Stichwahl in Saalfeld-Rudolstadt: Wolfram und Benninghaus treten am 21. Juni gegeneinander an
Saalfeld, 07. Juni 2026
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Kurzfassung
Im Kreis Saalfeld-Rudolstadt entscheidet eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Marko Wolfram (SPD) und dem AfD-Kandidaten Thomas Benninghaus über das Amt des Landrats. Der erste Wahlgang am vergangenen Sonntag brachte keine absolute Mehrheit, die Wahlbeteiligung lag mit 56 Prozent deutlich über dem Wert von vor sechs Jahren.
Zwei Wochen nach dem ersten Wahlgang treten Amtsinhaber Marko Wolfram (SPD) und der AfD-Kandidat Thomas Benninghaus am 21. Juni in der Stichwahl um das Landratsamt im Kreis Saalfeld-Rudolstadt gegeneinander an.
Im Kreis Saalfeld-Rudolstadt wird die Nachfolge an der Spitze der Kreisverwaltung in einer Stichwahl entschieden. Wie der Kreiswahlleiter am Sonntagabend nach Auszählung aller Stimmbezirke mitteilte, erhielt keiner der drei Bewerber im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Damit muss nun der zweite Wahlgang am 21. Juni, also in zwei Wochen, die Entscheidung bringen. „Die Stichwahl zwischen Wolfram und Benninghaus findet in zwei Wochen, am 21. Juni, statt."
Amtsinhaber Marko Wolfram von der SPD erhielt nach Auszählung aller Stimmbezirke 47,1 Prozent der Stimmen. Der AfD-Kandidat Thomas Benninghaus kam auf 40,2 Prozent. Der parteilose Bewerber Wolfgang Wehr errang 12,7 Prozent der Stimmen. Wegen der fehlenden absoluten Mehrheit ist eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten erforderlich.
Die Wahlbeteiligung lag mit 56 Prozent deutlich höher als vor sechs Jahren, als sie 42,4 Prozent betragen hatte. Insgesamt waren rund 80.000 beziehungsweise etwa 83.000 Wählerinnen und Wähler zur Stimmabgabe aufgerufen. Der Anstieg der Beteiligung wurde in der Berichterstattung als auffälliges Signal gewertet, gerade mit Blick auf die politische Konstellation im Land.
Traditionelle SPD-Hochburg unter Druck
Hintergrund: Der Kreis im Südosten Thüringens gilt bisher als SPD-Hochburg. „Seit der Kreisgründung 1994 standen mit einer zweijährigen Unterbrechung stets Sozialdemokraten an der Spitze der Kreisverwaltung in Saalfeld." Die SPD stellt derzeit Landräte in drei weiteren Kreisen in Thüringen. Sollte Benninghaus die Stichwahl gewinnen, wäre dies nach dem Wahlsieg von Robert Sesselmann in Sonneberg vor drei Jahren der zweite Erfolg der AfD bei einer Landratswahl in Thüringen. „Die AfD hatte vor drei Jahren im südthüringischen Sonneberg erstmals in Deutschland mit Robert Sesselmann eine Landratswahl gewonnen."
Für den 52 Jahre alten SPD-Politiker Wolfram, diplomierter Volkswirt, geht es bei der Stichwahl darum, sich eine dritte Amtszeit zu sichern. 2020 hatte er bereits den ersten Durchgang mit einem Ergebnis von 58,5 Prozent für sich entschieden – ebenfalls gegen zwei Mitbewerber, darunter einen AfD-Kandidaten. Nun reicht der Vorsprung vor dem ersten Wahlgang nicht für einen direkten Sieg, und der Ausgang der Stichwahl ist offen.
Kandidaten im Porträt: Wolfram und Benninghaus
Der AfD-Bewerber Thomas Benninghaus ist Jahrgang 1973 und nach eigenen Angaben kaufmännischer Fachwirt. Benninghaus hatte bei der Landtagswahl vor zwei Jahren in der Region erstmals ein Direktmandat gewonnen. Der AfD-Kandidat für das kommunale Spitzenamt in Saalfeld wird dem politischen Lager von Partei-Rechtsaußen Björn Höcke zugerechnet. Seine Kandidatur steht damit auch im Kontext der landespolitischen Stärke der AfD: „Die AfD stellt seit der Landtagswahl 2024 im Parlament die stärkste Fraktion."
Im Landesvergleich hatte die SPD bei der Landtagswahl 2024 nur 6,1 Prozent der Stimmen erhalten. Umso größer ist das Gewicht, das der Stichwahl in Saalfeld-Rudolstadt für die Frage zukommt, ob die SPD ihre traditionell dominierende Stellung in dem thüringischen Kreis verteidigen kann. Beobachter verweisen darauf, dass in einer Konstellation mit starker AfD und geschwächter SPD gerade die kommunalen Wahlen zum Indikator für die gesellschaftliche Verankerung beider Lager werden.
