S. Fischer Verlage verlagern ihren Hauptsitz von Frankfurt am Main nach Berlin
Frankfurt am Main, 16 Juni 2026
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Kurzfassung
Die S. Fischer Verlage verlagern ihren Hauptsitz von Frankfurt am Main nach Berlin. Der Umzug ist für den Sommer 2027 geplant; Lektorat und kaufmännische Bereiche bleiben am Main.
Frankfurt am Main, 16 Juni 2026
Die S. Fischer Verlage werden ihren Hauptsitz von Frankfurt am Main nach Berlin verlegen; der Umzug ist für den Sommer 2027 vorgesehen, wie das zur Holtzbrinck-Gruppe gehörende Haus mitteilte.
Die S. Fischer Verlage bündeln künftig ihre verlegerischen und marktnahen Bereiche in Berlin. Dazu gehören neben der Geschäftsführung insbesondere das Marketing, der Vertrieb sowie die Presse- und Veranstaltungsabteilungen. Der Umzug ist laut Verlag für Sommer 2027 geplant.
Allen Mitarbeitern sollen Angebote für einen Wechsel nach Berlin gemacht werden. Über den genauen Standort in der Hauptstadt soll in naher Zukunft entschieden werden. Bereits heute arbeiteten alle Programmleitungen von S. Fischer in Berlin.
Standortwechsel: Was in Berlin und was in Frankfurt bleibt
Frankfurt soll als Standort aber erhalten bleiben: Neben dem Lektorat sollen die kaufmännischen Bereiche am Main bleiben. Was aus dem großen Fischer-Gebäude in der Hedderichstraße in Sachsenhausen wird, bleibt abzuwarten.
Der Verlag wurde vor rund 140 Jahren in Berlin gegründet. Samuel Fischer hatte den Verlag 1886 gegründet – in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Sitz nach Frankfurt verlegt.
Die S. Fischer Verlage gehören schon seit den 1960er Jahren zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck – ebenso wie Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch und Droemer Knaur. Damit verliert Frankfurt nach Suhrkamp seinen zweiten großen Publikumsverlag an die Hauptstadt.
Historie: Von Berlin über Frankfurt zurück nach Berlin
2010 zog Suhrkamp bereits nach Berlin. Der Verlagssitz in der Lindenstraße im Westend wurde aufgegeben. Auch die legendäre Suhrkamp-Villa ist inzwischen verkauft. Peter Suhrkamp fing bei Fischer an und gründete später seinen eigenen Verlag.
Christina Dohmann, Chefin von S. Fischer, äußerte sich zur Entscheidung in einem Statement. „Unsere Entscheidung für Berlin ist keine Entscheidung gegen Frankfurt. Berlin wird künftig unser Hauptsitz sein, Frankfurt bleibt ein wichtiger Anker“, sagte Dohmann.
Darüber hinaus erklärte Dohmann: „Frankfurt gehört als Stadt des verlegerischen Wiederaufbaus zu S. Fischer, der Verlag verdankt dieser Stadt sehr viel.“ Die Stadt Berlin erfuhr von der Verlegung den Angaben zufolge ebenfalls erst durch die Ankündigung des Verlags: „Geplant ist der Umzug, von dem die Stadt Berlin jetzt auch erstmals hört, für den Sommer 2027.“
In einer ausführlicheren Stellungnahme führte Dohmann weiter aus: „Diesem Geist fühlen wir uns zutiefst verpflichtet. Die Rückkehr nach Berlin ist für uns deshalb Anknüpfungspunkt und Aufbruch zugleich, sie lässt uns die Geschichte der S. Fischer Verlage genau dort fortschreiben, wo heute die wichtigen Debatten um die Zukunft unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft geführt und Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit gefunden werden müssen.“
Begründung des Verlags: Sichtbarkeit, Resonanz und kürzere Wege
Ko-Geschäftsführer Oliver Vogel bezeichnete den Schritt als Investition. Der Wechsel verstehe sich als „Investition, um den Büchern maximale Sichtbarkeit und gesellschaftliche Resonanz zu verschaffen“, sagte Vogel in einem Interview mit der FAZ. Zugleich wies er Spekulationen zurück, der Umzug sei ein Programm zur Kostensenkung oder zum Personalabbau. Vogel verwies zudem darauf, dass die Atmosphäre im Berliner Büro in der Rosenstraße spürbar neue Energie freigesetzt habe.
Der Verlag schildert die strategische Stoßrichtung des Schritts: Dadurch würden die „Entscheidungswege verkürzt, die Zusammenarbeit zwischen Programm und Vermarktung intensiviert und die Präsenz des Verlags im kulturell und gesellschaftlich attraktiven Umfeld Berlins gestärkt“, so der zum Holtzbrinck-Konzern gehörende S. Fischer Verlag. Ziel der Maßnahme sei es, „die wirtschaftliche und verlegerische Zukunftsfähigkeit des Verlags zu stärken“.
