Trump kündigt mögliche Unterzeichnung eines Iran-Abkommens an und sagt geplante Angriffe ab
Washington/Teheran, 12. Juni 2026
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Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat für die kommenden Tage eine Unterzeichnung eines Rahmenabkommens mit dem Iran in Aussicht gestellt und zuvor angekündigte schwere Militärschläge gegen die Islamische Republik abgesagt. Er verwies auf Gespräche mit der höchsten iranischen Führungsebene, während die Ölpreise deutlich fielen und die Aktienkurse stiegen.
Washington/Teheran, 12. Juni 2026
US-Präsident Donald Trump hat die für Donnerstagabend angekündigten schweren Angriffe auf den Iran abgesagt und für die kommenden Tage eine Unterzeichnung eines Rahmenabkommens in Aussicht gestellt.
Der Schritt markiert eine überraschende Wende in dem seit Monaten schwelenden Konflikt zwischen Washington und Teheran. Trump erklärte auf seiner Online-Plattform Truth Social, dass die Vereinigten Staaten die Islamische Republik in der kommenden Nacht „sehr hart" treffen würden, sagte die Angriffe jedoch wenige Stunden später mit Verweis auf Verhandlungen auf höchster iranischer Ebene wieder ab. Zeitpunkt und Ort der Unterzeichnung des Abkommens würden „in Kürze bekanntgegeben".
Im Oval Office sagte Trump, die Gespräche und letzten Punkte seien im Detail von allen beteiligten Parteien gebilligt worden, darunter die Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Ägypten. „Das sollte in den nächsten Tagen passieren. Wahrscheinlich werde es eine Unterzeichnung geben – ‚vielleicht in Europa'", sagte der Präsident. Er selbst werde an der Zeremonie nicht teilnehmen können, Vizepräsident JD Vance solle ihn vertreten.
Hintergrund: Stockende Verhandlungen und gegenseitige Angriffe
Trump äußerte zudem die Vermutung, dass der neue iranische Oberste Führer, Ayatollah Mojtaba Khamenei, das Abkommen persönlich genehmigt habe. „So wie ich es verstehe, ist die Antwort ja", sagte Trump mit Blick auf die Zustimmung Khameneis. Allerdings hatten iranische Stellen dies am Donnerstag noch nicht formell bestätigt. Die iranische staatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise, „Es wurde kein Text für eine Vereinbarung gebilligt".
Die iranische Führung reagierte zunächst zurückhaltend. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, der Iran habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Die geltende Feuerpause angesichts der jüngsten US-Angriffe bezeichnete das Ministerium als „praktisch bedeutungslos". Auf eine formelle Aufkündigung der seit April geltenden Waffenruhe verzichtete das Ministerium aber. Die Revolutionsgarden reagierten unter anderem mit Gegenangriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien, Bahrain und Kuwait.
In der Nacht auf Donnerstag hatten die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben erneut militärische Überwachungsanlagen, Kommunikationssysteme und Luftabwehrstellungen im Iran angegriffen. Trump begründete die Militärschläge unter anderem mit den festgefahrenen Friedensverhandlungen. Nach Angaben aus Teheran wurden mindestens drei Menschen verletzt. Am Wochenende zuvor hatten sich Iran und Israel gegenseitig beschossen.
Militärische Lage in der Region
Die Lage in der Region blieb auch nach Trumps Ankündigung angespannt. Nach offiziellen Angaben aus Amman fing Jordanien in der Nacht 20 aus dem Iran abgefeuerte Raketen ab. In der Hauptstadt Manama und in der Stadt Hammad in Bahrain verursachten herabfallende Trümmer abgewehrter iranischer Drohnenangriffe Brände an Fahrzeugen und Schäden an Wohngebäuden. Bei den Angriffen wurde nach lokalen Behördenangaben ein elfjähriges Mädchen verletzt. Iran griff in derselben Nacht zudem die Golfstaaten Bahrain und Kuwait an.
Im östlichen Jordanien unterhalten die US-Streitkräfte einen Stützpunkt, an dem unter anderem Kampfjets stationiert sind. Das iranische Staatsradio meldete, zwei Schiffe seien beschossen worden. Das iranische Nachrichtenportal Mehr berichtete unter Berufung auf offizielle Quellen, ein mit Grundnahrungsmitteln beladenes Boot sei in den frühen Morgenstunden Ortszeit in der Straße von Hormus von einem US-Geschoss getroffen worden; die Besatzung wurde gerettet. Indiens Außenministerium in Neu Delhi teilte mit, 21 weitere Besatzungsmitglieder seien gerettet worden.
Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran dauert nach Angaben des Berichts seit drei Monaten an und hat bereits Tausende Menschenleben gekostet sowie die weltweiten Energiepreise in die Höhe getrieben. Angesichts der jüngsten Eskalation erklärte das iranische Militär, jedes Schiff, das die Meerenge passieren wolle, anzugreifen. Die US-Seitenblockade Irans war eine Reaktion auf die iranische De-facto-Blockade der strategischen Wasserstraße gewesen.
