Trump: "Gute Chance" für Iran-Deal – Spannungen halten an | nachrichten360
Trump: "Gute Chance" für Iran-Deal – Spannungen halten an
Washington, 28. Juli 2026
Daniel Torok / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump zeigte sich am Montag zuversichtlich, dass es bald eine Vereinbarung mit Iran geben könnte. Gleichzeitig halten die Spannungen in der Region an: Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien, iranische Schiffsstopps in der Straße von Hormus und neue Huthi-Aktivitäten gefährden jede Annäherung.
US-Präsident Donald Trump hat am Montag an Bord der Air Force One eine "gute Chance" für ein Abkommen mit Iran in dem laufenden Konflikt gesehen, während gleichzeitig neue Drohnenangriffe und Schiffsstopps die fragile Waffenruhe in der Region belasteten.
Trumps vorsichtiger Optimismus
Trump begründete seinen vorsichtigen Optimismus mit dem Ausbleiben gegenseitiger Angriffe zwischen den USA und Iran in den vergangenen Tagen. Nach 13 Tagen US-Luftangriffen auf Iran habe das US-Militär seit Freitag drei Nächte in Folge von neuen Attacken abgesehen. Die Hoffnung auf eine Deeskalation ließ die Ölpreise am Montag deutlich sinken.
Allerdings richtete Trump zugleich eine Drohung an Teheran: Sollten die Bemühungen scheitern, würden die USA "zu dem zurückkehren, was wir vor zwei Tagen gemacht haben". Zudem betonte Trump, er gebe den Verhandlungen "nicht viel Zeit", wie er in einem Interview mit Axios sagte. Trump sagte an Bord von Air Force One: "Wir haben eine Menge Munition, verschiedene Arten davon. Es sei 'mehr als wir jemals verwenden könnten'." Der US-Präsident erklärte zudem, die Kampfpausen seien seit Freitag auf Rat vermittelnder Staaten zustande gekommen.
Teheran widerspricht
Der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei widersprach der Darstellung Trumps am Montag deutlich. "Derzeit stehen wir jedoch in keinerlei Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten", erklärte Baghaei. Berichte über angeblich von Iran angefragte neue Gespräche mit den USA nannte er "Erfindungen, die die Gegenseite von Zeit zu Zeit in Umlauf bringt". Allerdings räumte er ein: "Vermittler mögen Botschaften von amerikanischer Seite an uns übermitteln, die sich auf die aktuellen Entwicklungen in der Region beziehen."
Trump hatte noch am Sonntag gesagt: "Sie haben um ein Treffen gebeten." Die iranische Regierung erklärte unterdessen am Wochenende, sie habe ihre "Vergeltungs"-Angriffe eingestellt und Fortschritte in Gesprächen mit Oman über die Verwaltung der Straße von Hormus erzielt. Teheran wolle, dass Schiffe durch iranische Hoheitsgewässer fahren und dafür eine Gebühr zahlen. Nach Angaben iranischer Staatsmedien stoppten iranische Kräfte in der Nacht auf Montag sechs weitere Schiffe.
Die Verhandlungen, an denen Katar und Pakistan als Vermittler beteiligt sind, betreffen laut pakistanischen Sicherheitskreisen die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die Wiederaufnahme von Gespräche über Irans Atomprogramm. Die iranische Führung strebe laut diesen Kreisen eine dauerhafte Waffenruhe an und lehne eine begrenzte Waffenruhe ab.
Sorge in der US-Regierung
Die Straße von Hormus bleibt nach iranischer Darstellung "geschlossen". In den vergangenen Wochen wurden laut Berichten zwei Schiffe geentert und zwei weitere außer Dienst gestellt. Auch das US-Militär verhängte eine eigene Blockade, durch die laut dem zuständigen US-Militärkommando 17 Schiffe zum Wenden gezwungen wurden. Oman hatte vor Gesprächsbeginn erklärt, Schiffe könnten auch durch omanische Gewässer fahren, was Teheran verärgerte. Die USA seien laut Baghaei nicht in die iranisch-omanischen Gespräche über die Straße von Hormus involviert – es sei eine "bilaterale Angelegenheit".
In den Reihen der US-Regierung gibt es nach CNN-Berichten Bedenken gegen eine weitere Eskalation. Vizepräsident JD Vance und Generalstabschef Dan Caine hätten bei einem Treffen Sorge über eine Ausweitung des Iran-Konflikts geäußert. Ein weiterer Punkt sei die Angst vor zivilen Opfern unter der iranischen Bevölkerung durch weitere Angriffe gewesen. Laut informierten Personen wiesen Caine und weitere Beteiligte zudem auf schrumpfende US-Munitionsvorräte hin, insbesondere bei Flugabwehrmunition wie Patriot-Raketen. Trump hatte in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass sein Vorgänger Joe Biden Munition einschließlich Patriot-Raketen an die Ukraine zur Verteidigung gegen die russische Aggression geliefert habe. Trump erklärte zudem, die Vorräte würden ausgebaut.
