Ukraine-Krieg: USA vermitteln, Russland greift Kiew massiv | nachrichten360
USA wollen weiter vermitteln – Russland setzt Angriffe auf Kiew fort
Kiew, 27. Mai 2026
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Kurzfassung
US-Außenminister Marco Rubio hat die Bereitschaft der USA bekräftigt, im Ukraine-Krieg zu vermitteln. Unterdessen erlebte Kiew eine der schwersten russischen Angriffswellen des Krieges, während die EU und Deutschland den russischen Botschafter einbestellten.
Nach massiven russischen Luftangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew hat US-Außenminister Marco Rubio die anhaltende Vermittlungsbereitschaft der Vereinigten Staaten im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine betont.
Massive Angriffe auf Kiew
Rubio erklärte am Dienstag in Indien, die USA stünden bereit und seien gewillt, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ein Ende dieses Krieges zu erleichtern. „Hoffentlich wird sich zu gegebener Zeit die Gelegenheit dazu ergeben“, fügte er hinzu. Zuvor hatte er mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert.
Die Äußerungen folgen auf eine der massivsten russischen Angriffswellen auf Kiew seit Kriegsbeginn. In der Nacht zum Sonntag wurde die Stadt stundenlang mit Raketen beschossen, die schwer abzufangen waren. Der freie Journalist Denis Trubetskoy, der seit Jahren in Kiew lebt, sagte: „Ich würde sagen, das war der schwerste Angriff auf Kiew insgesamt in diesem Krieg.“
Trubetskoy berichtete von Schäden in allen Stadtteilen. Er selbst war persönlich betroffen: „Von diesem letzten Angriff war ich persönlich betroffen. Ich muss jetzt Fenster reparieren, die Wohnung reinigen und so weiter.“ Er sei froh, unverletzt geblieben zu sein.
Das russische Außenministerium kündigte unterdessen weitere systematische Angriffe auf Kiew an. Außenminister Lawrow warnte, die Attacken würden sich nicht nur gegen Objekte der ukrainischen Streitkräfte richten, sondern auch gegen Entscheidungszentren. Ausländer und Diplomaten wurden erneut aufgefordert, die Stadt zu verlassen.
Das deutsche Auswärtige Amt wertete dies als Einschüchterungsversuch. In der Folge wurde der russische Botschafter in Deutschland einbestellt. Auch die EU bestellte den russischen Vertreter ein.
Diplomatische Reaktionen und neue Drohungen
Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja bezeichnete die massiven Schäden am ARD-Studio in Kiew als unbeabsichtigten Kollateralschaden. Das Studio war bei den Angriffen getroffen worden.
Trotz der Eskalation sieht Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erste Anzeichen für eine wachsende Gesprächsbereitschaft Russlands, auch mit Europäern. Er plädierte für eine Doppelstrategie: „Wir müssen uns auch jetzt schon auf die nächsten Winter der Ukraine vorbereiten, aber gleichzeitig muss man natürlich offen sein für Diplomatie und das vorbereiten.“
Wadephul treibt unterdessen die Bemühungen voran, weitere Finanzmittel für die Ukraine zu mobilisieren. Am Rande des NATO-Außenministertreffens im schwedischen Helsingborg sagte er: „Es geht darum, dass wir die konkreten weiteren Unterstützungsbedarfe der Ukraine stets durch die europäischen NATO-Partner und Kanada bedienen.“
Ein EU-Kredit stellt jährlich rund 30 Milliarden Euro für die Beschaffung von Militärmaterial bereit. Wadephul schlug den NATO-Partnern vor, mindestens denselben Betrag noch einmal obendrauf zu legen. „Wir werden für die nächsten Jahre noch mehr Geld brauchen“, sagte er. Die nächsten sechs Wochen müssten genutzt werden, um die Finanzierungszusagen zu konkretisieren. Der NATO-Gipfel, auf dem die Staats- und Regierungschefs entscheiden können, findet in der Türkei statt.