Rolle des dritten Bewerbers Wolfgang Wehr
Der dritte Bewerber, Wolfgang Wehr, ist parteilos. Er ist Bauingenieur und Professor an der Fachhochschule Erfurt. Mit 12,7 Prozent der Stimmen erreichte er ein Achtungsergebnis, verpasste aber den Einzug in die Stichwahl. Sein Stimmenanteil könnte am 21. Juni für den Ausgang entscheidend werden, weil sich Wählerinnen und Wähler, die im ersten Durchgang für Wehr gestimmt haben, in der Stichwahl neu orientieren müssen.
Für den zweiten Wahlgang ist noch einmal mit einer regen Wahlbeteiligung zu rechnen, nachdem bereits der erste Durchgang deutlich über dem Vergleichswert von 2019/2020 lag. Die genauen Wahlzeiten und -lokale werden vom Kreiswahlleiter in den kommenden Tagen bekannt gegeben. Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am 21. Juni wird mit ersten Hochrechnungen gerechnet, ein endgültiges Ergebnis wird im Anschluss an die Auszählung erwartet.
Was am 21. Juni auf dem Spiel steht
Sollte Wolfram die Stichwahl verlieren, wäre der Wechsel an der Spitze der Kreisverwaltung auch ein personeller Einschnitt. Sollte Benninghaus gewinnen, würde der Kreis sich politisch neu aufstellen müssen. Unabhängig vom Ausgang gilt die Stichwahl als Stimmungstest für die politische Lagerbildung in Südthüringen. Die überregionale Aufmerksamkeit erklärt sich nicht zuletzt aus dem Umstand, dass in Thüringen die politischen Kräfteverhältnisse seit 2024 deutlich in Bewegung geraten sind.
Für die Wählerinnen und Wähler im Kreis Saalfeld-Rudolstadt bedeutet der Termin am 21. Juni, dass sie innerhalb von knapp drei Wochen zum zweiten Mal an die Urnen gerufen werden. Erste Analysen deuten darauf hin, dass die Mobilisierung in den kommenden Tagen weiter zunehmen wird, da nunmehr nur noch zwei Kandidaten zur Auswahl stehen. Der Kreiswahlleiter wies darauf hin, dass die Stimmabgabe in den bekannten Wahllokalen sowie per Briefwahl möglich sein wird.
Politische Beobachter werten die Konstellation als ungewöhnlich: Während die SPD auf Bundesebene und im Land erheblich an Zuspruch verloren hat, kann sie in ihrer langjährigen Hochburg Saalfeld-Rudolstadt mit Amtsinhaber Wolfram und 47,1 Prozent im ersten Durchgang weiterhin ein starkes Ergebnis vorweisen. Zugleich gelingt es der AfD, mit über 40 Prozent der Stimmen einen Kandidaten in die Stichwahl zu bringen, der den Kreis in den kommenden Jahren politisch prägen könnte. Wie sich das Lager der Wehr-Wählerinnen und -Wähler verhalten wird, gilt als eine der zentralen Fragen vor dem zweiten Wahlgang.
Überregionale Bedeutung der Stichwahl
Die Berichterstattung über die Stichwahl wird auch über die Grenzen Thüringens hinaus verfolgt, da Kommunalwahlen in Ostdeutschland als Seismograf für die gesamtgesellschaftliche Stimmungslage gelten. Sollte die AfD auch in Saalfeld-Rudolstadt – wie zuvor in Sonneberg – einen Landrat stellen, hätte dies Signalwirkung für die kommenden Wahlkämpfe in der Region. Die SPD wiederum könnte mit einem Sieg Wolrams ihre Stellung als kommunalpolitische Kraft in Südthüringen unterstreichen.
Insgesamt zeigt der erste Wahlgang, dass die politischen Lager im Kreis Saalfeld-Rudolstadt klar profiliert sind. Die Entscheidung am 21. Juni wird zeigen, ob die SPD ihre Hochburg verteidigen kann oder ob die AfD ihren zweiten kommunalen Spitzenposten in Thüringen erringt. Bis dahin werden beide Seiten um die Stimmen derjenigen Wählerinnen und Wähler werben, die im ersten Durchgang noch nicht teilgenommen haben oder ihre Stimme dem parteilosen Bewerber Wolfgang Wehr gegeben hatten.
Fragen & Antworten
Wer tritt in der Stichwahl in Saalfeld-Rudolstadt an?
In der Stichwahl am 21. Juni stehen sich Amtsinhaber Marko Wolfram (SPD) und der AfD-Kandidat Thomas Benninghaus gegenüber. Der parteilose Bewerber Wolfgang Wehr verpasste mit 12,7 Prozent den Einzug in die zweite Runde.
Warum kam es im Kreis Saalfeld-Rudolstadt zu einer Stichwahl?
Eine Stichwahl ist erforderlich, weil im ersten Wahlgang keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreichte. Wolfram kam auf 47,1 Prozent, Benninghaus auf 40,2 Prozent und Wehr auf 12,7 Prozent.
Wie hoch war die Wahlbeteiligung im ersten Durchgang?
Die Wahlbeteiligung lag bei 56 Prozent und damit deutlich höher als bei der vorherigen Landratswahl vor sechs Jahren, die eine Beteiligung von 42,4 Prozent verzeichnet hatte. Rund 80.000 bis 83.000 Menschen waren zur Stimmabgabe aufgerufen.
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