Streitpunkte: Eingefrorene Gelder und Atomwaffenfrage
Ein zentraler Streitpunkt in den Verhandlungen ist die Freigabe eingefrorener iranischer Öleinnahmen im Ausland. Teheran fordert die Auszahlung von sechs bis zwölf Milliarden Dollar. Die US-Regierung will die Mittel gestaffelt und ausschließlich für humanitäre Güter auszahlen. Weitere iranische Forderungen sind ein Ende der israelischen Angriffe im Libanon, die Aufhebung von Sanktionen sowie die Anerkennung der Kontrolle über die Straße von Hormus.
Im Gegenzug verlangt Trump ein Ende der iranischen Blockade der Meerenge sowie Garantien, dass der Iran keine Atomwaffen entwickelt. Das Abkommen sieht laut dem Bericht die sofortige Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der US-Seitenblockade vor. Trump erklärte, der Iran werde unter der Vereinbarung „niemals eine Atomwaffe" besitzen. Die US-Seitenblockade iranischer Schiffe und Häfen bleibe jedoch „bis zum endgültigen Abschluss einer Vereinbarung" vollständig in Kraft, schrieb Trump auf Truth Social.
Parallel zur Ankündigung drohte Trump zugleich mit weiteren Schritten: „In nicht allzu ferner Zukunft würden die USA zudem die iranische Insel Kharg sowie weitere Teile der Ölinfrastruktur einnehmen", schrieb er. Zudem kündigte er an, die USA würden „die vollständige Kontrolle über die iranischen Öl- und Gasmärkte übernehmen". Die Insel Kharg im Persischen Golf beherbergt den wichtigsten Ölhafen Irans, über den „rund 90 Prozent seiner Ölexporte" abgewickelt werden.
Trumps Drohungen und Vergleiche
Trump zog einen Vergleich zu seinem Vorgehen in Venezuela heran und erklärte, dieser Ansatz habe für die USA und Venezuela „brillant" funktioniert. Eine Einigung mit dem Iran sei „schon am Wochenende möglich". Zugleich warnte er in einem Telefonat mit Fox News vor „größeren" und „mächtigeren" Bombenangriffen, sollte die Diplomatie scheitern. Trump sagte zudem, er werde mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sprechen.
An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für deutliche Bewegungen. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent fiel unter 90 US-Dollar pro Barrel und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mitte April. Der globale Ölpreis gab insgesamt deutlich nach. Die Aktienindizes an der New Yorker Wall Street weiteten ihre Gewinne aus, der Euro stieg gegenüber dem US-Dollar.
Reaktionen an den Finanzmärkten
Trump begründete die Absage der für Donnerstagabend geplanten Angriffe mit Fortschritten in den Gesprächen über ein Abkommen. Wenige Stunden zuvor hatte er dem Iran noch mit „sehr harten" Militärschlägen gedroht. US-Präsident Donald Trump hatte seit Mitte März wiederholt behauptet, eine Einigung mit dem Iran stehe unmittelbar bevor.
Ausblick: G7-Gipfel und mögliche Unterzeichnung
Am Rande der diplomatischen Entwicklungen kündigte Trump an, nach seinem 80. Geburtstag am Sonntag, dem 14. Juni, zum G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains am Genfer See zu reisen. Der Gipfel findet vom 15. bis 17. Juni statt. Zu den G7-Mitgliedern gehören die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan sowie die Europäische Union. Am Randel des G7-Treffens könnte nach Trumps Worten „vielleicht in Europa" auch die Unterzeichnung des Iran-Abkommens stattfinden.
Diese Nachricht wurde am 11.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wer ist Mojtaba Khamenei und welche Rolle spielt er in den Verhandlungen?
Mojtaba Khamenei wird im Bericht als neuer iranischer Oberster Führer (Ayatollah) bezeichnet. US-Präsident Trump erklärte, er gehe davon aus, dass Khamenei das Abkommen persönlich genehmigt habe – eine formelle iranische Bestätigung lag zunächst aber nicht vor.
Warum ist die Insel Kharg im Konflikt zwischen den USA und dem Iran so wichtig?
Die Insel Kharg im Persischen Golf beherbergt den wichtigsten Ölhafen Irans, über den rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Trump drohte mehrfach mit einer späteren Übernahme der Insel und weiterer Ölinfrastruktur.
Welche Streitpunkte stehen bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran im Mittelpunkt?
Zentrale Streitpunkte sind die Freigabe eingefrorener iranischer Öleinnahmen in Höhe von sechs bis zwölf Milliarden Dollar, iranische Forderungen nach einem Ende israelischer Angriffe im Libanon, Sanktionsaufhebungen und Anerkennung der Kontrolle über die Straße von Hormus. Die USA verlangen im Gegenzug das Ende der iranischen Blockade und Garantien, dass der Iran keine Atomwaffen entwickelt.
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