Solarstrom hat Deutschland seit 2020 Energierimporte im Wert von 20 Milliarden Euro erspart
Berlin, 24. Juni 2026
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Kurzfassung
Der Bundesverband Solarwirtschaft beziffert die durch Solarstrom seit 2020 vermiedenen Energieimporte auf rund 20 Milliarden Euro. Anlässlich der Intersolar in München verwies der Verband zudem auf vermiedene Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro.
Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) beziffert die seit 2020 durch Photovoltaik in Deutschland vermiedenen Energieimporte auf rund 20 Milliarden Euro und sieht darin einen Beleg für die wachsende energiepolitische Bedeutung der Branche.
Volkswirtschaftlicher Nutzen in Milliardenhöhe
Anlässlich der Fachmesse Intersolar in München (23. bis 25. Juni) hat der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) die wirtschaftliche und klimapolitische Bilanz der Solarenergie in Deutschland für den Zeitraum 2020 bis 2025 vorgelegt. Demnach haben die mittlerweile rund sechs Millionen installierten Solarstromanlagen in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren einen volkswirtschaftlichen Nutzen "in dreistelliger Milliardenhöhe" erbracht, wie der Verband mitteilte. Ein wesentlicher Posten seien die vermiedenen Energieimporte.
Konkret beziffert BSW-Solar die durch Solarstrom ersparten Energieimporte auf etwa 20 Milliarden Euro. Die Erzeugung von Solarstrom habe in diesem Zeitraum den Bedarf an fossilen Brennstoffen und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen "spürbar verringert". Zudem werde "die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten befördert", heißt es in der Mitteilung des Verbands.
BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig unterstrich die strategische Bedeutung dieser Entwicklung: "Jede neue Solaranlage senkt unsere Abhängigkeit von Energieimporten und macht Strompreise widerstandsfähiger gegen geopolitische Krisen." Der Ausbau von Solar- und Speichertechnologien müsse daher konsequent fortgesetzt werden. Körnig sagte zudem: "Die Photovoltaik - vor allem in Verbindung mit Batteriespeichern - hat sich zu einem zentralen Baustein für Versorgungssicherheit, Energiesouveränität und wirtschaftliche Stabilität entwickelt."
Datengrundlage: Umweltbundesamt
Die Berechnungen des Verbands stützen sich auf Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA), insbesondere auf Tabelle 8.1. Demnach wurden zwischen 2020 und 2025 knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom erzeugt. Diese Strommenge habe im deutschen Stromsystem vor allem Erdgas- und Steinkohlekraftwerke verdrängt, so der Verband.
Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro seien nach Schätzungen des UBA im selben Zeitraum durch den Einsatz von Solarenergie vermieden worden. Das entspreche einem erheblichen Anteil der gesamtwirtschaftlichen Entlastung. Mehr als die Hälfte der über die vergangenen 20 Jahre insgesamt vermiedenen Treibhausgase sei allein auf die Jahre 2020 bis 2025 entfallen, erklärte der Verband weiter.
Vermiedene Klimaschadenskosten
Das Umweltbundesamt beziffert die durch Solarstrom in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren insgesamt vermiedenen Treibhausgase auf rund 500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. "Mehr als die Hälfte davon entfiel demzufolge allein auf die Jahre 2020 bis 2025. In diesem Zeitraum wurden rund 270 Millionen Tonnen Treibhausgase vermieden", erklärte Körnig unter Berufung auf das UBA.
Die Branche selbst ist nach Angaben von BSW-Solar ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Rund 120.000 Menschen sind demnach aktuell in der deutschen Solar- und Speicherbranche beschäftigt, die einen Jahresumsatz von etwa 30 Milliarden Euro erwirtschaftet. "Die zunehmende Nutzung der Solarenergie bringt Deutschland nach Berechnungen des Bundesverbands Solarwirtschaft einen hohen wirtschaftlichen Mehrwert", teilte der Verband mit.
