Ungarns Premier Magyar plant Schachgroßmeisterin Judit Polgár als neue Staatspräsidentin
Budapest, 20. Juli 2026
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Kurzfassung
Ungarns Premierminister Péter Magyar will die frühere Schachweltklassespielerin Judit Polgár als neue Staatspräsidentin vorschlagen. Das Amt wurde frei, nachdem das Parlament den bisherigen Präsidenten Tamás Sulyok abgesetzt hatte.
Ungarns Premierminister Péter Magyar will die frühere Schachgroßmeisterin Judit Polgár als Kandidatin für das Amt der Staatspräsidentin vorschlagen und kündigte für diesen Montag ein Treffen mit der 49-Jährigen an.
Die Nachfolgefrage an der Spitze des ungarischen Staates ist nach der Absetzung von Präsident Tamás Sulyok akut geworden. Das ungarische Parlament hatte zuvor Verfassungsänderungen beschlossen, die auch zur Beendigung der Amtszeit Sulyoks führten. Über die interimistische Regelung wird eine außerordentliche Parlamentssitzung am Montag entscheiden.
Hintergrund: Absetzung von Präsident Sulyok
Sulyok selbst bezeichnete seine Absetzung als verfassungswidrig. Er sehe jedoch keine rechtliche Möglichkeit, etwas gegen die vom ungarischen Parlament beschlossenen Änderungen zu unternehmen. Sulyok gilt als Vertrauter des ehemaligen Regierungschefs Viktor Orbán. Während der 30-tägigen Übergangsfrist soll Parlamentspräsidentin Ágnes Forsthoffer als kommissarisches Staatsoberhaupt amtieren.
Magyar kündigte für den heutigen Montag ein Treffen mit der 49-Jährigen an, um mit ihr über sein Vorhaben zu sprechen. Er schrieb auf Facebook, er hoffe, dass Polgár ihm „die große Ehre" erweise, die Nominierung anzunehmen. Seine Partei Tisza verfügt im Parlament über eine Zweidrittelmehrheit, was die Wahl einer neuen Präsidentin erheblich erleichtert.
Magyar kündigt Treffen mit Polgár an
Der neue Premier Magyar sieht sich durch seinen klaren Wahlsieg legitimiert, Orbáns Machtstrukturen abzubauen. Orbán war im April abgewählt worden und gilt als Rechtspopulist. Magyar hatte bereits unmittelbar nach seinem Amtsantritt angekündigt, die politischen Institutionen neu ordnen zu wollen.
Judit Polgár spielte schon als Jugendliche auf Weltklasseniveau. Als erfolgreichste Schachspielerin der Geschichte führte sie 26 Jahre lang ununterbrochen die Weltrangliste der Frauen an und gehörte gleichzeitig zu den zehn besten Spielern der Weltrangliste. Sie ist mehrfache Olympiasiegerin im Schach und beendete ihre aktive Karriere vor mehr als zehn Jahren.
Wer ist Judit Polgár?
Nach ihrem Rückzug aus dem Profischach blieb Polgár weiter in der Schachförderung aktiv. Sie leitet eine Stiftung, die sich für Bildung und Chancengleichheit einsetzt. Polgár hat allerdings bisher kein politisches Amt bekleidet.
Magyar würdigte Polgár als die erfolgreichste Schachspielerin der Geschichte. Der Name Judit Polgár stehe seit Jahrzehnten für „Talent und Beharrlichkeit". Auch sein Vorgänger Orbán hatte sie bereits öffentlich als „erfolgreichste Spielerin in der Geschichte des Schachs" gelobt.
Ungewöhnlich ist der Schritt in mehrfacher Hinsicht: Mit Polgár würde eine weltweit bekannte Sportlerin ohne politische Erfahrung an die Spitze des Staates treten. Zugleich wäre sie eine prominente Symbolfigur für einen politischen Neuanfang, der mit dem Bruch der Ära Orbán verbunden ist.
