Hamburg-Berlin: Bahnstrecke nach Sanierung wieder frei | nachrichten360
Strecke Hamburg–Berlin nach zehn Monaten Sanierung wieder vollständig in Betrieb
Berlin, 14. Juni 2026
Johann Sebastian Bach Saxonia / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Kurzfassung
Nach zehn Monaten Bauzeit rollen auf der Strecke Hamburg–Berlin seit Sonntag wieder Züge im Halbstundentakt. Die Generalsanierung wurde mit sechs Wochen Verspätung abgeschlossen, weil ein harter Winter die Arbeiten verzögert hatte. Reisende profitieren künftig von mehr Direktverbindungen und modernisierten Bahnhöfen.
Die Deutsche Bahn hat die Strecke Hamburg–Berlin nach einer rund zehnmonatigen Generalsanierung am Sonntag wieder vollständig für den Fernverkehr freigegeben; der erste Fernverkehrszug verließ Hamburg Hauptbahnhof am Montagmorgen um 5.36 Uhr mit kleiner Verspätung Richtung Berlin.
Zehn Monate Bau auf einer der wichtigsten Strecken Deutschlands
Am Sonntagmorgen fiel der Startschuss für den durchgehenden Betrieb auf der rund 280 Kilometer langen Verbindung zwischen den beiden größten deutschen Städten. Ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärte dazu: „Die Strecke ist wieder freigegeben, zwischen Hamburg und Berlin rollen die ersten Züge.“ Bereits am Vorabend waren nach Angaben des Unternehmens die ersten Güterzüge auf der frisch sanierten Trasse unterwegs. Am Hamburger Hauptbahnhof begann der Reiseverkehr in Richtung Berlin am Montag um 5.36 Uhr, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Der erste Fernverkehrszug fuhr nach Angaben der Bahn mit kleiner Verspätung um 5.36 Uhr vom Hamburger Hauptbahnhof Richtung Berlin ab.
Die Sanierung war Teil des Korridorprogramms der Deutschen Bahn, mit dem bis 2036 rund 40 besonders wichtige Strecken im deutschen Schienennetz grundlegend erneuert werden sollen. Der DB-Infrastrukturchef Philipp Nagl ordnete den Abschluss als Meilenstein ein und erklärte, mit Hamburg–Berlin sei die größte Korridorsanierung innerhalb des bis 2036 geplanten Programms nun abgeschlossen. Den Auftakt des Programms hatte im zweiten Halbjahr 2024 die Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt gebildet. Nach dem Hamburger Korridor sollen in diesem Jahr noch vier weitere Strecken generalsaniert werden, darunter die Abschnitte Hagen–Wuppertal–Köln, Nürnberg–Regensburg, Obertraubling–Passau und Troisdorf–Wiesbaden. Die Bauarbeiten an der Strecke Obertraubling–Passau haben am Sonntag bereits begonnen.
Warum die Sanierung sechs Wochen länger dauerte
Im vergangenen August hatten die Bauarbeiten zwischen Hamburg und Berlin begonnen. „Seit August 2025 wurde an der Strecke zwischen Berlin und Hamburg gebaut“, heißt es in der Mitteilung der Deutschen Bahn. Geplant war ursprünglich, die Strecke am 30. April 2026 wieder vollständig in Betrieb zu nehmen. Daraus wurde nichts: Weil der Winter in diesem Jahr besonders streng ausfiel, verzögerten sich die Arbeiten um rund sechs Wochen. Die Deutsche Bahn erklärte, der harte Winter und der zugefrorene Boden hätten den Zeitpuffer aufgebraucht. Auch Frost, Schnee und Glätte hatten die Arbeiten zeitweise verzögert. Die Generalsanierung wurde daher erst am 14. Juni 2026 abgeschlossen, sechseinhalb Wochen nach dem ursprünglich angepeilten Termin.
Die Sanierung fiel tiefgreifend aus. Insgesamt wurden 165 Kilometer Gleis erneuert und weitere 61 Kilometer Gleis instandgesetzt, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Hinzu kamen 249 neue Weichen, der Neubau oder die Modernisierung von 25 Stellwerken sowie der Austausch der Oberleitung über 25 Kilometer, die zusätzlich auf weiteren 22 Kilometern erneuert wurde. An 28 Stationen entlang der Strecke wurden die Bahnhöfe modernisiert, an mehreren Stationen die Bahnsteige verlängert, damit dort längere Züge halten können. Außerdem wurden Toiletten und Wetterschutzeinrichtungen erneuert und Fahrradständer installiert. Der Zustand der Strecke wurde von der Deutschen Bahn vor der Sanierung mit der Note 3,7 bewertet; nach Abschluss der Arbeiten erwartet das Unternehmen eine Verbesserung auf 2,3.
