Trump 250-Jahr-Feier USA: Rede, Sturm, Patriot Front | nachrichten360
Trump nutzt 250-Jahr-Feier der USA für politische Kundgebung in Washington
Washington, 5. Juli 2026
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Kurzfassung
Anlässlich des 250. Gründungstags der USA hat US-Präsident Donald Trump vor Tausenden Besuchern auf der National Mall in Washington eine Rede gehalten und vor einer angeblichen kommunistischen Bedrohung gewarnt. Die Feierlichkeiten wurden mehrfach unterbrochen: zuerst durch extreme Hitze, dann durch ein Gewitter, das eine Evakuierung des Geländes erzwang.
US-Präsident Donald Trump hat am Samstagabend (Ortszeit) auf der National Mall in Washington vor Tausenden Zuschauern eine Rede anlässlich des 250. Gründungstags der Vereinigten Staaten gehalten und dabei vor einer angeblichen kommunistischen Bedrohung im Land gewarnt.
Die Vereinigten Staaten von Amerika feiern in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag. Vor 250 Jahren unterzeichneten die Gründerväter der USA am 4. Juli 1776 in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien und begründeten damit die Nation. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum konzentrierten sich auf die Hauptstadt Washington, wo auf der National Mall, der Rasenfläche zwischen Kapitol und Washington-Denkmal, ein mehrwöchiges Programm mit Konzerten, religiösen Veranstaltungen und Sportereignissen stattfand.
Trotz Temperaturen von bis zu 39 Grad Celsius hatten sich Zehntausende Menschen auf dem Festgelände versammelt, um eine Flugshow mit Kampfjets und anschließend die Rede des Präsidenten zu sehen. Die US-Hauptstadt Washington ächzt seit Tagen unter sengender Hitze um die 40 Grad. Die Rekordhitze hatte bereits zur Absage mehrerer Paraden und anderer Veranstaltungen in der Region geführt, darunter auch die große Unabhängigkeitsparade in Washington.
Hitzewelle und abgesagte Paraden
Auch in anderen Städten entlang der Ostküste, etwa in Philadelphia, wurden Paraden abgesagt. Die Veranstalter riefen Besucher auf, in umliegenden Museen, Ministerien und anderen öffentlichen Gebäuden Unterschlupf zu suchen, nachdem am Abend eine Sturmwarnung herausgegeben worden war. Die von der Trump-Regierung geplante Veranstaltung „Great American State Fair" auf der National Mall wurde vorübergehend geschlossen, nachdem mehrere Menschen kollabiert waren. In Washington wurde wegen der Hitze Wasser an die Besucher verteilt.
Am späten Samstagabend musste die National Mall wegen einer Unwetterwarnung evakuiert werden. Tausende Besucher mussten zeitweise das Festgelände verlassen und drängten sich auf der Pennsylvania Avenue. Die Evakuierung verlief teilweise chaotisch: Einige Menschen versuchten, sich vor den Blitzen in Sicherheit zu bringen, andere weigerten sich, den abgesperrten Bereich zu verlassen, und riefen „Trump, Trump"-Sprechchöre. Nach rund zwei Stunden wurden die Menschen wieder zurück auf das Gelände gelassen.
Unwetter zwingt Besucher zur Flucht
Trump hatte seinen Auftritt zuvor auf seiner Plattform Truth Social als „die spektakulärste aller Trump-Kundgebungen" angekündigt. Kurz nach dem Evakuierungsaufruf postete er, er werde seine Rede halten, egal wann, und schrieb: „Gewitter bringen Glück." Tatsächlich wurde Trumps Rede zusammen mit dem anschließenden Feuerwerk um mehr als eine Stunde verschoben. Ursprünglich für 21.45 Uhr US-Ostküstenzeit angesetzt, sollte sie schließlich gegen 23 Uhr Ortszeit stattfinden.
Trump warnt vor kommunistischer Bedrohung
Trump, der nach eigenen Worten „eine richtig lange Rede halten" wollte, „nur um zu zeigen, dass ich alles schaffen kann", nutzte die Feierlichkeiten, um auf die aus seiner Sicht Erfolge seiner zweiten Amtszeit hinzuweisen. Bereits am Vorabend hatte er am Nationaldenkmal Mount Rushmore in einer Rede vor einer angeblichen „kommunistischen Bedrohung" in den USA gewarnt. Damit spielte er auf jüngste Wahlsiege linksgerichteter demokratischer Politiker an. In seiner Ansprache erklärte Trump zudem, der Kommunismus gehöre zu den größten Gefahren für das Land; seine Administration werde diese Bedrohung im Geist der Gründerväter abwehren und die Freiheit verteidigen.
