Trotz Waffenruhe: USA und Iran fliegen新一轮 Angriffe in der Golfregion
Washington/Teheran, 06. Juni 2026
Amir Pashaei / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Trotz einer seit April geltenden Waffenruhe haben die USA und Iran sich am Wochenende erneut militärisch angegriffen. Das US-Militär fing nach eigenen Angaben mehrere iranische Raketen und Drohnen ab, woraufhin es iranische Radarstellungen auf der Insel Qeschm und im iranischen Festland beschoss. Die Golfstaaten Bahrain und Kuwait verurteilten die Angriffe scharf.
Washington/Teheran, 06. Juni 2026
Trotz einer seit April bestehenden Waffenruhe haben die USA und Iran am Wochenende erneut militärisch aufeinander eingeschlagen, wobei US-Streitkräfte iranische Raketen und Drohnen abfingen und anschließend iranische Radarstellungen angriffen.
Militärische Eskalation am Wochenende
Das US-Militär erklärte am Samstag, es habe sechs ballistische Raketen abgefangen, die aus dem Iran in Richtung Kuwait und Bahrain abgefeuert worden seien. Ein siebtes Geschoss habe sein Ziel verfehlt, hieß es in einer Mitteilung des Regionalkommandos Centcom auf der Plattform X. Wenig später habe das US-Militär iranische Radarstellungen auf der Insel Qeschm und in der Ortschaft Goruk auf dem iranischen Festland angegriffen. Zudem seien zuvor vier iranische Drohnen im Bereich der Straße von Hormus abgefangen worden.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärten laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, sie hätten „feindliche Stützpunkte in der Region als Vergeltung“ angegriffen. Sie begründeten den Beschuss mit den US-Angriffen auf iranisches Gebiet. Die Angaben beider Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Reaktionen aus Bahrain und Kuwait
In Bahrain und Kuwait heulten in den frühen Morgenstunden Raketenwarnungen auf. Das kuwaitische Heer meldete den Einsatz der Luftabwehr gegen Raketen und Drohen. Die Luftverteidigungskräfte Bahrains fingen nach eigenen Angaben drei Raketen und eine nicht näher bezifferte Zahl von Drohnen ab. Der Luftverkehr in Kuwait wurde vorübergehend eingestellt und am Morgen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna unter Berufung auf die Zivilluftfahrtbehörde wieder aufgenommen.
Am Mittwoch war nach Angaben aus der Region eine Drohne auf den internationalen Flughafen Kuwaits eingeschlagen, wobei mindestens ein Mensch getötet und Dutzende verletzt wurden. Der Vorfall verdeutlichte die Gefahr, die von iranischen Angriffen für die Zivilbevölkerung in den Golfstaaten ausgeht. Bahrain und Kuwait verurteilten die erneuten iranischen Angriffe auf ihr Staatsgebiet scharf.
Bahrain sprach von einer „eklatanten Verletzung der Souveränität“ beider Länder und forderte den Iran auf, die „nicht zu rechtfertigenden Angriffe“ einzustellen. Das Königreich werde „keinerlei Kompromisse beim Schutz seiner Souveränität, Sicherheit und Bevölkerung“ eingehen, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums, die von der staatlichen Nachrichtenagentur BNA verbreitet wurde.
Hintergrund: Krieg seit Februar, Waffenruhe seit April
Kuwait ging noch einen Schritt weiter. Das Außenministerium bezeichnete die „wiederholten abscheulichen iranischen Angriffe“ als „unter keinem Vorwand zu rechtfertigen“. Es handle sich um eine „offene Aggression, die die internationalen Forderungen nach einem Ende solcher Handlungen ignoriert und die Sicherheit der Bevölkerung sowie die regionale Stabilität gefährdet“.
Hintergrund der Eskalation ist der Krieg, der am 28. Februar mit US- und israelischen Angriffen auf den Iran begonnen hatte. Seit April gilt offiziell eine Waffenruhe, die in den vergangenen Wochen jedoch wiederholt gebrochen wurde. Die indirekten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über ein mögliches Kriegsende dauern an. Gespräche über das iranische Nuklearprogramm sollen später folgen.
