Buckelwal Timmy lebte nach Freilassung nur wenige Tage: Trackerdaten in Schwerin vorgestellt
Schwerin, 12. Juni 2026
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Kurzfassung
Der als „Timmy" bekannt gewordene Buckelwal hat nach seiner Freilassung im Skagerrak am 2. Mai laut ausgewerteten Trackerdaten vermutlich nur noch bis zum 6. oder 7. Mai gelebt. Mecklenburg-Vorpommerns Till Backhaus (SPD) stellte die Daten am Freitag in Schwerin vor; die genaue Todesursache bleibt unklar.
Der Buckelwal „Timmy" hat nach seiner Freilassung im Skagerrak am 2. Mai 2026 nach Auswertung der Trackerdaten vermutlich nur wenige Tage gelebt, wie Mecklenburg-Vorpommerns Till Backhaus (SPD) am 12. Juni in Schwerin mitteilte.
Hintergrund: Die letzten Tage eines verirrten Tieres
Wie Mecklenburg-Vorpommerns Till Backhaus, SPD, in Schwerin sagte, verendete der Wal laut den Trackerdaten „zwischen dem 6. und 7. Mai". Das von den Medien Timmy benannte Tier habe nach seiner Freisetzung am 2. Mai wohl bloss noch bis zum 6. oder 7. Mai gelebt. Damit fand das Tier den Angaben zufolge nur rund vier bis fünf Tage nach der umstrittenen Aussetzung in das offene Meer den Tod.
Backhaus sprach von einem traurigen Ausgang. „Es sei traurig, wie es für das Tier ausgegangen ist. Er hat die Chance nicht nutzen können", sagte der Minister. Nach Angaben des Umweltministeriums soll die genaue Todesursache weiterhin unklar bleiben. Die genaue Todesursache sei weiterhin unklar, sagte Backhaus weiter.
Timmy, ein rund zwölf Meter langes Weibchen, wie sich bei der späteren Obduktion herausstellte, war erstmals Anfang März im Hafen von Wismar gesichtet worden. Anschließend wanderte der Wal wochenlang entlang der deutschen Ostseeküste und strandete mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Zuletzt lag das geschwächte Tier wochenlang in einer flachen Bucht vor der mecklenburgischen Insel Poel.
Die Rettungsaktion und ihre Kritiker
Anfang April duldete Umweltminister Backhaus einen Rettungsversuch einer privaten Initiative, obwohl Expertinnen und Experten das Tier nach mehreren gescheiterten Bergungsversuchen bereits aufgegeben hatten. Die Privatinitiative transportierte ihn mit einem Lastkahn Richtung Nordsee. Etwa 70 Kilometer vom dänischen Skagen entfernt wurde er in der Meerenge Skagerrak am 2. Mai ausgesetzt.
Kurz vor der Freisetzung war dem Tier ein Tracker der Firma Wildlife Computers an der Rückenfinne befestigt worden. Der Tracker hatte demnach bis zum 7. Mai Daten geliefert, darunter Wassertiefe, Temperaturen, Bewegungsabläufe und Geschwindigkeit. Vitalzeichen im medizinischen Sinne wie Herz- oder Atemfrequenz erfasste der Sender gar nicht, dafür wäre spezielle Sensorik nötig gewesen.
Allerdings: Der an der Rückenfinne angebrachte Tracker habe unter Wasser keine Daten mehr geliefert. Nach Verlautbarung der Initiative waren anfangs zumindest einige Bewegungsdaten wie Tauchtiefen erfasst worden. Ortsdaten hatte das Gerät demnach nie geschickt – wohl, weil es vorab nicht wie eigentlich vorgesehen getestet und initialisiert wurde. Der Tracker habe demnach keine Positionsdaten übermittelt, was die wissenschaftliche Auswertung der Bewegungen deutlich einschränkt.
Was die Trackerdaten zeigen
Dennoch zeichnen die vorhandenen Daten ein Bild vom letzten Lebensabschnitt des Tieres. Bis zu seinem Tod hatte der Buckelwal Backhaus zufolge etwa 215 Kilometer zurückgelegt – und war direkt wieder auf Kurs Richtung Ostsee. Diese würden auf diese wenigen Lebenstage hinweisen. Danach sei der Meeressäuger mehr oder weniger «gedriftet» – beziehungsweise sei das Signal abgebrochen.
In der Ostsee, so der Minister, sei der Wal zudem langsamer geschwommen und nicht mehr so tief getaucht wie zuvor. „Dort war er nach den Worten des Ministers auch wieder langsamer geschwommen und nicht mehr so tief wie zuvor getaucht", heißt es in der Mitteilung. Diese Beobachtungen deuten auf einen anhaltend geschwächten Gesundheitszustand hin.
Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde der oft „Timmy" genannte Buckelwal – ein Weibchen, wie sich bei der Obduktion später herausstellte – tot an der dänischen Insel Anholt angespült. Kurz nach dem Fund bestätigten dänische und deutsche Behörden, dass es sich um Timmy handelte. Später wurde die Identität laut der dänischen Umweltbehörde auch durch einen DNA-Test bestätigt. Auch der passende Tracker sei an dem Wal gefunden worden.
