Der südkoreanische Speicherchip-Riese SK Hynix plant für Freitag die Zweitnotiz an der Nasdaq mit 177,9 Millionen American Depositary Shares und einem Volumen von rund 28,2 Milliarden US-Dollar, womit es nach dem SpaceX-Debüt im Juni 2026 der zweitgrösste Aktienverkauf der Börsengeschichte wäre.
Volumen, Ankerinvestoren und Nachfrage
Nach Angaben des Unternehmens soll das Angebot rund 2,5 Prozent des Aktienkapitals entsprechen. Der Ausgabepreis wird laut Reuters-Bericht am Donnerstag nach Börsenschluss in Südkorea festgelegt, die Zuteilung an Investoren soll noch am selben Tag nach US-Zeit erfolgen. Der Handelsstart der Papiere, die unter dem Tickersymbol SKHY gehandelt werden sollen, ist für Freitag, den 10. Juli 2026, vorgesehen, wobei sich das Unternehmen Änderungen vorbehält. Damit bahnt sich für den südkoreanischen Speicherchiphersteller einer der größten Aktienverkäufe der Börsengeschichte an, übertroffen nur vom SpaceX-Debüt im Juni 2026.
Bereits vor dem eigentlichen Bookbuilding hatten sich der Vermögensverwalter Baillie Gifford Overseas, von Coatue Management verwaltete Fonds sowie Situational Awareness Partners als Ankerinvestoren für zusammen bis zu 7 Milliarden US-Dollar der Papiere interessiert. Die Nachfrage stammt laut Bloomberg vor allem von global aufgestellten Long-only-Fonds, technologiefokussierten Investmentgesellschaften, Staatsfonds und auf Asien spezialisierten institutionellen Anlegern. Einem aktuellen Reuters-Bericht zufolge, der sich auf Informationen von Insidern stützt, ist das Angebot an American Depositary Receipts (ADRs) des Speicherherstellers mehr als siebenfach überzeichnet.
HBM-Chips als Schlüssel zum KI-Boom
Der ursprünglich am 30. Juni 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichte Umfang von rund 29,65 Milliarden US-Dollar wurde bereits am 6. Juli 2026 auf rund 28,21 Milliarden US-Dollar gesenkt, nachdem die SK hynix-Stammaktie an der Heimatbörse in Seoul zuvor nachgegeben hatte. Am Donnerstag zeigte sich die SK hynix-Aktie in Seoul jedoch unbelastet und legte letztlich um kräftige 4,87 Prozent auf 2.177.000 Won zu. Als globale Konsortialführer fungieren laut Unternehmensangaben unter anderem Goldman Sachs und JPMorgan.
Im Zentrum des Interesses steht die dominante Stellung des Unternehmens bei High Bandwidth Memory, kurz HBM. Das sind Speicherchips, in denen mehrere Speicherbausteine gestapelt werden, um Daten besonders schnell zu übertragen. Nach IDC-Daten, die im eigenen SEC-Registrierungsdokument des Unternehmens zitiert werden, hielt SK hynix im ersten Quartal 2026 einen Anteil von 56,4 Prozent am weltweiten HBM-Umsatz und lag damit deutlich vor Wettbewerbern wie Micron Technology. Eine Trendforce-Analyse sieht den Weltmarktanteil bei HBM-Chips im Jahr 2025 sogar bei 61 Prozent.
Gewinne, Investitionen und Industriepolitik
Die Belieferung von Nvidia mit Speicherchips bildet das eigentliche Fundament des Erfolgs. Nach Goldman-Schätzungen liefert SK Hynix rund zwei Drittel der neuesten HBM4-Chipgeneration für Nvidias neue KI-Plattform Vera Rubin. SK hynix ist nach 14-jähriger Entwicklungsarbeit, die dem Unternehmen lange Skepsis einbrachte, zum wichtigsten Zulieferer von HBM-Chips für NVIDIA aufgestiegen, wie Reuters berichtet. Nvidia-Chef Jensen Huang unterschrieb auf der Computex-Messe in Taiwan im Juni ein Modell des neuesten HBM-Chips von SK Hynix mit den Worten "Please make more!" und sicherte zu: "SK Hynix wird auch weiterhin Nvidias grösster Speicherpartner sein."
