Buckelwal Timmy: Obduktion auf Anholt nach gescheiterter | nachrichten360
Toter Buckelwal auf dänischer Insel: Obduktion soll Todesursache klären
Anholt, 31. Mai 2026
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Kurzfassung
Auf der dänischen Ostseeinsel Anholt wird am Donnerstag der Kadaver des Buckelwals 'Timmy' obduziert. Experten erhoffen sich Aufschluss über die Todesursache des Tieres, das zuvor Gegenstand einer umstrittenen privaten Rettungsaktion war.
Wenige Tage nach einer spektakulären, aber gescheiterten Rettungsaktion wird der Kadaver des Buckelwals 'Timmy' am Donnerstag auf der dänischen Insel Anholt öffentlich obduziert.
Die gescheiterte Rettung
Der tote Wal war vor der Ostseeinsel Poel gestrandet und von einer privaten Initiative unter der Leitung des US-Walexperten Jeffrey Foster vom Whale Sanctuary Project in die Nordsee geschleppt worden. Die Aktion wurde von der Geldgeberin Karin Walter-Mommert finanziert. Nach seiner Freilassung trieb der Kadaver jedoch Tage später wieder vor der dänischen Küste.
Die dänischen Behörden identifizierten das Tier als 'Timmy', auch 'Hope' genannt. Der Kadaver war mehr als zwei Wochen im Wasser vor der Ferieninsel Anholt getrieben, bevor er nun geborgen wurde. Ein Fahrzeug zog den stark aufgeblähten Walkadaver mit einem Seil aus dem flachen Wasser auf den Strand und hinterließ eine tiefe Furche im Sand.
Morten Abildstrøm von der dänischen Naturbehörde bestätigte, dass die etwa zweistündige Bergung planmäßig verlief. "Alles ist nach Plan verlaufen", sagte er. Die Behörde hatte zuvor Schaulustige und Badende eindringlich davor gewarnt, sich dem Tier wegen der Infektionsgefahr zu nähern. Um den stark verwesenden Kadaver wurde ein Absperrband in wenigen Metern Abstand errichtet.
Kritik an der Rettungsaktion
Ursprünglich war geplant, den Kadaver per Boot über die Ostsee nach Jütland zu schleppen und in der Hafenstadt Grenaa zu untersuchen. Dieser Plan wurde jedoch aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustands aufgegeben. Stattdessen findet die Obduktion nun direkt auf Anholt statt.
Die öffentliche Nekropsie soll am Donnerstagnachmittag beginnen und etwa sechs Stunden dauern, wie Morten Abildstrøm mitteilte. "Die Obduktion wird am Nachmittag beginnen und etwa sechs Stunden dauern", sagte er. Tierärzte, Behördenvertreter und die Presse werden die Untersuchung aus sicherer Entfernung verfolgen.
Der dänische Walforscher Peter Teglberg Madsen, der seit 25 Jahren Walobduktionen in Dänemark begleitet, kritisierte die Rettungsaktion scharf. "Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen", sagte er. Die Aktion sei "reine Tierquälerei" gewesen.
Die Spurensuche beginnt
Madsen erklärte weiter, ein Tier, das nie in Gefangenschaft gelebt habe, sei tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer transportiert worden. Er geht davon aus, dass der Wal von Anfang an keine Chance hatte. Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark hätten Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt, so Madsen.
Die Obduktion soll nun klären, woran das Tier genau gestorben ist. "Denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht", sagte Madsen. Die Experten werden den Darm und die Speiseröhre des Wals gezielt nach Überresten von Fischernetzen und Plastik absuchen.
Streit um Tracker-Daten
Jeffrey Foster, der die Rettungsinitiative leitete, hatte der 'Bild'-Zeitung zuvor mitgeteilt, dass ein am Wal angebrachter GPS-Tracker fast eine Woche lang Signale gesendet habe. "Über einen Zeitraum von sechs Tagen zeichnete der Tracker mehr als 50 Positionsübertragungen und mehr als 30 Tiefenaufzeichnungen mithilfe des CLS-Satelliten-Trackers auf", wird Foster zitiert.
Foster behauptete, der Wal sei "mehr als 150 Meilen [241,4 Kilometer – Anm. d. Red.] vom Standort seiner Freilassung gereist" und einmal bis in eine Tiefe von 150 Metern sowie mehrfach auf 50 Meter getaucht. Diese Tracker-Daten sind jedoch weder unabhängig überprüft noch veröffentlicht worden.
Karin Walter-Mommert, die Geldgeberin der Rettungsinitiative, hatte zuvor erklärt, das Gerät habe nach anfänglichen Signalen nur noch "Datenmatsch" gesendet. Eine Sprecherin des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern bestätigte, dass der Sender aus Dänemark eingesammelt wird und die Daten ausgewertet werden sollen.
Bergung unter schwierigen Bedingungen
Eine Pressekonferenz zur Vorstellung der Ergebnisse der Tracker-Daten-Auswertung ist geplant. Die dänische Umweltbehörde hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass der Kadaver direkt auf Anholt geborgen und anschließend obduziert wird. Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde erklärte, die Arbeiten würden in zwei Phasen durchgeführt: das Anlandziehen des Kadavers über das Wochenende und die Nekropsie gegen Ende der folgenden Woche.
Der Kadaver ist durch die Verwesungsgase so stark aufgebläht, dass die Gefahr einer Explosion besteht. Ein Traktor war im Einsatz, um ein langes Seil am Strand zu entfernen, das bei früheren, gescheiterten Bergungsversuchen verwendet worden war. Die dänischen Behörden hatten bereits einmal versucht, den mit Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Wasser zu ziehen, um ihn in einen Hafen zu bringen, doch der Versuch scheiterte.
Die öffentliche Obduktion auf Anholt wird mit Spannung erwartet, da sie nicht nur die Todesursache klären, sondern auch die heftige Kontroverse um die private Rettungsaktion beenden soll. Während die einen den Rettungsversuch als Akt der Menschlichkeit sahen, werteten ihn Fachleute wie Madsen als unnötige Quälerei eines todgeweihten Tieres.
Fragen & Antworten
Wer ist Peter Teglberg Madsen?
Peter Teglberg Madsen ist ein dänischer Walforscher, der seit 25 Jahren Walobduktionen in Dänemark begleitet. Er hat die Rettungsaktion für den Buckelwal 'Timmy' scharf als 'reine Tierquälerei' kritisiert.
Warum wurde der Wal nicht in Grenaa obduziert?
Der ursprüngliche Plan, den Kadaver per Boot nach Grenaa in Jütland zu bringen, wurde wegen des fortgeschrittenen Verwesungszustands des Tieres aufgegeben. Die Obduktion findet nun direkt auf der Insel Anholt statt.
Was soll die Obduktion des Buckelwals klären?
Die Nekropsie soll die genaue Todesursache des Tieres feststellen und die Frage beantworten, ob der Wal überhaupt eine Überlebenschance hatte. Zudem wird gezielt nach Überresten von Fischernetzen und Plastik in Darm und Speiseröhre gesucht.