die sich im Laufe der Jahre mutig geäußert hätten. Die Schließung sei „ein starker Schritt zum Schutz zukünftiger Generationen", erklärte sie weiter.
Hintergrund der Kampagne
Die Provo Canyon School liegt in Springville, Utah. Hilton hatte bereits seit Jahren darauf hingearbeitet, das Internat schließen zu lassen. Ihre Kampagne erhielt 2024 durch die Anhörung im Kongress zusätzlichen Auftrieb. Damals äußerten sich auch andere ehemalige Insassen ähnlich.
Hilton schrieb auf Instagram, Kinder würden „endlich aus der Schule herausgeholt". Damit meinte sie die laufende Umsetzung des Lizenzentzugs und die damit verbundene Verlegung der noch dort untergebrachten Jugendlichen. Einzelheiten zur Zahl der betroffenen Kinder und zum Zeitplan wurden von den Behörden zunächst nicht genannt.
Folgen für die Branche
In dem US-Kongressverfahren geht es nicht nur um die Provo Canyon School, sondern um eine umfassendere Reform der Aufsicht über entsprechende Einrichtungen. Hilton hatte wiederholt gefordert, Jugendliche in solchen Programmen besser zu schützen und Missstände konsequenter zu ahnden.
Die Betreiber der Provo Canyon School haben sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen und zum Lizenzentzug geäußert. APA/red, die den Artikel am 9. Juli 2026 veröffentlichte, verwies auf die Mitteilung der Behörde sowie auf Hiltons Instagram-Beiträge.
Hilton war als junge Erwachsene vor allem durch Reality-Fernsehen und ihre Tätigkeit als Sängerin bekannt geworden. In den vergangenen Jahren engagiert sie sich zunehmend politisch und setzt ihre Bekanntheit gezielt für die Reform der Internatsbranche ein.
Die Entscheidung aus Utah könnte Signalwirkung für andere Bundesstaaten haben. Immer wieder hatten ehemalige Insassen bundesweit Missbrauchsfälle in ähnlichen Einrichtungen öffentlich gemacht. Die Politik in Washington steht unter wachsendem Druck, bundeseinheitliche Standards zu schaffen.
Folgen für die Branche
Mit dem Lizenzentzug verliert die Provo Canyon School die behördliche Genehmigung, weiter Jugendliche aufzunehmen und als Schule zu betreiben. Damit endet ein Kapitel, das für Hilton persönlich, aber auch für die US-Debatte über die Behandlung verhaltensauffälliger Teenager von Bedeutung ist.
Die Aufsichtsbehörde hatte nach eigenen Angaben über Jahre hinweg auf Mängel hingewiesen, ohne dass die Einrichtung diese vollständig behob. Der nun ausgesprochene Lizenzentzug ist der deutlichste Eingriff der Behörde in dieser Sache.
Hiltons Stellung als prominente Aktivistin hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Ohne ihre mediale Reichweite und ihre Auftritte vor dem Kongress wäre der Fall in der Form vermutlich nicht so rasch eskaliert, wie Beobachterinnen und Beobachter einordnen.
Parallel dazu laufen weiterhin zivilrechtliche Verfahren. Eltern hatten laut ABC Klagen eingereicht, deren Ausgang noch offen ist. Hilton selbst hat mehrfach betont, dass sie sich als Sprachrohr für Betroffene verstehe, die selbst nicht gehört werden.
Insgesamt zeigt der Fall, wie ein Zusammenspiel aus medialer Aufklärung, politischem Druck und behördlichem Handeln eine konkrete Schließung einer Einrichtung bewirken kann. Für die kommenden Monate wird erwartet, dass die Reformdebatte im Kongress an Fahrt gewinnt.
Die Provo Canyon School in Springville, Utah, ist nach der Entscheidung der Behörde für Gesundheit und Soziales zur Einstellung des Schulbetriebs verpflichtet. Damit schließt eine Einrichtung, die Hilton und andere ehemalige Insassen wiederholt öffentlich schwer belastet hatten.
Bedeutung für den Opferschutz
Fragen & Antworten
Welche Schule ist von der Schließung betroffen?
Die Provo Canyon School in Springville im US-Bundesstaat Utah muss ihren Betrieb einstellen, weil die zuständige Behörde für Gesundheit und Soziales die Lizenz entzogen hat.
Was hat Paris Hilton über das Internat berichtet?
Paris Hilton sagte bei einer Anhörung im US-Kongress 2024, sie sei dort als Teenagerin zwangsweise mit Medikamenten behandelt und vom Personal sexuell missbraucht worden.
Welche Gründe nannte die Behörde für den Lizenzentzug?
Die Behörde verwies auf festgestellte Verstöße und Mängel, darunter eine unzureichende medizinische Versorgung der untergebrachten Jugendlichen.