Siemens-Konzernchef Roland Busch hat bei der Vorstellung der Q3-Zahlen des Siemens-Geschäftsjahres vor überzogener Regulierung Künstlicher Intelligenz gewarnt und den Aufwind im KI-Rechenzentrumsgeschäft betont.
Anfang des Monats stellte Roland Busch die Ergebnisse des dritten Quartals des laufenden Siemens-Geschäftsjahres vor. In diesem Zusammenhang äußerte sich der Konzernchef ausführlich zur strategischen Bedeutung Künstlicher Intelligenz für das Unternehmen. Siemens profitiert nach eigenen Angaben erheblich von der steigenden Nachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur, die für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle benötigt wird.
Busch zeigte sich überzeugt, dass die Dynamik im KI-Rechenzentrumsgeschäft über das laufende Geschäftsjahr hinaus anhalten werde. Er verwies darauf, dass Auftragseingang und Pipeline in diesem Segment deutlich gewachsen seien. Für Siemens ist dieser Bereich Teil der Digital-Industrie-Sparte, die zu den wichtigsten Ertragssäulen des Konzerns zählt.
Geschäft mit KI-Rechenzentren zieht weiter an
Gleichzeitig richtete der Siemens-Chef eine politische Warnung an die Europäische Union. Eine zu starke Regulierung Künstlicher Intelligenz könne die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen im globalen Vergleich mit den USA und China gefährden. Busch forderte stattdessen ein innovationsfreundliches Umfeld, das Investitionen in KI-Technologien ermögliche.
Die Europäische Union arbeitet seit längerem an einem einheitlichen KI-Regelwerk, dem sogenannten AI Act. Damit sollen Risiken Künstlicher Intelligenz eingehegt und gleichzeitig Innovationen gefördert werden. Kritiker befürchten allerdings, dass die Vorgaben für Unternehmen zu bürokratisch ausfallen könnten – ein Punkt, den Busch mit seiner Warnung implizit aufgreift.
Kritik an der EU-Regulierung
Der Siemens-Chef betonte, dass Europa im Wettbewerb um KI-Spitzenforschung und -Anwendungen nicht den Anschluss verlieren dürfe. Verwiesen wurde in der Berichterstattung auf den globalen Wettlauf zwischen den USA, China und Europa um Standards bei Hard- und Software für KI-Anwendungen. Vor allem China investiert massiv in staatlich geförderte KI-Projekte.
Analysten sehen die Stellungnahme von Busch vor allem als Signal an die Politik in Berlin und Brüssel. Der Konzern gehört zu den wenigen europäischen Industrieriesen, die sowohl über die Fertigungskapazitäten als auch über die Softwarekompetenz verfügen, um bei KI-Infrastruktur eine weltweit relevante Rolle zu spielen. Investitionen in Rechenzentren, Automatisierung und Energiemanagement sind bei Siemens längst strategische Schwerpunkte.
Bedeutung für den Standort Europa
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der Siemens ohnehin stark auf digitale Geschäftsfelder setzt. Der Konzern hatte zuletzt angekündigt, seine Aktivitäten rund um Industrie-Software und Automatisierung weiter auszubauen. Busch sieht darin einen entscheidenden Hebel, um die Abhängigkeit von klassischen Industriegeschäften zu verringern.
In der Diskussion um KI-Regulierung steht Europa vor einem Spagat: Einerseits sollen Risiken algorithmischer Entscheidungen begrenzt werden, etwa beim Einsatz in kritischer Infrastruktur. Andererseits beklagen Unternehmen und Start-ups, dass Vorgaben zu langsam formuliert und zu kleinteilig ausgelegt würden. Busch positioniert sich klar auf der Seite derer, die mehr Tempo und weniger Bürokratie fordern.
Marktbeobachter erwarten, dass die Siemens-Führung die Debatte um KI-Regulierung weiter aktiv begleiten wird. Über Industrieverbände und den europäischen Dachverband DigitalEurope bringt sich das Unternehmen regelmäßig in die politische Meinungsbildung ein. Eine direkte Stellungnahme aus Berlin oder Brüssel zu Buschs Aussagen stand zunächst aus.
Insgesamt unterstreicht der Auftritt des Siemens-Chefs den Anspruch des Konzerns, bei KI-Infrastruktur eine globale Führungsrolle einzunehmen. Ob die Politik die Forderung nach weniger Regulierung aufgreift, dürfte auch davon abhängen, wie sich Investitionen und Auftragseingänge in den kommenden Quartalen entwickeln. Siemens will nach Worten Buschs die Dynamik des Geschäfts „in das nächste Jahr und darüber hinaus“ mitnehmen.