Wirtschaftsfaktor Solarbranche
Die positiven Verbandszahlen stehen vor dem Hintergrund einer insgesamt gemischten Entwicklung des Strommarkts im Jahr 2025. Wie aus Branchenangaben hervorgeht, stammte der in Deutschland erzeugte Strom 2025 - wie in den beiden Jahren zuvor - überwiegend aus erneuerbaren Quellen. Insgesamt blieb die Strommenge aus erneuerbaren Quellen mit 256,9 Milliarden Kilowattstunden im Jahresvergleich nahezu unverändert; ihr Anteil an der Gesamtmenge sank um knapp einen Prozentpunkt.
Strommix 2025: Erneuerbare knapp halten Position
Erneuerbare Energien deckten 58,6 Prozent der ins Netz eingespeisten Strommenge - vor allem aus Windkraft, Sonne und Biogas. Wichtigster Energieträger war trotz einer abnehmenden Menge erneut Windkraft, die 30 Prozent zur gesamten Stromproduktion beitrug.
Dagegen legten konventionelle Energieträger zu, vor allem Kohle und Erdgas: Sie lieferten 181,3 Milliarden Kilowattstunden (plus 3,6 Prozent) und kamen auf einen Anteil von 41,4 Prozent. Diese Bilanz unterstreicht aus Sicht des Solarverbands die Notwendigkeit, den Ausbau erneuerbarer Energien weiter zu beschleunigen.
Besonders dynamisch entwickelte sich im Jahr 2025 die Photovoltaik: Die Stromeinspeisung aus Photovoltaik nahm im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 17,4 Prozent auf 70,1 Milliarden Kilowattstunden zu. Dieser Zuwachs ist nach Einschätzung von BSW-Solar ein deutliches Signal für die wachsende Rolle der Solarenergie im deutschen Strommix.
Die Intersolar in München gilt als eine der zentralen Plattformen der Solar- und Speicherbranche in Europa. Branchenvertreter nutzen die Messe traditionell, um Halbjahresbilanzen zu ziehen und Forderungen an die Politik zu richten. Auch in diesem Jahr standen Fragen der Netzintegration, der Speicherkapazitäten und der politischen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt.
Intersolar als Branchenplattform
Mit Blick auf die nächsten Jahre fordert BSW-Solar verlässliche Ausbauziele und den Abbau bürokratischer Hemmnisse. Körnig verwies auf den beschleunigten Photovoltaik-Zubau in 2025 als Beleg dafür, dass die Branche ihre Kapazitäten kurzfristig hochfahren könne, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.
International wird die Entwicklung in Deutschland mit Aufmerksamkeit beobachtet. Die Kombination aus massivem Solarausbau, wachsender Speicherkapazität und dem Ziel der Unabhängigkeit von fossilen Importen gilt in der energiepolitischen Debatte als Modell für andere Industrieländer. Die in München vorgelegten Zahlen dürften daher auch über die Landesgrenzen hinaus Beachtung finden.
Ungeachtet der Erfolgsmeldung weist der Verband darauf hin, dass zur Erreichung der nationalen Klimaziele eine weitere Steigerung des Solarstromanteils notwendig sei. Der jetzt erreichte Zubau sei ein wichtiger Schritt, könne aber nur ein Zwischenergebnis auf dem Weg zu einer klimaneutralen Stromversorgung sein.
Fragen & Antworten
Wie hoch sind die vermiedenen Energieimporte durch Solarstrom in Deutschland seit 2020?
Nach Berechnungen des Bundesverbands Solarwirtschaft haben die rund sechs Millionen installierten Solarstromanlagen zwischen 2020 und 2025 Energieimporte im Wert von etwa 20 Milliarden Euro ersetzt.
Welche Rolle spielt das Umweltbundesamt in der Bilanz?
Das Umweltbundesamt liefert die zentralen Datengrundlagen: Es beziffert die durch Solarstrom in 20 Jahren vermiedenen Treibhausgase auf rund 500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und schätzt die vermiedenen Klimaschadenskosten für 2020 bis 2025 auf bis zu 250 Milliarden Euro.
Solarstrom spart Deutschland 20 Mrd. Euro Energieimporte | nachrichten360