Während der Feierlichkeiten ehrte der Präsident zudem mehrere Kriegsveteranen auf der Bühne. Allerdings sind viele Amerikaner kriegsmüde, während die US-Regierung das Kriegerethos beschwört. Vor allem am Iran-Krieg stören sich viele Menschen im Land. Trump steht innenpolitisch massiv unter Druck, seine Zustimmungswerte sind schon lange niedrig.
Das mehrwöchige Jubiläumsprogramm umfasst religiöse Veranstaltungen mit vorwiegend konservativen christlichen Rednern sowie Sportereignisse, darunter Kampfsport-Wettbewerbe auf dem Gelände des Weißen Hauses anlässlich von Trumps 80. Geburtstag. Kritiker werfen den Organisatoren vor, mit sogenannten „Freedom Trucks" eine übermäßig religiöse Version der US-Geschichte zu verbreiten und Themen wie Sklaverei und rassistische Ungerechtigkeit auszublenden.
Kritik an Instrumentalisierung der Feiern
Die oppositionellen Demokraten werfen dem Präsidenten vor, die 250-Jahr-Feiern für ein parteipolitisches Spektakel vor den Zwischenwahlen zum Kongress im November zu nutzen. Beobachter sehen darin eine zunehmende Vermischung von offizieller Gedenkfeier und Wahlkampfauftritt. In der Vergangenheit hatten sich US-Präsidenten bei Unabhängigkeitsfeiern überwiegend politisch zurückgehalten.
Die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft im Jubiläumsjahr machte auch ein Aufmarsch vermummter Männer in der Nähe des Kapitols sichtbar. Hunderte Anhänger der rechtsextremen Organisation „Patriot Front", die von der Überlegenheit Weißer überzeugt ist, waren mit der U-Bahn in die Stadt gekommen. Wie auf Bildern zu sehen war, waren die Mitglieder der Gruppe zumeist mit weißen Tüchern vermummt und trugen Baseballkappen mit Abzeichen der Gruppe. Sie riefen „Reclaim America!" (Erobert Amerika zurück).
Aufmarsch der Patriot Front
Daneben schwenkten einige von ihnen Konföderiertenflaggen – die Flagge der sklavenhaltenden Südstaaten im US-Bürgerkrieg (1861 bis 1865), die heute als rassistisches Symbol gilt. Die Polizei betonte das Recht auf Meinungsfreiheit und griff nicht ein. Gewalttätige Zwischenfälle wurden der Polizei zufolge jedoch nicht gemeldet.
Begleitet wurden die Feierlichkeiten in New York von einer Schiffsparade anlässlich von „Sail250", bei der Jets die Freiheitsstatue überflogen und ein Schiff der Feuerwehr von New York Wasserfontänen aufsteigen ließ. In Washington wurde am Samstagabend (Ortszeit) das „größte Feuerwerk der Welt mit 850.000 Böllern" erwartet. Trump hatte das Spektakel im Vorfeld als „das größte Feuerwerk der Welt" angekündigt.
Feuerwerk und Schiffsparade in New York
Die Berichterstattung über die Geschehnisse wurde am 5. Juli 2026 unter anderem vom Deutschlandfunk ausgestrahlt. Ob die Rede wie geplant stattfinden konnte, war während der Berichterstattung zunächst ungewiss. Am Ende hielt Trump seine Ansprache vor den versammelten Zuschauern – die Rede und das Feuerwerk hatten sich allerdings um mehr als eine Stunde verzögert.
Insgesamt verdeutlichte das Wochenende um den 250. Geburtstag der USA die politische wie gesellschaftliche Spannungslage des Landes: Während die einen den Nationalfeiertag als Fest der Einheit begehen wollten, nutzten andere – von extremistischen Gruppen bis zum Präsidenten selbst – die Bühne für eigene Botschaften. Die extreme Hitze und das Unwetter taten ein Übriges, um den Ablauf der Feiern mehrfach durcheinanderzubringen.
Fragen & Antworten
Was hat es mit dem Aufmarsch vermummter Männer nahe dem Kapitol auf sich?
Hunderte Anhänger der rechtsextremen Organisation „Patriot Front", die von der Überlegenheit Weißer überzeugt ist, kamen mit der U-Bahn nach Washington und marschierten vermummt mit weißen Tüchern sowie Baseballkappen mit Abzeichen der Gruppe in der Nähe des Kapitols auf, wobei sie „Reclaim America!" riefen.