US-Angriffe auf Iran dauern an: Trump erwägt Ausweitung des Militäreinsatzes
Washington/Teheran, 20. Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben in der neunten aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran bombardiert, während Präsident Trump eine Ausweitung des Einsatzes prüft. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer Eskalation in der Straße von Hormuz, wo ein Schiff durch ein unbekanntes Geschoss getroffen wurde.
Washington/Teheran, 20. Juli 2026
Die USA haben in der neunten aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran bombardiert, während Präsident Donald Trump nach Angaben des Wall Street Journal eine Ausweitung der Militäroperation erwägt, und in der Straße von Hormuz ein Schiff durch ein unbekanntes Geschoss getroffen wurde.
Nach Angaben des US-Militärs vom frühen Morgen Mitteleuropäischer Zeit wurden bei der jüngsten Angriffswelle militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke im Iran ins Visier genommen. Das regionale US-Kommando CENTCOM veröffentlichte die Liste der Ziele über die Plattform X. Die seit mehr als vier Monaten andauernden Kämpfe zwischen den USA und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite haben sich nach derzeitigem Stand nochmals verschärft.
Ausweitung der Operationen im Gespräch
Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Beamte berichtete, tendiert Trump dazu, die Einsätze gegen den Iran auszuweiten. Zu den Optionen gehöre eine Verstärkung der Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormuz sowie die Bombardierung der als "Pickaxe Mountain" bekannten Atomanlage im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran. Trump hatte zuletzt mit einem Angriff auf den Komplex gedroht.
Parallel dazu verlegen die USA zusätzliche Kampfjets und Tankflugzeuge in den Nahen Osten. Laut dem Wall Street Journal werden F-35-Kampfflugzeuge von dem von den USA genutzten Stützpunkt RAF Lakenheath in Grossbritannien geschickt. Auch Tankflugzeuge befinden sich demnach auf dem Weg in die Region. Zudem verlegen die USA nun unter anderem Kampfflugzeuge vom Typ F-16 vom US-Flugplatz Spangdahlem in der Eifel in den Nahen Osten. Tankflugzeuge ermöglichen es, Kampfjets länger und über größere Distanzen in der Luft zu halten. Die zusätzlichen Jets könnten dem Bericht zufolge sowohl zum Schutz amerikanischer Stützpunkte als auch für größere Angriffe auf den Iran genutzt werden.
Militärische Aufrüstung und erste US-Verluste
Die New York Times berichtete ebenfalls unter Berufung auf US-Beamte, dass die Entscheidung zum Verlegen der Flugzeuge bereits getroffen worden sei, bevor am Freitag laut dem US-Militär zum ersten Mal seit Monaten wieder zwei US-Soldaten durch iranischen Beschuss getötet wurden. Ein dritter Soldat galt zunächst als vermisst; am Sonntag erklärte das US-Militär, Überreste seien an der Angriffsstelle gefunden worden und würden identifiziert. Am Samstag kam nach Angaben des US-Militärs ein weiterer US-Soldat im Nordirak bei einer kontrollierten Sprengung nicht detonierter Kampfmittel aus einer abgeschossenen iranischen Einwegdrohne ums Leben. Die offiziell bekannte Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Soldaten steigt damit auf 17.
Der Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen gegen Länder, in denen US-Stützpunkte stationiert sind. In Kuwait meldete die Armee neue Drohnenangriffe aus dem Iran; die Luftverteidigung wehre "feindliche Drohnen" aus dem Iran ab, teilte die Armee des Landes mit. Auch im ebenfalls mit Washington verbündeten Bahrain heulten wieder die Sirenen, wie das dortige Innenministerium bekanntgab. Die US-Botschaft in Bahrain erklärte, sie habe Hinweise auf mögliche iranische Angriffe auf nicht näher genannte Orte im Zentrum der Hauptstadt Manama und rief US-Bürger zu erhöhter Wachsamkeit auf.
Vergeltungsschläge in der Region
Die iranischen Revolutionsgarden meldeten, zwei Öltanker seien auf der Südroute durch die Meerenge gesprengt worden. Sie seien nun manövrierunfähig. Reuters konnte den Vorfall zunächst nicht unabhängig überprüfen. Zu Namen, Flaggen, Besatzungen oder möglichen Opfern machen die Garden keine Angaben. Laut Fars erklärten die Garden, die beiden Schiffe hätten unter US-Militärdruck die "unsichere Route" statt der von Teheran festgelegten Schifffahrtswege genommen.
Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurden Explosionen aus der Stadt Tabris im Norden des Landes, der Hafenstadt Tschahbahar am Golf vom Oman, aus Konarak in der südöstlichen Provinz Sistan-Belutschistan, der Hafenstadt Mahschahr in der Provinz Chusestan sowie der Hafenstadt Bandar Imam Chomeini am Persischen Golf gemeldet. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete zudem über Detonationen im Raum Sirik nahe der Strasse von Hormuz sowie aus der Provinz Buschehr.
Parallel zu den Kämpfen wurde in der Straße von Hormuz ein Schiff rund 15 Kilometer nordwestlich der omanischen Stadt Qumsar von einem "unbekannten Geschoss" getroffen, wie die britische Seebehörde UKMTO mitteilte. An Bord brach ein Brand aus, die Besatzung wurde evakuiert; der Brand ist nicht gelöffscht worden und das Schiff treibt derzeit. Die Sicherheitsfirma Ambrey registrierte einen Notruf eines unter maltesischer Flagge fahrenden Tankers. Der Iran beansprucht die Kontrolle des Schiffsverkehrs in der Meerenge für sich und verlangt, dass Schiffe eine Route entlang seiner Küste nehmen und nicht die Route vor der Küste des Omans.
Gefechte an der Straße von Hormuz
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten: Solange die US-Aggression in der Region andauere, sei die Meerenge weder für den Transport von petrochemischen Produkten noch für "einen einzigen Tropfen Öl und Gas" sicher. Das US-Militär müsse sich auf eine "Strafaktion" einstellen. Trump hielt dem entgegen: "Wir kontrollieren die Meerenge; sie kontrollieren gar nichts. Mal sehen, was passiert." Trump sagte zudem nach seiner Rückkehr vom WM-Finale, die Angriffe seien "zu Ehren" der "wahrscheinlich drei großartigen Patrioten" erfolgt, die im Einsatz waren, "damit der Iran keine Atomwaffen bekommen kann". Mit Blick auf das militärische Kräfteverhältnis behauptete er: "Militärisch haben sie fast alles verloren."
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA würden "weiterhin tun, was nötig ist, um die weltweite Schifffahrt zu schützen", und rief andere Staaten auf, sich "durch Ausrüstung oder finanzielle Mittel" zu beteiligen. Gleichzeitig hielt Rubio fest: "Wir sind stets offen für Diplomatie." Man werde es "auch weiterhin versuchen. Sollte sich diese Tür öffnen, würden wir das begrüßen". Der Iran hatte am Samstag das im Juni mit Washington ausgehandelte Rahmenabkommen, das Grundlage für einen Friedensschluss innerhalb von 60 Tagen sein sollte, für nichtig erklärt. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai bestätigte in Teheran laut der Staatsagentur IRNA, dass der Iran über Vermittler Vorschläge für eine Wiederaufnahme von Verhandlungen erhalten habe.
Die Washington Post zitierte einen ungenannten US-Beamten mit der Warnung: "Wir haben nicht genug, um die Einsätze sicher aufrechtzuerhalten, und ich glaube nicht, dass sich das Weiße Haus dessen bewusst ist." Die Zeitung berichtete zugleich von Vorbereitungen auf eine mögliche Ausweitung des Konflikts. Unterdessen stiegen die Ölpreise erneut und überschritten erstmals seit Anfang Juni die Marke von 90 US-Dollar.
Fragen & Antworten
Welche Ziele hat das US-Militär in der jüngsten Angriffswelle im Iran angegriffen?
Nach Angaben des US-Militärs und von CENTCOM wurden militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke im Iran getroffen.
Welche Optionen prüft Trump für eine Ausweitung des Einsatzes gegen den Iran?
Laut dem Wall Street Journal erwägt Trump eine Verstärkung der Luftangriffe, den Einsatz von Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormuz sowie die Bombardierung der als "Pickaxe Mountain" bekannten Atomanlage südlich von Natans.
Wie hat der Iran auf die US-Angriffe reagiert?
Der Iran hat Vergeltungsschläge gegen Länder mit US-Stützpunkten wie Kuwait, Bahrain und Jordanien ausgeführt und nach eigenen Angaben zwei Öltanker in der Straße von Hormuz angegriffen; zudem erklärte er das im Juni ausgehandelte Rahmenabkommen mit den USA für nichtig.
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