Mehr Direktverbindungen, aber vorerst längere Fahrzeiten
Mit der Wiederinbetriebnahme ändern sich auch die Angebote im Reiseverkehr. Die Zahl der täglichen direkten Fernverkehrsverbindungen zwischen Hamburg und Berlin – also ICE- und Railjet-Linien – wächst nach Angaben der Deutschen Bahn von 38 auf 52. Zwischen beiden Großstädten fahren die Züge wieder im Halbstundentakt. Die Stationen Büchen in Schleswig-Holstein, Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern und Wittenberge in Brandenburg werden wieder von Fernverkehrszügen bedient, der Bahnhof Wittenberge war kurz vor der Freigabe der Strecke feierlich wiedereröffnet worden. Auch die IC-Verbindungen an die Ostsee sind zurück, die IC-Verbindung nach Hamburg soll nach Unternehmensangaben später folgen. Die Reisezeit auf der Relation Berlin–Dresden verkürzt sich nach Angaben der Deutschen Bahn um 40 Minuten auf dreieinhalb Stunden.
Während der monatelangen Bauarbeiten war die Strecke für den Regionalverkehr vollständig gesperrt. „Während der Fernverkehr über Stendal und Uelzen umgeleitet wurde, waren auf der Strecke monatelang keine Regionalbahnen unterwegs“, berichtete die Deutsche Bahn. Die Umleitung verlängerte die Reisezeit im Fernverkehr nach früheren Angaben um rund 45 Minuten. Der Schienenersatzverkehr mit Bussen, an dem zeitweise mehr als 200 Busse beteiligt waren, wird eingestellt. Auch die vorübergehenden internationalen Verbindungen nach Prag und Kopenhagen fallen weg. Mit dem Sommerfahrplanwechsel werden die zusätzlichen ICE-Halte in Salzwedel und Stendal, die während der Umleitungen hinzugekommen waren, wieder aus dem Fahrplan genommen.
Regionalverkehr und Umleitungen im Rückblick
Im Regionalverkehr normalisiert sich das Angebot ebenfalls: Von Stendal fahren wieder regelmäßig S-Bahnen nach Wittenberge und Regionalzüge nach Salzwedel. „Außerdem sind jetzt wieder regelmäßiger S-Bahnen im Regionverkehr nach Wittenberge und Salzwedel unterwegs“, teilte die Deutsche Bahn mit. In Mecklenburg-Vorpommern verkehren die Züge zwischen Hagenow Land und Berlin-Spandau wieder durchgehend, wobei auf diesem Abschnitt die neue Signaltechnik noch abgenommen werden muss. Auf einzelnen Abschnitten müssen Fernverkehrszüge noch bis Ende Juni langsamer fahren, weil technische Anlagen getestet werden. „Das sei wie auf der Straße. Wenn viele Autos unterwegs seien, werde langsamer gefahren“, erläuterte ein Sprecher der Deutschen Bahn die längeren Reisezeiten.
Die planmäßige ICE-Reisezeit zwischen Berlin und Hamburg erhöht sich zunächst um zwei Minuten auf 107 Minuten. Diese längere Fahrzeit gilt laut Deutscher Bahn allerdings nur für den aktuellen Fahrplan. Während der gesamten Dauer der Sanierung war der Zustand der Strecke regelmäßig Gegenstand politischer Kritik gewesen. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und mehrere weitere Ministerpräsidenten hatten sich in einem scharfen Brief an die Konzernspitze der Deutschen Bahn über die Verzögerungen beschwert. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn äußerte Kritik. Dessen Sprecher Marcel Drews sagte NDR Info, einer der großen Fehler sei gewesen, „dass die Anforderung der Umleitungs- und Ausweichstrecken nicht ausreichend bei der Planung berücksichtigt wurde. Es hätte mehr Ausweichmöglichkeiten auf eingleisigen Zugstrecken geben müssen“.
Kritik an Planung, ETCS und Kommunikation
Kritik entzündete sich zudem an der fehlenden Ausrüstung der Strecke mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS. Das digitale Steuerungssystem, das laut EU-Standard künftig in ganz Europa einheitlich eingesetzt werden soll, ermöglicht es, Züge dichter hintereinander auf einer Strecke fahren zu lassen. Die Deutsche Bahn erklärte, eine Ausrüstung mit ETCS werde erst in den frühen 2030er-Jahren erfolgen; die Voraussetzungen für eine spätere Nachrüstung seien aber bereits geschaffen worden. Fahrgastverbände kritisierten diese Entscheidung als Abweichung von der ursprünglichen Planung.