Obduktion auf Anholt: Keine klare Todesursache
Wie lange der Meeressäuger da schon tot war, konnte nicht gesagt werden. Der schon stark verweste Kadaver des Wals wurde nach der Strandung auf der dänischen Insel Anholt obduziert, zunächst ohne konkreten Ergebnisse zur Todesursache. Bei der Untersuchung des Kadavers in Dänemark Anfang Juni sei „nichts Ungewöhnliches" entdeckt worden – „weder am noch im Wal", sagte Backhaus. Es habe keine schwerwiegenden inneren oder äußeren Verletzungen gegeben, auch Reste eines Fischernetzes seien nicht gefunden worden.
Die Datenübertragung vom Sender endete am 10. Mai. Der Grund für den Abbruch sei unklar; möglich seien eine Beschädigung des Senders oder dass der Wal nicht mehr aufgetaucht sei. Auch wann genau der Wal verstarb, ließ sich nicht abschließend klären. Die Bewegungsmuster in den letzten Tagen ließen aber darauf schließen, dass das Tier zwischen dem 6. und 7. Mai starb, wie der Minister erläuterte.
Backhaus wies Vorwürfe zurück, der Transport oder die Freisetzung könnten zum Tod beigetragen haben. Es gebe „nach heutigem Erkenntnisstand keine belastbaren Hinweise", dass der Transport oder die Freisetzung des Meeressäugers zu seinem Tod oder zur Gefährdung beigetragen hätten, sagte Backhaus. „Der Rettungsversuch war aus unserer Sicht rechtlich und fachlich vertretbar." Befürworter der Rettungsaktion sahen in dem Transport eine letzte Chance für das Tier, Kritiker verwiesen auf die schlechten Überlebenschancen und forderten eine stärkere Orientierung an wissenschaftlichen Bewertungen.
Was mit dem Kadaver geschieht
Die Überreste des toten Wals „Timmy" waren Ende Mai auf die dänische Insel Anholt gezogen worden und wurden per Lkw abtransportiert. Die Überreste des Tieres sollten in Dänemark unter anderem zu Biodiesel verwertet werden. Demnach soll aus dem Kadaver Biokraftstoff hergestellt werden; das übrige Material werde zu Fleisch- und Knochenmehl verarbeitet, das ebenfalls als Biokraftstoff etwa in der Zementproduktion verwendet werden könne, so die dänischen Behörden. Manche Knochen sollten zudem in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen kommen.
Ausblick: Daten für die Forschung
Sämtliche erhobenen Daten sollen laut Backhaus der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden. In den kommenden Wochen und Monaten sollen weitere Daten zu Wassertemperatur, Tauchtiefe, Bewegungsradius, Geschwindigkeit sowie Organuntersuchungen übermittelt und wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Auswertung der Satellitensender solle zudem zeigen, wohin sich das Tier nach dem Verlassen des Lastkahns bewegte, wie oft es zum Atmen auftauchte und wie tief es tauchte.
Der Tod des Tieres hatte in Deutschland eine bundesweite Debatte über den Umgang mit verirrten Meeressäugern, die Rolle privater Rettungsinitiativen und den richtigen Umgang mit wissenschaftlicher Expertise ausgelöst. Backhaus kündigte an, die Bewegungsdaten aus Mecklenburg-Vorpommern seien von den Behörden ausgewertet worden. Eine abschließende Bewertung des umstrittenen Rettungsversuchs steht weiterhin aus.
Bis zu seinem Tod hatte der Wal 215 Kilometer zurückgelegt – und war direkt wieder auf Kurs Richtung Ostsee. Dieser letzte, auffällige Wendepunkt könnte nach Einschätzung von Beobachtern ein Hinweis darauf sein, dass das Tier instinktiv in das ihm vertraute Gewässer zurückkehren wollte, obwohl sein Gesundheitszustand dies offenbar nicht mehr zuließ. Der Fall wirft Fragen über den künftigen Umgang mit verirrten Großwalen in der Ostsee auf, deren gesundheitliche Verfassung oft erst spät erkennbar wird.
Fragen & Antworten
Wer ist Till Backhaus und welche Rolle spielt er im Fall Timmy?
Till Backhaus ist Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern (SPD). Er stellte am 12. Juni 2026 in Schwerin die ausgewerteten Trackerdaten des Buckelwals Timmy vor und äußerte sich zum Verlauf der umstrittenen Rettungsaktion.
Warum wurde der Buckelwal Timmy am 2. Mai 2026 ausgesetzt?
Eine privat finanzierte Initiative transportierte das geschwächte Tier mit einem Lastkahn aus der Ostsee und setzte es etwa 70 Kilometer vor dem dänischen Skagen im Skagerrak aus. Umweltminister Backhaus hatte den Rettungsversuch Anfang April geduldet, obwohl Experten die Überlebenschancen des Tieres als gering eingestuft hatten.
Was geschieht mit den Überresten des Wals Timmy?
Der Kadaver wurde Ende Mai auf die dänische Insel Anholt gezogen und per Lkw abtransportiert. In Dänemark sollen aus den Überresten Biodiesel und Fleisch- und Knochenmehl hergestellt werden; einzelne Knochen gehen in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen.
Buckelwal Timmy: Trackerdaten zeigen Tod kurz nach | nachrichten360