US-Bundesrichter setzt Prozessbeginn gegen Maduro auf Juni 2027 fest
New York, 22. Juli 2026
Palácio do Planalto from Brasilia, Brasil / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Ein Bundesrichter in New York hat den Prozessbeginn gegen den abgesetzten venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores auf den 1. Juni 2027 festgelegt. Den beiden wird unter anderem "Drogenterrorismus" und der Schmuggel von tonnenweise Kokain in die USA vorgeworfen, im Falle einer Verurteilung droht lebenslange Haft.
Ein Bundesrichter in New York hat den Prozess gegen den abgesetzten venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores auf den 1. Juni 2027 angesetzt, wie am Mittwoch (22. Juli 2026) bei einem Gerichtstermin in Manhattan bekannt wurde.
Prozessauftakt in New York
Das Verfahren wird am Bundesgericht in New York stattfinden und soll am 1. Juni 2027 beginnen, wie Richter Alvin Hellerstein am Mittwoch in Anwesenheit Maduros festlegte. Es ist der dritte Auftritt des 63-Jährigen vor diesem Gericht. Nach Angaben der dpa-AFX murmelte Maduro bei seinem Erscheinen etwas, das wie "Good Morning" klingt. Maduro und seine 69 Jahre alte Ehefrau Flores sitzen seit ihrer spektakulären Festnahme im Januar dieses Jahres in den USA in Untersuchungshaft. Weniger als 48 Stunden nach der Festnahme saß Maduro erstmals in diesem Gerichtssaal.
Die US-Staatsanwaltschaft wirft Maduro und Flores vor, sich an der Spitze Venezuelas mit Drogenkartellen verbündet und tonnenweise Kokain in die USA geschmuggelt zu haben. Maduro soll demnach sein Amt als Präsident und vorangegangene Posten in der Regierung über Jahre dazu missbraucht haben, den Schmuggel von Tausenden Tonnen Kokain in die USA zu ermöglichen. Die Anklage lautet unter anderem auf "Drogenterrorismus"; dem 63-Jährigen droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe.
Anklagevorwurf des Drogenterrorismus
Die USA und zahlreiche weitere Staaten erkannten Maduro spätestens seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juli 2024 nicht mehr als rechtmäßigen Staatschef Venezuelas an. Einzelne Quellen verweisen zudem darauf, dass Washington Maduro bereits seit der umstrittenen Wahl 2018 nicht mehr als rechtmäßigen Präsidenten betrachtet hatte. Maduro hatte das südamerikanische Land insgesamt fast 13 Jahre lang autokratisch regiert, bevor er abgesetzt wurde.
Bei dem Gerichtstermin am Mittwoch in New York kam es auch zu Demonstrationen vor dem Gerichtsgebäude. Einige Teilnehmer trugen Plakate mit Aufschriften wie "Befreit Präsident Maduro" und schwenkten venezolanische Flaggen. Gegendemonstrierende hielten ihrerseits Plakate in die Höhe, auf denen Maduro und Flores als "Diktatoren" bezeichnet wurden. Damit spiegelte sich unmittelbar vor dem Gericht der tief gespaltene politische Umgang mit dem früheren Staatschef.
Demonstrationen vor dem Gericht
Das Bundesgericht in New York will mit dem angesetzten Termin klären, ob der Vorwurf des "Drogenterrorismus" Bestand hat. Die Verteidigung kündigte an, erst Anfang 2027 die Anklage im Einzelnen anzugreifen, insbesondere den Vorwurf, Maduro habe den venezolanischen Staatsapparat missbraucht, um Kokain in großem Stil in die USA zu bringen. Sollte die Verteidigung scheitern, könnte sich das Verfahren über den Sommer 2027 hinausziehen.
Die Anklage gegen Maduro und seine Ehefrau umfasst mehrere Punkte. Im Zentrum steht die Behauptung, dass die beiden über Jahre hinweg mit kartellähnlichen Strukturen in Venezuela kooperiert und so den Transport großer Mengen Kokain in die Vereinigten Staaten ermöglicht hätten. Die US-Behörden stützen sich bei ihren Vorwürfen nach eigener Darstellung auf Ermittlungen, die bis in die Amtszeit Maduros als Präsident zurückreichen.
