Bericht: Trump erwägt Ausweitung des Iran-Kriegs – von Bodentruppen bis zu Angriffen auf Atomanlagen
20.7.2026
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Kurzfassung
Nach neun Nächten Luftangriffen auf den Iran erwägt die US-Regierung laut Wall Street Journal eine deutliche Ausweitung des Konflikts. Dazu zählen Bodenoperationen, Angriffe auf mutmaßliche Atomanlagen und die Verlegung zusätzlicher Kampfjets aus Deutschland und Großbritannien.
Die US-Regierung erwägt einem Bericht des Wall Street Journal zufolge eine deutliche Ausweitung ihres Militäreinsatzes gegen den Iran, einschließlich intensiver Luftangriffe, gezielter Angriffe auf mutmaßliche iranische Atomanlagen und der Stationierung von Bodentruppen auf iranischen Inseln nahe der Straße von Hormus.
Ausweitung der Angriffe
Die USA haben nach Angaben von US-Präsident Donald Trump in der neunten Nacht in Folge den Iran angegriffen. „Wir habe sie wieder sehr hart getroffen, militärisch haben sie fast alles verloren“, sagte Trump nach dem Endspiel der Fußball-WM. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte, man habe militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke ins Visier genommen, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom mit.
Aus dem Iran wurden Explosionen in mehreren Gebieten gemeldet. Die US-Angriffe seien eine Reaktion auf die Tötung amerikanischer Soldaten in Jordanien, hieß es aus dem Weißen Haus. Am Freitag waren an einer Luftwaffenbasis etwa 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Amman zwei Soldaten umgekommen. Die Gesamtzahl der US-Militärtoten seit Beginn des neuen Iran-Kriegs Ende Februar ist nach offiziellen Angaben auf 17 gestiegen.
Militärische Optionen auf dem Tisch
Das Wall Street Journal berichtet, Trump tendiere dazu, die Operationen gegen den Iran auszuweiten. Zu den Optionen gehörten demnach intensivierte Luftschläge, gezielte Angriffe auf Bereiche vermuteter iranischer Atomanlagen und sogar der Einsatz von Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus, um dort längerfristig die Kontrolle zu übernehmen. Militärexperten stufen eine Bodenoperation zur Besetzung iranischer Inseln als hochkomplex, verlustreich und langwierig ein.
Laut Washington Post zitiert ein US-Offizieller, dass eine vollständige Eskalation des Krieges vor allem durch schwindende US-Waffenbestände gebremst werde und das Weiße Haus sich dieser Tatsache bewusst sei. Die New York Times meldete, Tankflugzeuge seien bereits in die Krisenregion unterwegs. Nach WSJ-Informationen sollen F-16-Kampfjets aus Deutschland und F-35-Jets aus Großbritannien in den Nahen Osten verlegt werden.
Diplomatie unter Beschuss
Parallel zu den Angriffen laufen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters Vermittlungsbemühungen. Unter Berufung auf einen iranischen Insider berichtete Reuters, Vermittler hätten eine neue Waffenruhe von zehn Tagen vorgeschlagen. Das iranische Außenministerium sprach von „indirekten“ Kontakten mit Washington. Sprecher Ismail Baghai sagte am Montagmorgen, der Iran sei offen für Gespräche. US-Aussenminister Marco Rubio hat gestern Abend bekräftigt, dass die USA immer noch offen sind für Gespräche. „Wir sind stets offen für Diplomatie“, sagte Rubio, betonte aber, eine Vereinbarung müsse auch von Teheran eingehalten werden.
Die diplomatischen Signale stehen im Widerspruch zur militärischen Lage. Mitte Juni hatten sich die USA und der Iran auf eine Absichtserklärung geeinigt, mit der 60-Tage-Frist, den Sanktionserleichterungen, der Öffnung der Strasse von Hormus. Nach Einschätzung des Nahost-Korrespondenten Thomas Gutersohn ist diese Übereinkunft faktisch gescheitert: „weil einfach die wichtigsten Punkte dieses Abkommens gebrochen wurden“. „Im Moment setzen beide auf eine Art Zermürbungstaktik. Sie wollen den Druck hochhalten, ohne dass die Sache komplett aus dem Ruder läuft“, sagte Gutersohn weiter.