Unter dem Dach von Fischer sind neben dem Flaggschiff S. Fischer der Krüger- und der Scherz-Verlag mit unterhaltenden Büchern, Tor mit Fantasy und Science Fiction, FJB für junge Autoren sowie ein Taschenbuch- und ein Theater-Verlag. Viele große Namen der klassischen Moderne sind im Programm vertreten, etwa Thomas Mann oder Franz Kafka. Von den zeitgenössischen Autoren ist zum Beispiel der ungarische Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai bei Fischer unter Vertrag. Als er 2025 von der größten denkbaren Ehrung des Literaturbetriebs erfuhr, war er gerade in Frankfurt.
Programm und Autoren: Von Thomas Mann bis László Krasznahorkai
Reaktionen aus Frankfurt fielen verhalten aus. Weder die Stadt noch die Buchmesse kommentierten die Entscheidung zunächst. Ein Sprecher von Buchmesseleiter Juergen Boos erklärte: „Man kommentiere die unternehmerischen Entscheidungen der Kunden nicht.“
Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) äußerte sich besorgt: „Für die Verlags- und Literaturstadt Frankfurt am Main ist der Weggang von S. Fischer keine gute Nachricht.“ Frankfurt warb in der Vergangenheit immer wieder mit dem Etikett „Buchstadt Frankfurt“ und sieht durch den Umzug einen weiteren traditionellen Akteur verloren.
Reaktionen in Frankfurt: Sorge um den Ruf als Buchstadt
Auch der Eichborn Verlag wurde von Bastei Lübbe übernommen und sitzt jetzt in Köln. Damit zeichnet sich ein Muster ab: Mehrere renommierte deutsche Verlage haben ihre Sitze in den vergangenen Jahren aus der Mainmetropole in andere deutsche Städte verlegt.
Der S. Fischer Verlag war zuvor bereits in Berlin-Mitte an der Grünstraße vertreten und wechselte später in die Rosenstraße, wo er bislang mit Teilen des Programms arbeitet. Über den genauen Standort des künftigen Berliner Hauptsitzes ist noch nicht entschieden; das Haus sucht nach eigenen Angaben noch nach einer passenden Immobilie.
Die Nachricht über den geplanten Umzug wurde am 16.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. In Branchenkreisen wurde sie als Signal für eine weitere Verschiebung der verlegerischen Gewichte in Deutschland wahrgenommen – weg vom traditionellen Standort Frankfurt, hin zur politischen und medialen Hauptstadt Berlin.
Ausblick: Suche nach dem neuen Berliner Standort
Dass die S. Fischer Verlage trotz des Wechsels an der Tradition des Hauses festhalten wollen, betont die Verlagsspitze ausdrücklich. Der Verlagsname, das Programm und die Verbindung zur deutschen Literaturgeschichte sollen weiterhin prägend sein – nur räumlich werde man künftig von Berlin aus agieren.
Insgesamt verdeutlicht der Schritt den anhaltenden Strukturwandel im deutschen Verlagswesen: Hauptstadtnähe, kürzere Entscheidungswege und eine engere Verzahnung mit Marketing und Vertrieb sind nach Einschätzung des Hauses die entscheidenden Vorteile, die Berlin gegenüber dem bisherigen Standort bietet.
Für die Beschäftigten in Frankfurt bedeutet die Ankündigung eine Phase der Unsicherheit. Zwar soll ihnen ein Wechsel nach Berlin angeboten werden, doch ist offen, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Angebot annehmen werden. Damit hängt der Umzug auch unmittelbar mit Fragen der Personalplanung und der Zukunft des Standorts Sachsenhausen zusammen.
Fragen & Antworten
Wer ist Christina Dohmann?
Christina Dohmann ist die Chefin der S. Fischer Verlage. Sie begründete den Umzug nach Berlin und betonte zugleich, dass Frankfurt als „wichtiger Anker“ für das Haus erhalten bleibe.
Warum zieht S. Fischer von Frankfurt nach Berlin?
Der Verlag begründet den Schritt mit kürzeren Entscheidungswegen, einer intensiveren Zusammenarbeit von Programm und Vermarktung sowie einer stärkeren Präsenz im kulturell und gesellschaftlich attraktiven Umfeld Berlins.
Was bleibt nach dem Umzug in Frankfurt?
In Frankfurt sollen das Lektorat und die kaufmännischen Bereiche der S. Fischer Verlage verbleiben. Über die Zukunft des großen Verlagsgebäudes in der Hedderichstraße in Sachsenhausen ist noch nicht entschieden.
S. Fischer zieht nach Berlin: Umzug 2027 – Hintergründe | nachrichten360