Eskalation in Saudi-Arabien
In Saudi-Arabien spitzte sich die Lage am Montag weiter zu. Das Verteidigungsministerium in Riad meldete die Abfangung und Zerstörung mehrerer Drohnen, die aus dem Irak auf Ölanlagen im Osten des Landes und in der Hauptstadt Riad abgefeuert worden waren. Das Ministerium machte iranisch gestützte Milizen verantwortlich und behielt sich das Recht auf Vergeltung vor. Die Huthi-Rebellen im Jemen meldeten unterdessen neue Drohnenangriffe auf "sensible Knotenpunkte" für den saudi-arabischen Öltransport nach Yanbu am Roten Meer.
Die für ihre pro-iranische Ausrichtung bekannte Koalition schiitischer Milizen mit dem Namen "Islamischer Widerstand im Irak" wies die Vorwürfe zurück. Die Gruppe bezeichnete die Vorwürfe als "Erfindungen" und erklärte, Riad wolle mit den Anschuldigungen seine Unfähigkeit rechtfertigen, auf die "schmerzhaften jemenitischen Angriffe" der schiitischen Huthis zu reagieren. Die Gruppierung drohte im Falle saudi-arabischer Maßnahmen im Irak mit einer "harten" Antwort. Der irakische Regierungschef ordnete eine Untersuchung der Vorwürfe Saudi-Arabiens an.
Die jüngsten Konfrontationen drohen den Waffenstillstand zwischen Saudi-Arabien und den Huthis zu beenden, der seit 2022 weitgehend gehalten hatte. Auch aus Jordanien und Nordirak wurden Drohnenangriffe gemeldet. Die international anerkannte Regierung des Jemen erklärte, sie sei "auf jede Eskalation vorbereitet". Die designierte jemenitische Außenministerin Afrah al-Zouba erklärte laut Berichten, die Huthis strebten danach, die iranischen Aktionen in der Straße von Hormus zu imitieren und die Kontrolle über das Rote Meer zu gewinnen.
Netanyahu-Besuch in Washington
Vor dem Hintergrund dieser Spannungen wird der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Dienstag in Washington mit Trump zusammentreffen. Die Beziehungen zwischen Netanyahu und Trump waren zuletzt wegen unterschiedlicher Auffassungen zum Iran-Krieg abgekühlt. Gut informierte Kreise in Pakistan schätzen laut der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden pakistanischen Geheimdiensterkenntnissen, dass eine begrenzte US-Bodenoffensive immer wahrscheinlicher wird.
An den Finanzmärkten sorgten die Nachrichten aus dem Nahen Osten für deutliche Bewegungen. Der Preis für Nordsee-Brent-Öl fiel am Montag um rund sechs Prozent auf etwa 86 Dollar pro Barrel. Marktteilnehmer reagierten damit auf die Hoffnung, dass der Konflikt zwischen Washington und Teheran doch noch auf diplomatischem Weg gelöst werden könnte.
Diplomatie am Rand der Eskalation
Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt damit gedroht, zivile Infrastruktur wie Brücken, Straßen und Kraftwerke anzugreifen. Am Montag bekräftigte er, dass Teheran aktuell mit Washington über ein Abkommen spreche. Gleichzeitig betonte er, die Bereitschaft Irans zu Gesprächen sei ein Zeichen dafür, dass die Stärke der USA Erfolg habe. Ob die Kampfpausen von Dauer sind, bleibt angesichts der Vielzahl neuer Zwischenfälle in der Region jedoch offen.
Hinter den Kulissen wächst unterdessen die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Die Kombination aus iranischer Kontrolle über die Straße von Hormus, anhaltenden Drohnenangriffen aus dem Irak, einer drohenden Bodenoffensive und einem fragilen Waffenstillstand zwischen Saudi-Arabien und den Huthis macht jede Verhandlungslösung besonders anfällig. Auch die Rolle der USA in den parallel laufenden Verhandlungen Irans mit Oman bleibt unklar.
Für Trump, der sich selbst als Verhandlungsstarker inszeniert, kommt es darauf an, ob die angekündigten Gespräche tatsächlich zustande kommen – oder ob die USA tatsächlich zu den Angriffen "von vor zwei Tagen" zurückkehren müssen. Die kommenden Tage mit dem Treffen mit Netanyahu in Washington dürften darüber entscheiden, in welche Richtung sich die Krise entwickelt.
Fragen & Antworten
Was hat Trump am Montag über ein mögliches Abkommen mit Iran gesagt?
Trump erklärte an Bord der Air Force One, er sehe eine "gute Chance" für ein Abkommen mit Iran. Zugleich warnte er, bei einem Scheitern würden die USA "zu dem zurückkehren, was wir vor zwei Tagen gemacht haben".
Warum bestreitet Iran Verhandlungen mit den USA?
Der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei erklärte am Montag, Iran stehe "in keinerlei Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten". Berichte über neue Gespräche nannte er "Erfindungen, die die Gegenseite von Zeit zu Zeit in Umlauf bringt", räumte aber ein, dass Vermittler Botschaften übermitteln könnten.
Welche neuen Spannungen gefährden eine Deeskalation in der Region?
Iran stoppte in der Nacht auf Montag sechs weitere Schiffe in der Straße von Hormus, Saudi-Arabien meldete Drohnenangriffe aus dem Irak auf Ölanlagen, und die Huthis griffen Ziele für den Öltransport nach Yanbu am Roten Meer an. Diese Vorfälle gefährden den Waffenstillstand zwischen Saudi-Arabien und den Huthis.