Zum Dank für die Geduld der Reisenden will die Deutsche Bahn in der aktuellen Woche 100.000 verbilligte Tickets für die Direktverbindung Hamburg–Berlin anbieten. Die rabattierten Fahrkarten sind nach Angaben des Unternehmens nur noch bis Sonntag buchbar, die Reise selbst ist bis zum 12. Dezember 2026 möglich. In der ersten Phase der Inbetriebnahme seien aber weiterhin Verzögerungen möglich, warnte das Unternehmen: „Bei einer Inbetriebnahme dieses Ausmaßes kann es anfänglich noch zu Anlaufschwierigkeiten kommen.“ Die Reisenden wurden daher gebeten, sich vor Reiseantritt nochmals über die Abfahrtszeiten zu informieren. „Wir bitten daher alle Fahrgäste, sich vor die Reise nochmals über mögliche Abweichungen der Abfahrtszeiten zu informieren“, sagte ein Bahnsprecher. DB-Experten hatten nach Unternehmensangaben in der Nacht zuvor intensiv an einem stabilen Betriebsstart für die neue Woche gearbeitet.
Nächste Korridore und neue Baustellen im Süden
Noch nicht überall barrierefrei sind die Bahnsteige an den Stationen Bergedorf, Nauen und Falkensee; bis die neuen Aufzüge in Betrieb gehen, können mobilitätseingeschränkte Fahrgäste bei Bedarf Anrufbusse zu barrierefreien Stationen bestellen. Die geschätzten Gesamtkosten der Sanierung beziffert die Deutsche Bahn auf 2,2 Milliarden Euro, wobei angesichts der Verzögerungen mit Mehrkosten zu rechnen ist. Eine endgültige Abrechnung soll erst nach Bauende erfolgen. DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld erklärte, das Unternehmen strebe im Regionalverkehr wieder eine Punitätsquote von mehr als 90 Prozent an; jede fertiggestellte Generalsanierung mache das Gesamtnetz stabiler und wirke sich positiv auf die Pünktlichkeit aus. Der CDU-Verkehrspolitiker Björn Simon forderte für die kommenden Korridorsanierungen „verlässliche Zeitpläne und eine transparente Kommunikation“.
Während Reisende zwischen Hamburg und Berlin aufatmen, müssen sich Fahrgäste im Süden Sachsen-Anhalts auf neue Einschränkungen einstellen. „Im Süden Sachsen-Anhalts kommen aber neue Einschränkungen hinzu: Wegen Bauarbeiten an Weichen und Brücken wird der Zugverkehr rund um Naumburg weiter eingeschränkt“, teilte die Deutsche Bahn mit. Seit Freitagabend ist die Stadt Naumburg vorerst nicht mehr direkt an Weißenfels und Leipzig angebunden. Zwischen Halle und Naumburg fahren bereits seit mehreren Wochen keine Züge mehr.
Die Strecke Hamburg–Berlin gilt im Fernverkehr als wichtigste Direktverbindung zwischen zwei deutschen Städten. Täglich nutzten sie vor der Sanierung nach Angaben der Deutschen Bahn im Schnitt etwa 470 Züge, darunter viele Regional- und Güterzüge. Im Fernverkehr wurden täglich rund 30.000 Reisende transportiert. Die Trasse verläuft durch fünf Bundesländer und verbindet die Hansestadt Hamburg mit der Hauptstadtregion Berlin. Sie ist zugleich zentraler Bestandteil der grenzüberschreitenden Achse von Prag über Berlin und Hamburg nach Kopenhagen.
Fragen & Antworten
Warum hat sich die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin um sechs Wochen verzögert?
Die Deutsche Bahn erklärte, ein harter Winter mit Frost, Schnee und zugefrorenem Boden habe den geplanten Zeitpuffer aufgebraucht und vor allem Tiefbauarbeiten an Kabelgräben sowie Arbeiten an Oberleitungen erschwert.
Was wurde im Rahmen der Generalsanierung erneuert?
Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden 165 Kilometer Gleis erneuert, weitere 61 Kilometer instandgesetzt, 249 Weichen eingebaut, 25 Stellwerke neu errichtet oder modernisiert und 28 Bahnhöfe entlang der Strecke umgebaut.
Welche Änderungen ergeben sich für Reisende ab dem 14. Juni 2026?
Zwischen Hamburg und Berlin fahren die Fernverkehrszüge wieder im Halbstundentakt, die Zahl der täglichen Direktverbindungen steigt von 38 auf 52, die planmäßige ICE-Reisezeit erhöht sich aber vorerst um zwei Minuten auf 107 Minuten.