Die Geschäftszahlen unterstreichen den Boom. Laut einer Umfrage von Yahoo Finance dürfte der operative Gewinn von SK Hynix im Jahresvergleich um mindestens das Siebenfache auf 61 Billionen Won (rund 35,5 Milliarden Euro beziehungsweise 33 Milliarden Franken) steigen. Analysten rechnen für das zweite Quartal sogar mit einer Gewinnmarge von mehr als 70 Prozent. Die Aktie hatte sich vom Jahresbeginn bis Ende Juni 2026 bereits verzwölft, ehe sie anschliessend um 30,5 Prozent nachgab. SK hynix und Samsung Electronics vereinen nach Angaben von CNBC zusammen mehr als 40 Prozent der Marktkapitalisierung im Leitindex KOSPI auf sich.
Der Emissionserlös soll vollständig in neue Fertigungskapazitäten fliessen: in die erste Bauphase des Yongin Semiconductor Cluster, die Verpackungsfabrik P&T7 in Cheongju sowie in neue EUV-Lithografiemaschinen des niederländischen Anlagenbauers ASML. Ziel ist der beschleunigte Ausbau der Produktion von High Bandwidth Memory, jenen Speicherchips, die große KI-Rechenzentren erst im großen Maßstab betreiben können. Ende Juni hatten Samsung, die SK Group und weitere Konzerne ein nationales Programm über 2,4 Billionen Euro an Investitionen in neue Chipfabriken, Roboter und KI-Rechenzentren vorgelegt, das der südkoreanische Präsident Lee als "historische Errungenschaft" bezeichnete und das Teil seiner 3-3-5-Strategie für Chips und KI ist.
Vom Hyundai-Spin-off zum Nasdaq-Listing
Im Listing-Prospekt formuliert das Unternehmen den strategischen Anspruch selbst: "Wir erwarten, unseren Status als globales Unternehmen zu stärken, indem wir unsere Präsenz in den Vereinigten Staaten, dem Epizentrum der technologischen Innovation im Bereich der KI, ausbauen". Marktexperten sehen allerdings auch Bremsfaktoren. Kim Jun-yeong, Marktstratege bei iM Securities in Südkorea, erklärte, Zweifel am Boom der KI-Rechenzentren begrenzten derzeit das Aufwärtspotenzial, erwartet aber, dass der Gewinnzyklus der Halbleiterindustrie anhalte.
Die Erfolgsgeschichte hat eine längere Vorgeschichte. SK Hynix wurde 1983 als Hyundai Electronics Industries gegründet, nach dem Kollaps des Speicherchipmarktes 2001 als Hynix Semiconductor abgespalten und 2012 von der SK Group übernommen. Konzernpatriarch Chey Tae Won traf zwei strategische Entscheidungen, die sich auszahlten: eine enge Partnerschaft mit dem Auftragsfertiger TSMC sowie die Berufung von Ingenieuren an die Unternehmensspitze, die bereits seit 2009 an HBM-Chips arbeiteten. Zudem übernahm SK Hynix in diesem Jahrzehnt Intels NAND-Chip-Sparte.
Vom Aufschwung sollen auch die Beschäftigten profitieren. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, sollen SK-Hynix-Mitarbeiter eine Erfolgsbeteiligung von mehr als 300.000 Euro (über 270.000 Franken) pro Person erhalten. Analysten sehen die Branche trotz der zuletzt gestiegenen Bewertungen weiterhin in einer starken Position, nicht zuletzt weil die grossen Plattformanbieter für künstliche Intelligenz weiter auf Hochleistungsspeicher angewiesen sind.
Am Rande des Nasdaq-Gangs werfen die Banken auch einen genaueren Blick auf den Wettbewerber Micron Technology. RBC Capital Markets stufte die Aktie am 25. Juni 2026 mit "Outperform" ein, die Deutsche Bank AG mit "Buy", JP Morgan Chase & Co. mit "Overweight", während Goldman Sachs Group Inc. das Papier mit "Neutral" bewertete. Die Bandbreite der Einschätzungen zeigt, dass die Investoren den Halbleiterzyklus insgesamt weiter im Blick behalten, auch wenn das SK-Hynix-Listing die Stimmung um die Branche derzeit deutlich beflügelt.