Finanzielle und militärische Unterstützung
Der Sicherheitsexperte Nico Lange sieht den russischen Präsidenten Wladimir Putin derzeit in einer schwierigen Lage – sowohl an der Front als auch wegen ukrainischer Angriffe auf Ziele in Russland. Kiew hatte zuletzt Ziele im Nordwesten Russlands attackiert. Moskau gibt den baltischen Staaten eine Mitschuld an diesen Vorfällen.
Lange sagte: „Offensichtlich hat man da einen wunden Punkt bei Putin getroffen.“ Er fügte hinzu: „Das sollte man zum Anlass nehmen, genau bei diesen Dingen der Ukraine noch mehr zu helfen.“
Die Ukraine ist bei der Abwehr ballistischer Raketen fast vollständig auf das US-System Patriot angewiesen. Trubetskoy erklärte: „Was super gefährlich ist, sind die ballistischen Raketen Russlands, die fast nur vom US-System Patriot abgefangen werden können.“ Die Vorräte an Abwehrraketen seien jedoch klein. Angriffe mit Langstreckendrohnen und Marschflugkörpern könne die Ukraine hingegen halbwegs bewältigen.
Putins Rekrutierungsanreiz und ukrainische Resilienz
Die internationale Lage sei wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump schwierig, so Trubetskoy. Die Ukraine lotet daher aus, welche Flugabwehrraketen in Europa noch verfügbar sind, und arbeitet an der Entwicklung eigener geeigneter Systeme.
Unterdessen hat Putin ein Dekret unterzeichnet, das neuen Rekruten und deren Familien einen Schuldenerlass gewährt. Die Maßnahme gilt für Beträge von bis zu zehn Millionen Rubel, umgerechnet rund 139.700 US-Dollar. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Regelung solle helfen, die Truppenstärke zu erhöhen.
Inmitten der Zerstörung gibt es auch Geschichten der Resilienz. Ein junger Mann namens Yevhen hatte kürzlich ein kleines Café im Kiewer Stadtteil Podil eröffnet. Der Angriff am Sonntag zerstörte es fast vollständig. Am Morgen danach servierte er dennoch kostenlosen Kaffee an Anwohner, Polizisten und Katastrophenhelfer. Am Abend bildete sich eine lange Schlange vor dem Café, als Menschen kamen, um den Kleinunternehmer zu unterstützen. Trubetskoy sagte: „Diese Geschichte ging über die Ukraine hinaus viral.“
Internationale Vermittlungsbemühungen
Rubio bezeichnete die massiven Angriffe als mahnende Erinnerung. Er sagte: „Jedes Mal, wenn man diese massiven Angriffe der einen oder anderen Seite sieht, ist das eine mahnende Erinnerung daran, warum das ein schrecklicher Krieg ist.“ Und weiter: „Er muss beendet werden.“
Der Krieg dauert mittlerweile fast viereinhalb Jahre. Trubetskoy sagte: „Es gehört leider seit fast viereinhalb Jahren zum Alltag dazu...“ Die Menschen in Kiew haben bereits Winter erlebt, in denen sie tagelang bei minus 20 Grad ohne Strom und Heizung ausharren mussten.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen nach jüngsten Drohnenvorfällen ihre Unterstützung zu. Die Vorfälle stehen im Zusammenhang mit den Spannungen um die ukrainischen Angriffe auf Ziele in Russland.
Fragen & Antworten
Was hat US-Außenminister Marco Rubio nach den Angriffen auf Kiew gesagt?
Marco Rubio erklärte, die USA stünden bereit, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ein Ende des Krieges zu erleichtern, und hofften auf eine Gelegenheit zur Vermittlung.
Warum wurde der russische Botschafter in Deutschland einbestellt?
Der Botschafter wurde einbestellt, nachdem das deutsche Auswärtige Amt die Ankündigung weiterer russischer Angriffe auf Kiew als Einschüchterungsversuch gewertet hatte.
Welche neue Maßnahme hat Wladimir Putin zur Truppenverstärkung erlassen?
Putin unterzeichnete ein Dekret, das neuen Rekruten und ihren Familien Schulden in Höhe von bis zu zehn Millionen Rubel erlässt, um die Truppenstärke zu erhöhen.