Trump beim Pressegala in Washington: Zwischen Spitzen gegen Medien und Versöhnung
Washington, 25. Juli 2026
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Kurzfassung
Beim White House Correspondents' Dinner in Washington hat Donald Trump die Medien scharf kritisiert und zugleich deren Arbeit gewürdigt. In seiner rund einstündigen Rede spottete er über Journalisten und warf ihnen erneut die Verbreitung von „fake news" vor.
US-Präsident Donald Trump ist am Freitagabend (Ortszeit) als Gastredner beim White House Correspondents' Dinner in Washington aufgetreten und hat in einer rund einstündigen Rede sowohl spitze Kritik an den Medien geübt als auch versöhnliche Töne angeschlagen.
Der zentrale Satz des Abends
Bei dem festlichen Abendessen in einem Hotel der US-Hauptstadt richtete sich der 80-jährige Republikaner direkt an die versammelten Journalistinnen und Journalisten. Trump sagte laut anwesenden Berichterstattern: „Wenn ich weg bin, seid ihr alle pleite." Mit der Aussage griff er ein wiederkehrendes Motiv seiner Rhetorik auf: dass US-Medien ohne ihn kaum mehr Schlagzeilen produzieren könnten und ihr Geschäftsmodell ohne ihn zusammenbreche. Zudem argumentierte er, die Presselandschaft wisse gar nicht, wie viel Glück sie habe, weil er ständig Schlagzeilen liefere.
Die Veranstaltung, die traditionell von der Organisation der akkreditierten Weißes-Haus-Korrespondenten ausgerichtet wird, fand unter deutlich verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Hintergrund war ein Schusswaffenvorfall Ende April, als ein 31-jähriger bewaffneter Mann einen Sicherheitscheckpoint in dem damals vorgesehenen Hotel gestürmt hatte und Schüsse abgefeuert worden waren. Ein Angehöriger eines Sicherheitsdienstes wurde von einer Kugel getroffen. Das ursprüngliche Gala-Dinner war daraufhin abgesagt und drei Monate später neu terminiert worden.
Verschärfte Sicherheit nach Schusswaffenvorfall
Vor und in dem Veranstaltungshotel war nach Angaben einer Reporterin der Deutschen Presse-Agentur eine erhöhte Polizeipräsenz sichtbar. Die Gäste mussten Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren ähnlich wie an Flughäfen passieren. Statt eines Papiertickets wie bei früheren Ausgaben des Dinners mussten die Journalistinnen und Journalisten zusätzlich zum Ausweis einen personalisierten QR-Code vorlegen. Der 31-Jährige hatte den Ballsaal nicht erreicht, dennoch hatte die Sicherheitslage den Anlass für die Verschiebung geliefert.
Während seiner Rede wechselte Trump wiederholt den Ton. Nach den spitzen Bemerkungen gegen die Medien fanden sich Passagen, in denen er die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten ausdrückte Würdigung anerkannte. Er sagte zudem, dass ihm die Medien sehr am Herzen lägen, wie aus der Berichterstattung hervorgeht. Schließlich kündigte der Präsident an, im kommenden Jahr erneut am Gala-Abend teilnehmen zu wollen.
Wechsel zwischen Spott und Würdigung
Daneben griff Trump in seiner Ansprache erneut die frühere Behauptung auf, wonach die Presse „fake news" verbreite – ein Vorwurf, den er seit Jahren gegen unliebsame Berichterstattung erhebt. Gegen kritische Medienhäuser und Reporter ist Trump wiederholt mit Klagen vorgegangen. Auch in diesem Punkt blieb der Präsident bei seiner bekannten Linie.
Für Aufsehen sorgte zudem ein Auftritt mit einer roten Kappe, auf der „Trump 2028" zu lesen war. Damit griff Trump die in der US-Verfassung verankerte Zwei-Amtszeiten-Grenze für Präsidenten offensiv auf. Erneut kokettierte er mit der Idee einer dritten Amtszeit und erklärte im Saal, seine zweite Amtszeit sei besser als die erste, eine dritte wäre noch besser. Trump sagte zudem, er würde sogar für eine vierte Amtszeit kandidieren. Diese Äußerungen seien, so Trump unmittelbar im Anschluss, als Spaß zu verstehen.
Die „Trump 2028"-Kappe und die Verfassung
Anders als bei früheren Gala-Auftritten trat Trump ohne seine Ehefrau Melania auf. Während des Abends wurden der Präsident sowie weitere Ehrengäste von Personenschützern begleitet und bei Bedarf in Sicherheit gebracht. Nach Angaben von Anwesenden fanden nicht alle im Saal Trumps Auftritt komisch; einige Reaktionen im Publikum blieben verhalten.