Strategie der Verteidigung
Mit der Festlegung des Prozesstermins durch Richter Hellerstein ist nun ein konkreter Zeitrahmen für das weitere Verfahren gegeben. Bis zum 1. Juni 2027 bleibt Maduro in Untersuchungshaft in den USA. Die Verteidigung hatte nach früheren Angaben mehrfach eine Aussetzung oder Verlegung des Verfahrens beantragt, war damit jedoch vor dem Bundesgericht in Manhattan nicht durchgedrungen.
Der Fall hat über die unmittelbaren juristischen Fragen hinaus erhebliche außenpolitische Bedeutung. Die Anklage gegen einen früheren Staatschef wegen "Drogenterrorismus" ist in der internationalen Rechtspraxis ungewöhnlich. Beobachter werten das Verfahren auch als Signal der US-Regierung im Kampf gegen den internationalen Drogenhandel und als Prüfstein für die Reichweite amerikanischer Strafverfolgung gegenüber ausländischen Amtsträgern.
Außenpolitische Dimension
Venezuela selbst hat die Festnahme Maduros und die folgende Auslieferung an die USA scharf verurteilt. Die Regierung in Caracas sprach von einer Verletzung der Souveränität des Landes und bezeichnete die Anklage als politisch motiviert. Diese Sichtweise wird von Anhängern Maduros geteilt, die sich an den Demonstrationen vor dem Gerichtsgebäude beteiligten.
Für die US-Justiz bedeutet der Termin im Juni 2027 einen logistischen Kraftakt. In dem Verfahren müssen zahlreiche Beweismittel gesichtet werden, darunter mutmaßlich Dokumente aus venezolanischen Behörden sowie Zeugenaussagen mutmaßlicher Mittelsmänner. Das Gericht hat zugleich angekündigt, dass die Verteidigung ausreichend Zeit erhalten solle, um die Anklagepunkte zu prüfen.
Sollte das Gericht am Ende dem Anklagevorwurf des "Drogenterrorismus" stattgeben, hätte dies weitreichende Konsequenzen für die strafrechtliche Bewertung vergleichbarer Fälle. Die Konstruktion des Vorwurfs ist umstritten, da sie Handlungen im Ausland mit US-Strafrecht verknüpft und damit Fragen der extraterritorialen Jurisdiktion aufwirft.
Ausblick auf das Verfahren
Bis zum Prozessbeginn im Juni 2027 dürfte die politische Auseinandersetzung um Maduro weitergehen. Innerhalb Venezuelas ist die Anhängerschaft Maduros tief gespalten; in den USA selbst wird das Verfahren auch von Organisationen der Exil-Venezolaner aufmerksam verfolgt, die zum Teil als Kläger oder Nebenkläger auftreten könnten.
Der nun festgelegte Termin gilt als wichtiger Zwischenschritt in einem Verfahren, das bereits jetzt als eines der politisch aufgeladensten US-Strafprozesse der vergangenen Jahre gilt. Mit dem Juni 2027 wird sich zeigen, ob die Anklage den Vorwurf des "Drogenterrorismus" vor einem Bundesgericht in New York dauerhaft aufrechterhalten kann.
In der Berichterstattung des Deutschlandfunks vom 22. Juli 2026 wurde die Terminsetzung als Akt eines Bundesgerichts in New York eingeordnet, das nun den Vorwurf des "Drogenterrorismus" gegen Maduro und seine Ehefrau prüfen wird. Die Festlegung des Datums gilt als formeller Auftakt der heißen Phase des Verfahrens.
Fragen & Antworten
Wann beginnt der Prozess gegen Nicolás Maduro in den USA?
Ein Bundesrichter in New York hat den Prozessbeginn auf den 1. Juni 2027 festgesetzt, wie am 22. Juli 2026 bei einem Gerichtstermin in Manhattan bekannt wurde.
Was wird Maduro und seiner Ehefrau Cilia Flores vorgeworfen?
Die US-Staatsanwaltschaft wirft den beiden unter anderem "Drogenterrorismus" sowie den Schmuggel von tonnenweise Kokain in die USA vor, wobei Maduro seine Ämter als Präsident und in der Regierung über Jahre zum Schmuggel genutzt haben soll.
Warum erkennen die USA Maduro nicht mehr als Präsidenten an?
Die USA und zahlreiche weitere Staaten sahen Maduro spätestens seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juli 2024 nicht mehr als rechtmäßigen Staatschef Venezuelas an; einzelne Quellen verweisen zudem auf die umstrittene Wahl 2018.
Maduro-Prozess: US-Gericht setzt Start auf Juni 2027 an | nachrichten360