Offene Fragen und nächste Schritte
Offen ist bislang, ob Polgár die Nominierung tatsächlich annehmen wird. Magyar hatte das Treffen für Montag angekündigt, um mit ihr über sein Vorhaben zu sprechen. Das Parlament hat 30 Tage Zeit, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen.
In Ungarn wird das Staatsoberhaupt vom Parlament gewählt. Damit kommt der Zweidrittelmehrheit der Tisza-Partei von Magyar entscheidende Bedeutung zu. Stimmt Polgár einer Kandidatur zu, gilt ihre Wahl als wahrscheinlich.
Politische Bedeutung des Vorgangs
Unabhängig von der Personalentscheidung dürfte der Vorgang auch über Ungarn hinaus Aufmerksamkeit erregen. Die Verfassungsänderungen, die zur Entlassung Sulyoks führten, waren innenpolitisch umstritten. Sulyoks Bewertung als „verfassungswidrig" steht der Auffassung der Parlamentsmehrheit gegenüber.
Auch kulturell hat Polgár in diesem Jahr neue Aufmerksamkeit erhalten: Sie besuchte im Januar 2026 die Premiere des Films „Queen Of Chess" beim Sundance Film Festival in Park City, Utah. Die Aufmerksamkeit unterstreicht ihre internationale Strahlkraft.
Mit der geplanten Nominierung verbindet Magyar offenbar das Ziel, eine international angesehene Persönlichkeit an die Spitze des Staates zu stellen. Bildung und Chancengleichheit zählen zu den Schwerpunkten von Polgárs Stiftungsarbeit und entsprechen dem programmatischen Profil der Tisza-Partei.
Sollte Polgár tatsächlich gewählt werden, wäre sie die erste Staatspräsidentin Ungarns ohne vorherige politische Erfahrung in diesem Ausmaß. Ihre Rolle bliebe nach der ungarischen Verfassung allerdings überwiegend repräsentativ.
Die Nachricht wurde am 20.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die dpa (Deutsche Presse-Agentur) berichtete über die geplante Nominierung. Magyar hatte den Schritt über seine Facebook-Seite öffentlich gemacht.
Sowohl Magyar als auch sein Vorgänger Orbán hatten sich zuvor lobend über Polgár geäußert. Die Zustimmung aus dem politischen Lager ist jedoch keine Garantie dafür, dass Polgár das Amt tatsächlich übernimmt – ihre endgültige Entscheidung wird erst nach dem Treffen am Montag erwartet.
Beobachter werten den Schritt als Signal für einen grundlegenden politischen Neuanfang in Ungarn nach dem Wahlsieg Magyars. Zugleich wirft die Absetzung Sulyoks Fragen zur Verfassungsmäßigkeit des Vorgehens auf. Magyar sieht sich durch seinen Wahlsieg legitimiert, „Orbáns Machtstrukturen abzubauen".
Fragen & Antworten
Wer ist Judit Polgár?
Judit Polgár ist eine 49-jährige ehemalige Schachgroßmeisterin, die 26 Jahre lang ununterbrochen die Weltrangliste der Frauen anführte und mehrfache Olympiasiegerin im Schach ist. Sie hat bisher kein politisches Amt bekleidet und leitet eine Stiftung für Bildung und Chancengleichheit.
Warum wurde Präsident Sulyok abgesetzt?
Das ungarische Parlament hatte Verfassungsänderungen beschlossen, die auch zur Beendigung der Amtszeit von Präsident Tamás Sulyok führten. Sulyok selbst bezeichnete seine Absetzung als verfassungswidrig, sieht jedoch keine rechtliche Möglichkeit, dagegen vorzugehen.
Wie wird in Ungarn der Präsident gewählt?
In Ungarn wird das Staatsoberhaupt vom Parlament gewählt. Die Partei Tisza von Premier Magyar verfügt dort über eine Zweidrittelmehrheit, sodass die Wahl einer neuen Präsidentin deutlich erleichtert wird.
Judit Polgár als Präsidentin: Magyar plant Nominierung | nachrichten360