Die Korrespondentenvereinigung richtet das Dinner bereits seit mehr als 100 Jahren aus. Es gilt als gesellschaftlicher Höhepunkt des politischen Medienkalenders in Washington und wird üblicherweise von Vertreterinnen und Vertretern des Weißen Hauses sowie weiteren prominenten Gästen besucht. Durch die Verschiebung und die sichtbar erhöhte Sicherheitsarchitektur wich die Ausgabe in diesem Jahr in mehrfacher Hinsicht vom gewohnten Rahmen ab.
Mehr als 100 Jahre Pressegala in Washington
Das White House Correspondents' Dinner ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Schauplatz direkter Auseinandersetzungen zwischen Politik und Presse gewesen. Dass ein amtierender Präsident dort als Redner auftritt, ist eher die Ausnahme. Trumps Auftritt reiht sich in eine längere Linie öffentlicher Spannungen zwischen seiner Regierung und Teilen der US-Presse ein, die auch juristisch ausgetragen werden.
Mit Blick auf die kommenden politischen Auseinandersetzungen in Washington bleibt abzuwarten, wie die US-Medien auf Trumps neuerliche Spitzen reagieren. Die Mischung aus offener Kritik, demonstrativer Anerkennung und dem Verweis auf eine mögliche weitere Kandidatur zeigt das Muster, das viele Beobachterinnen und Beobachter aus früheren Auftritten kennen: mediale Aufmerksamkeit wird eingefordert, ihre Grenzen zugleich immer wieder in Frage gestellt.
Politische und mediale Reaktionen
Bemerkenswert ist zudem, dass die ursprünglich geplante Ausgabe des Dinners nach dem Schusswaffenvorfall im Frühjahr abgesagt werden musste. Die Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen – von QR-Code-Eintritt bis zu flughafenähnlichen Detektoren – verweist auf das veränderte Bedrohungsumfeld, in dem politische Großveranstaltungen inzwischen stattfinden. In diesem Kontext hatte der US-Geheimdienstapparat im Frühjahr Ermittlungen aufgenommen.
Die Deutsche Presse-Agentur berichtete zudem, dass die Korrespondentenvereinigung den Festabend in diesem Jahr trotz aller Widrigkeiten durchzog und damit ein Signal der Kontinuität setzte. Die Organisation selbst reagierte auf Anfrage zunächst nicht weiter zu den Vorfällen im April. Unter den Gästen befanden sich neben politischen Vertretern auch zahlreiche Medienschaffende, die den Abend nach der Verschiebung offensichtlich als Geste der Normalisierung betrachteten.
Insgesamt hinterließ Trumps Auftritt in Washington das Bild eines Präsidenten, der das Verhältnis zur Presse bewusst als Bühne nutzt. Die Kombination aus Häme, Anerkennung, Selbstinszenierung und dem Verweis auf verfassungsrechtliche Grenzen macht das Pressegala 2026 zu einem der politisch aufgeladensten in der langen Geschichte des Events.
Für die Berichterstattung in den kommenden Tagen ist damit zu rechnen, dass die Reaktionen aus Redaktionen und von Medienschaffenden unterschiedlich ausfallen werden. Während einige Trumps Auftritt als bewusste Provokation deuten, werten andere die versöhnlichen Passagen und die erneute Ankündigung, im nächsten Jahr wiederzukommen, als Hinweis auf ein zwar angespanntes, aber fortgesetztes Verhältnis zwischen dem Weißen Haus und der Hauptstadtpresse.
Fragen & Antworten
Was hat Donald Trump beim Pressegala in Washington gesagt?
Trump hielt am Freitagabend eine rund einstündige Rede, in der er die Medien unter anderem als auf ihn angewiesen darstellte und sagte: „Wenn ich weg bin, seid ihr alle pleite." Daneben würdigte er in einigen Passagen auch die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten.
Warum fand das White House Correspondents' Dinner unter verschärfter Sicherheit statt?
Das ursprünglich für Ende April geplante Gala-Dinner war abgesagt worden, nachdem ein 31-jähriger bewaffneter Mann einen Sicherheitscheckpoint in dem vorgesehenen Washingtoner Hotel gestürmt hatte und Schüsse gefallen waren. Bei der Neuauflage waren Metalldetektoren, QR-Code-Eintritt und mehr Polizei im Einsatz.
Was bedeutet Trumps Auftritt mit der „Trump 2028"-Kappe?
Mit der roten Kappe und seinen Äußerungen im Saal griff Trump die in der US-Verfassung festgelegte Zwei-Amtszeiten-Grenze auf und kokettierte erneut mit einer dritten Amtszeit. Trump stellte unmittelbar klar, dass es sich um einen Scherz gehandelt habe.
Trump Pressegala Washington: Medienkritik und dritte | nachrichten360