Tausende Menschen sind am Sonntagabend in Palma unter dem Motto "Mallorca am Limit" auf die Straße gegangen, um gegen die Folgen des Massentourismus und die Wohnungsnot auf der spanischen Baleareninsel zu demonstrieren.
Die Initiative "Menys Turisme, Més Vida" (Weniger Tourismus, mehr Leben) hatte zu dem Protest aufgerufen. Nach Schätzung der mallorquinischen Polizei versammelten sich rund 25.000 Menschen auf dem Plaza de España im Zentrum von Palma. Die Veranstalter hatten zuvor mit bis zu 40.000 Teilnehmenden gerechnet. Es war bereits das dritte Jahr in Folge, dass die Initiative zu einer solchen Demonstration aufrief.
Von dem Platz aus zog der Demonstrationszug durch die Innenstadt zur Kathedrale, wo später am Abend ein Manifest verlesen werden sollte. Bei der Kundgebung sollte die deutsch-mallorquinische Sängerin Maria Hein die Mallorca-Hymne "La Balanguera" singen. Viele Teilnehmer trugen selbstgebastelte Plakate mit Aufschriften wie "Mallorca overbooked" oder "Keine Kapazität mehr".
Friedlicher Verlauf ohne nennenswerte Zwischenfälle
Nennenswerte Zwischenfälle oder Angriffe mit Wasserspritzpistolen auf Urlauber, wie sie bei früheren Protesten in Barcelona oder Madrid vorgekommen waren, wurden zunächst in Palma nicht gemeldet. Die Polizei sprach von einem überwiegend friedlichen Verlauf.
Die zentrale Forderung ist eine Begrenzung der Besucherzahl. Die Organisatoren machen die steigende Zahl der Reisenden und der Ferienwohnungen für die Wohnungsnot auf der Insel verantwortlich. Nach ihren Angaben können sich viele Menschen mit einem normalen Einkommen auf der Insel kaum noch eine Wohnung leisten.
Forderungen der Organisatoren
Die Demonstration richtete sich auch gegen die Auswirkungen des Tourismus auf Infrastruktur und Lebensqualität. Nach Angaben der Veranstalter sollten die Auswirkungen des Tourismus auf Wohnraum, Infrastruktur und Lebensqualität mit einer möglichst breiten Mobilisierung sichtbar gemacht werden. Man wolle die Hauptstadt Palma lahmlegen, heißt es.
Die Organisatoren betonten, der Zeitpunkt sei bewusst mit Blick auf die aktuelle Hauptreisezeit gewählt worden. Ende Juli und Anfang August gelten als die Wochen mit den meisten Urlaubern auf der Baleareninsel. Rund 50 Initiativen hatten zu der Demo aufgerufen.
Wohnungsmarkt unter Druck
Die wirtschaftliche Situation auf dem Wohnungsmarkt ist nach Angaben der Veranstalter dramatisch. Selbst für eine normale Eigentumswohnung mit höchstens 60, 70 Quadratmetern lägen die Preise bei mindestens 300.000 Euro und mehr. Mindestens 500.000 Euro würde ein Haus kosten. Inzwischen kaufen Ausländer fast jede dritte Immobilie auf Mallorca, besagen Statistiken. Menschen aus dem Ausland, deren Gehälter höher sind als die auf Mallorca, hätten mehr finanzielle Mittel, um auf der Balearen-Insel eine Immobilie zu erwerben.
Die Mieten auf den Balearen sind innerhalb von zehn Jahren um mehr als 150 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung treffe insbesondere Einheimische mit normalem Einkommen hart. Ein Sprecher der Veranstalter sagte vor Journalisten, die Teilnehmer wollten ihre Meinung kundtun – ein Jahr vor den Regionalwahlen auf den Balearen.
