Israelische Luftangriffe im Libanon: Waffenruhe gebrochen | nachrichten360
Trotz Waffenruhe: Israelische Luftangriffe im Libanon fordern zahlreiche Tote
Beirut, 20 Juni 2026
AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Trotz einer am Freitag um 16 Uhr Ortszeit in Kraft getretenen Waffenruhe hat Israel den Libanon weiter bombardiert. Libanesische Behörden meldeten am Samstag Dutzende Tote, die Angaben schwanken zwischen zehn und 35 Opfern.
Beirut, 20 Juni 2026
Nach dem Inkrafttreten einer zwischen den USA vermittelten Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah am Freitag um 16 Uhr Ortszeit hat die israelische Luftwaffe den Libanon am Wochenende mit Angriffen auf mehrere Städte im Süden des Landes bombardiert, wobei nach libanesischen Angaben Dutzende Menschen getötet wurden.
Die Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Schiitenorganisation Hisbollah war am Freitag um 16 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) in Kraft getreten. Wie die US-Regierung mitteilte, hatten sich beide Seiten auf eine Feuerpause verständigt. Ein US-Regierungsvertreter sagte wörtlich: "Die Hisbollah und Israel haben sich auf eine Waffenruhe geeinigt." Bereits unmittelbar nach Beginn der Waffenruhe mehrten sich jedoch Berichte über Verstöße beider Seiten.
Nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurden bei einem Angriff von Kampfflugzeugen auf die Stadt Arabsalim im Raum Nabatija drei Menschen getötet. In der Stadt Qennarit seien bei einem Luftangriff nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens sieben Menschen getötet und 13 weitere verletzt worden. Der libanesische Zivilschutz teilte mit, dass allein in der Stadt Nabatija 16 Leichen geborgen worden seien.
Widersprüchliche Opferzahlen
Zur Zahl der Opfer gibt es unterschiedliche Angaben: Die Nachrichtenagentur Reuters meldete mindestens zehn getötete Menschen, die Deutsche Presse-Agentur berichtete unter Berufung auf den Zivilschutz des Libanon von mindestens 16 Toten. Libanesische Medien sprachen insgesamt von mindestens 35 Toten bei den Angriffen des Tages. Bereits am Vortag sollen laut Ministerium 83 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden sein.
Die israelische Armee erklärte, die Hisbollah habe in der Nacht mehr als 50 Geschosse auf Soldaten im Südlibanon abgefeuert und damit gegen die Feuerpause verstoßen. Israels Armeesprecher Effie Defrin sagte laut der Tageszeitung "The Times of Israel", die Truppen hätten trotz der Waffenruhe mit der Hisbollah "volle Handlungsfreiheit", um in jedem Gebiet gegen jede Bedrohung vorzugehen. Ein Sprecher des israelischen Militärs sagte der Zeitung "The Times of Israel" zudem, dass die Truppen weiter auf jegliche Bedrohung reagieren würden.
Israel spricht von voller Handlungsfreiheit
Der ZDF-Korrespondent Reichart erklärte dazu: "Die Waffenruhe funktioniert nach wie vor nicht." Die Lage im Libanon wurde vom libanesischen Zivilschutz als "zum Zerreißen angespannt" beschrieben. Nach den Angriffen kam es nach Behördenangaben zu einer Massenflucht aus den betroffenen Gebieten im Südlibanon.
Augenzeugen berichteten von Rauch über der südlibanesischen Stadt Nabatieh. Über der Stadt zogen am Samstag dichte Rauchwolken auf, die auf weitere Angriffe hindeuteten. Die Stadt Nabatieh gilt als eines der wichtigsten Zentren der Hisbollah im Südlibanon und war bereits in den Wochen zuvor Ziel israelischer Angriffe gewesen.
Auswirkungen auf Iran-Verhandlungen
Die militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah belastet zugleich die Verhandlungen zwischen der US-Regierung und dem Iran. Wie die "Washington Post" berichtete, warnten US-Geheimdienste die Regierung, dass Israel das Rahmenabkommen der USA mit dem Iran beeinträchtigen könnte. Die Hisbollah wird vom Iran unterstützt, was die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm unmittelbar berührt.
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff brach am Freitag zu einem Besuch in die Schweiz auf, wie das Nachrichtenportal "Axios" berichtete. Ziel des Besuchs waren nach Angaben aus US-Kreisen weitere Gespräche über die Lage im Nahen Osten und über die indirekten Verhandlungen mit dem Iran.
Hintergrund des Konflikts
Die Waffenruhe war nach monatelangen diplomatischen Bemühungen zustande gekommen und sollte ursprünglich eine Wende in dem seit Oktober 2023 andauernden Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah einleiten. Die Hisbollah hatte nach dem Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 begonnen, aus dem Libanon heraus Raketen auf den Norden Israels abzufeuern, Israel hatte daraufhin mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive reagiert.
Beobachter wiesen darauf hin, dass beide Seiten ein Interesse an der Fortführung des Konflikts haben könnten. Die Hisbollah wolle ihre Stellung im Südlibanon behaupten, Israel wolle die Präsenz der Hisbollah an der Grenze vollständig beseitigen. Die Waffenruhe enthalte zudem keine klaren Mechanismen zur Überwachung und Durchsetzung.
Humanitäre Lage und internationale Reaktionen
Internationale Hilfsorganisationen warnten unterdessen vor einer humanitären Krise im Südlibanon. Nach den Angriffen seien Zehntausende Menschen auf der Flucht, Krankenhäuser in der Region seien überlastet. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten sei in mehreren Gemeinden zusammengebrochen.
Die Vereinten Nationen riefen beide Seiten zur Einhaltung der Waffenruhe auf. UN-Generalsekretär António Guterres forderte einen sofortigen Stopp der Gewalt und erneuerte seinen Appell an die internationale Gemeinschaft, humanitäre Hilfe für die betroffene Zivilbevölkerung bereitzustellen.
Die Lage bleibt damit wenige Tage nach Inkrafttreten der Waffenruhe instabil. Weitere Angriffe wurden am Wochenende aus mehreren Gebieten im Südlibanon gemeldet, während Israel seine Luftoperationen fortsetzte. Eine diplomatische Lösung des Konflikts ist nach Einschätzung von Beobachtern nicht in Sicht.
Diese Nachricht wurde am 20.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Berichterstattung über die Lage im Libanon und die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran dauert an.
Beobachter in der Region gehen davon aus, dass die kommenden Tage zeigen werden, ob die Waffenruhe stabilisiert werden kann oder ob ein umfassender Konflikt droht. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit großer Sorge.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen sind bei den Angriffen im Libanon am 20. Juni 2026 ums Leben gekommen?
Die Angaben schwanken: Die Nachrichtenagentur Reuters meldete mindestens zehn Tote, die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf den libanesischen Zivilschutz 16 Tote, libanesische Medien sprachen von mindestens 35 Toten.
Warum funktioniert die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah nicht?
Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße vor: Die israelische Armee erklärte, die Hisbollah habe in der Nacht mehr als 50 Geschosse auf Soldaten abgefeuert, während libanesische Stellen israelische Luftangriffe auf mehrere Städte meldeten.
Welche Auswirkungen hat der Konflikt auf die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran?
Nach einem Bericht der "Washington Post" warnten US-Geheimdienste die Regierung, dass Israel das Rahmenabkommen der USA mit dem Iran beeinträchtigen könnte, da der Iran die Hisbollah unterstützt.