Ein 43 Jahre alter Mann ist im Stadtteil Pilastro in Bologna nach einem Polizeieinsatz gestorben, bei dem er nach Augenzeugenberichten wiederholt um Hilfe rief, während zwei Beamte ihn am Boden fixierten.

Hergang des Einsatzes

Nachbarn hatten die Polizei am Mittag in den Stadtteil Pilastro gerufen, weil der Mann sich aggressiv verhalten haben soll. Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtete, schlug der 43-Jährige nach dem Eintreffen der Streife gegen das Polizeifahrzeug. Anschließend setzten die Beamten Pfefferspray ein und legten ihm Handschellen sowie Kabelbinder an den Handgelenken an.

Wie die italienische Tageszeitung La Repubblica anhand eines Videos vom Nachbarhaus aus zeigt, rief der Mann am Boden mehrfach um Hilfe. Auf der über fünf Minuten langen Aufnahme ist demnach zu hören, wie er „Aiuto. Basta, basta!" ruft – „Hilfe! Genug, genug!". Während dieser Phase saßen zwei Polizisten auf ihm, ein dritter Mann in ziviler Kleidung hielt ihn an den Fußknöcheln fest.

Stimme der Angehörigen und Stellungnahme der Polizei

Kurz nach der Fixierung erlitt der Mann einen medizinischen Notfall und starb trotz des Eingreifens von Rettungskräften. Am Ende des Videos zeige der Mann keine Lebenszeichen mehr, hieß es. Zwei Sanitäter waren demnach zwar vor Ort, griffen jedoch nicht ein.

Der Verstorbene stammte nach Angaben von Verwandten aus Marokko und lebte seit seiner Kindheit in Italien, insgesamt mehr als 30 Jahre. Er war verheiratet und Besitzer eines Umzugsunternehmens. Angehörigen zufolge litt er an gesundheitlichen Problemen; eine Obduktion soll klären, ob diese letztlich todesursächlich waren.

Die Schwester des Mannes sprach von gewaltsamem Vorgehen der Polizei und forderte Aufklärung. Nach ihren Worten sei ihr Bruder misshandelt worden. Die Polizei erklärte hingegen, die Beamten hätten den Mann unter äußerst schwierigen Bedingungen fixieren müssen. In einer ersten Reaktion wies die Polizei die Vorwürfe des Fehlverhaltens entschieden zurück.

Politische Reaktionen in Rom

Das Innenministerium in Rom kündigte an, in dem Fall „völlige Transparenz" zu wahren. Die Bodycam-Aufnahmen eines der beteiligten Beamten wurden der Staatsanwaltschaft übergeben; Ermittler erhoffen sich von ihnen sowie von der Obduktion eine vollständige Klärung des Ablaufs.

Auch die Politik reagierte auf den Vorfall. Die Senatorin Ilaria Cucchi von der links-grünen Partei AVS forderte eine lückenlose Aufklärung. Die Opposition Linke kritisierte das polizeiliche Vorgehen. Die Lega, Teil der rechten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, erklärte dagegen, die Beamten hätten ihre „Dienstpflicht" erfüllt.

Der Mann war nach Polizeiangaben bereits zuvor im Zusammenhang mit Auffälligkeiten bekannt. Disziplinarmaßnahmen wurden bis zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht öffentlich gemacht. Die Ermittlungen dauern an.

Ausstehende Ermittlungen