Iranische Vergeltung in der Region
Die iranische Revolutionsgarde reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Region. Die iranische Revolutionsgarde sagte zudem, sie habe in Jordanien stationierte US-Militärflugzeuge mit ballistischen Raketen beschossen. Das iranische Militär griff im Gegenzug Ziele in den Golfstaaten und Jordanien an. Kuwait meldete wiederum iranische Angriff. In Bahrain heulten am Montag erneut Sirenen auf. Die US-Botschaft in Manama riet allen Amerikanern in Bahrain zu erhöhter Wachsamkeit und verwies auf Hinweise auf iranische Angriffe auf das Zentrum der Hauptstadt.
Der Iran hat aber auch die Hafenstadt Akaba übers Wochenende zum Ziel genommen. Akaba ist eine beliebte Feriendestination, aber auch der einzige Hafen Jordaniens. Jordanien war von Beginn weg immer wieder Ziel von Angriffen aus dem Iran. Alle strategischen Partner der USA sind potenzielle Ziele des Irans. Das hat die iranische Führung von Beginn weg klargemacht.
Straße von Hormus als Zankapfel
Teheran erklärte, zwei Öltanker in der Straße von Hormus seien gesprengt und die Schiffe manövrierunfähig gemacht worden. Britische Quellen bestätigten, dass mindestens einer der Tanker in Brand geraten war. Die Straße von Hormus ist seit Tagen de facto geschlossen, wie Live-Bilder zeigen. Vor dem Konflikt passierten 20 Prozent des globalen Öl- und Flüssiggas-handels diese Meerenge. Trump kontert: „Wir kontrollieren die Meerenge, sie (die Iraner; Anm.) kontrollieren gar nichts“.
Der Iran seinerseits zielt darauf ab, dass die Öl- und Gaspreise so weit ansteigen, dass der Druck auf US-Präsident Trump zu gross wird – auch im Hinblick auf die Midterms im November. Die Islamische Republik schon seit Jahrzehnten wegen der internationalen Sanktionen mit starkem wirtschaftlichem Druck zu kämpfen hat. Die iranische Währung hat schon vor dem Krieg 96 Prozent ihres Wertes verloren. Nun sind auch die Häfen blockiert, was den Handel erschwert.
Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
Die Folgen sind bereits auf den Energiemärkten sichtbar. Brent-Öl hat die Marke von 90 Dollar pro Barrel (159 Liter) überschritten und ist im betrachteten Monat um knapp 30 Prozent gestiegen. In Österreich nähert sich der Dieselpreis wegen der erneuten Eskalation im US-Iran-Krieg wieder der Zwei-Euro-Marke. Der Iran droht den USA mit «unvergesslichen Lektionen» und erklärte, kein Tropfen Öl und (Flüssig-)Gas solle die Meerenge passieren, solange die US-Aggression in der Region anhalte.
Mittlerweile schrecken weder die USA noch der Iran davor zurück, zivile Ziele anzugreifen. Der Iran lehne aber diese Dualität von Krieg und Verhandlungen der USA ab. Der Iran würde entweder Krieg führen oder verhandeln. Damit bleibt abzuwarten, ob die laufenden indirekten Kontakte zu einer neuen Waffenruhe führen oder ob die angekündigte Ausweitung der US-Operationen die Lage weiter verschärft.
Für die kommenden Tage rechnen Beobachter sowohl mit verstärkten Luftangriffen als auch mit iranischen Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte und verbündete Ziele in der Region. Der Druck auf Trump, vor den Midterms im November eine Lösung zu präsentieren, wächst. Gleichzeitig hat Teheran ein wirtschaftliches Druckmittel in der Hand, das über die Energiepreise weltweit wirkt.
Fragen & Antworten
Welche militärischen Optionen prüft die US-Regierung laut WSJ?
Dem Bericht zufolge erwägt Washington intensivierte Luftangriffe, gezielte Angriffe auf mutmaßliche iranische Atomanlagen sowie den Einsatz von Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus für eine längerfristige Kontrolle.
Warum gilt die Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran als gescheitert?
Die Mitte Juni vereinbarte Absichtserklärung umfasste eine 60-Tage-Frist, Sanktionserleichterungen und die Öffnung der Straße von Hormus. Nach Einschätzung des Nahost-Korrespondenten Thomas Gutersohn wurden jedoch die wichtigsten Punkte gebrochen, sodass die Übereinkunft praktisch hinfällig ist.
Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Eskalation bereits?
Brent-Öl hat die Marke von 90 Dollar pro Barrel überschritten und ist im Monatsverlauf um rund 30 Prozent gestiegen. In Österreich nähert sich der Dieselpreis wieder der Zwei-Euro-Marke, während der Iran die Blockade der Straße von Hormus als Druckmittel gegen die US-Regierung einsetzt.
USA-Iran-Krieg: Trump plant Eskalation laut WSJ | nachrichten360