US-Präsident Donald Trump sagte dem Sender NBC News, die „meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion seien ausgeschaltet worden“. Prozentual würde er sagen, „vielleicht noch 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen“. Die New York Times hatte Mitte Mai unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse berichtet, der Iran besitze noch rund 70 Prozent seiner mobilen Startplattformen und etwa 70 Prozent seines Raketenarsenals. Die Washington Post veröffentlichte ähnliche Zahlen.
Trumps Einschätzung zur iranischen Raketenkapazität
Trump hat wiederholt erklärt, sein oberstes Ziel sei es, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Teheran betont dagegen, sein Nuklearprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken. Die Fronten in der zentralen Streitfrage blieben damit unverändert hart.
Auswirkungen auf Energie und Wirtschaft
Die militärische Lage in der Region hat unmittelbare Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt. Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt, war kurz nach Kriegsbeginn weitgehend von iranischen Kräften geschlossen worden, was nach Einschätzung von Völkerrechtlern gegen internationales Recht verstößt. Vor dem Krieg wurden rund ein Fünftel der globalen Rohölnachfrage durch die Meerenge transportiert. Die Meerenge ist eine kritische Exportroute für Düngemittel, Öl und Flüssiggas.
Die USA reagierten auf die iranische Kontrolle der Meerenge mit einer Seeblockade, um iranische Ölexporte zu unterbinden. Infolgedessen stiegen in den Vereinigten Staaten die Benzinpreise für Autofahrer. In den kommenden Monaten stehen in den USA Kongresswahlen (Midterm Elections) an. Im November werden alle Sitze im Repräsentantenhaus sowie ein Teil der Sitze im Senat neu gewählt. Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts könnten dabei eine Rolle spielen.
Parallel kündigte das US-Außenministerium an, dass das Emirat Kuwait US-Drohnenabwehrsysteme im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro) erwerben könne. Der genaue Lieferzeitplan blieb allerdings offen. Das Geschäft unterstreicht die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Washington und den Golfstaaten angesichts der Bedrohung aus dem Iran.
Ausblick: Stockende Verhandlungen, instabile Lage
Die Gespräche zwischen Washington und Teheran über eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus stocken nach Angaben von Beobachtern. Die Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges laufen unterdessen weiter. Ein Durchbruch ist bislang nicht in Sicht. Die jüngsten Angriffe dürften die Gespräche zusätzlich erschweren.
Der erneute Gewaltausbruch wirft ein Schlaglicht auf die Fragilität der Waffenruhe. Obwohl beide Seiten offiziell den Waffenstillstand anerkennen, kommt es immer wieder zu gegenseitigen Angriffen. Die Lage in der Golfregion bleibt damit instabil. Die kommenden Tage und Wochen werden zeigen, ob die indirekten Verhandlungen zu einer dauerhaften Befriedung führen können oder ob ein erneuter umfassender Krieg droht.
Die Berichterstattung stützt sich auf Meldungen der Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters sowie auf Informationen des US-Militärs, iranischer Stellen und offizieller Stellen in Bahrain und Kuwait. Eine unabhängige Überprüfung der gegenseitigen Vorwürfe und Angriffe war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht möglich.
Fragen & Antworten
Was ist in der Golfregion zwischen den USA und dem Iran passiert?
Trotz einer seit April geltenden Waffenruhe haben das US-Militär und der Iran sich am Wochenende erneut Angriffe zugefügt. US-Streitkräfte fingen nach eigenen Angaben sechs iranische Raketen sowie Drohnen ab und beschossen daraufhin iranische Radarstellungen auf der Insel Qeschm und im iranischen Festland.
Wie haben Bahrain und Kuwait auf die iranischen Angriffe reagiert?
Beide Golfstaaten verurteilten die Angriffe scharf. Bahrain sprach von einer „eklatanten Verletzung der Souveränität“ und kündigte an, keine Kompromisse beim Schutz seiner Bevölkerung einzugehen. Kuwait bezeichnete die Angriffe als „wiederholte abscheuliche“ und „unter keinem Vorband zu rechtfertigende“ Handlungen.
Welche Folgen hat die Eskalation für die Weltwirtschaft?
Die USA haben eine Seeblockade verhängt, um iranische Ölexporte zu stoppen, was in den USA zu steigenden Benzinpreisen führt. Gleichzeitig blockiert der Iran die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg etwa ein Fünftel der globalen Rohölnachfrage transportiert wurde – mit erheblichen Risiken für die weltweite Energieversorgung.
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