Leipzig, 17 Juni 2026

RB Leipzig hat sich am Mittwoch nach nur etwa einem Jahr von Cheftrainer Ole Werner getrennt, obwohl der 38-Jährige den Club in der abgelaufenen Saison auf Platz drei der Bundesliga und damit in die Champions League geführt hatte.

Die offizielle Begründung des Clubs

Der Verein gab die Entscheidung am Mittwoch bekannt. Marcel Schäfer, Sport-Geschäftsführer von RB Leipzig, erklärte, die vergangene Saison sei in den zurückliegenden Tagen noch einmal intensiv und abschließend analysiert worden. „Am Dienstagabend haben wir dann den Beschluss gefasst, die Position des Cheftrainers neu zu besetzen“, sagte Schäfer. Eine inhaltliche Weiterentwicklung und eine veränderte Herangehensweise seien für die kommenden Aufgaben erforderlich.

RB Leipzig bedankte sich bei Werner sowie den Co-Trainern Tom Cichon und Patrick Kohlmann für deren Arbeit und ihren Anteil am Umbruch der Mannschaft sowie an der Champions-League-Qualifikation. Co-Trainer Jan Zimmermann bleibt dem Club erhalten. Details zur Nachfolge sowie zur Zusammensetzung des künftigen Trainerteams will Leipzig zeitnah bekanntgeben.

Hintergrund: Werners Amtszeit in Zahlen

Werner hatte die Mannschaft am 1. Juli 2025 übernommen, nachdem sich der Club zuvor von Marco Rose getrennt hatte und Zsolt Löw zwischenzeitlich interimsweise eingesprungen war. Leipzig hatte den Coach im Sommer 2025 von Werder Bremen verpflichtet und nach Informationen der Bild-Zeitung eine Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro gezahlt, die mit erfolgsabhängigen Boni auf bis zu zwei Millionen Euro ansteigen konnte. Seinen Vertrag in Leipzig hatte Werner noch bis 2027.

Sportlich verlief die Saison für den Club aus wirtschaftlicher Sicht erfolgreich. Mit 65 Punkten belegte RB Leipzig am Saisonende 2025/26 den dritten Tabellenplatz hinter Bayern München und Borussia Dortmund und sicherte sich damit die Teilnahme an der Champions League. Im DFB-Pokal erreichte Leipzig unter Werner das Viertelfinale. In 38 Pflichtspielen unter dem 38-Jährigen stehen 23 Siege, fünf Unentschieden und zehn Niederlagen zu Buche, was einem Punkteschnitt von 1,95 entspricht.

Inhaltliche Kritik und Spielidee

Gleichzeitig hatte der Club laut kicker seit einiger Zeit inhaltliche Bedenken geäußert und auf eine vermeintlich fragwürdige Kommunikation Werners hingewiesen. Auch sei Werners neu implementierte Spielidee, die auf einem 4-3-3-System basierte, bei den Entscheidern in Leipzig nicht überzeugend angekommen. Dem Club reichte der dritte Platz eigenen Angaben zufolge nicht – intern soll der Anspruch höher gelegen haben, zudem verpasste Leipzig den eigenen Bundesliga-Rekord um zwei Punkte.

Rolle von Jürgen Klopp

Eine zentrale Rolle bei der Trennung spielte laut übereinstimmenden Medienberichten das Verhältnis zwischen Werner und Jürgen Klopp. Klopp ist als Head of Global Soccer für den gesamten Fußball-Bereich des Red-Bull-Konzerns verantwortlich und war nach eigener Darstellung beratend in die Entscheidungsfindung eingebunden. Werners Beziehung zu Klopp, so hieß es in Berichten, habe sich zuletzt merklich abgekühlt, die direkte Kommunikation sei weitgehend zum Erliegen gekommen.

Klopp äußerte sich am Mittwoch vor dem WM-Spiel England gegen Kroatien in Dallas als Experte des Streamingdienstes MagentaTV zu dem Wechsel. „Ole hat einen Klasse-Job gemacht. Wir haben uns für die Champions League qualifiziert. Aber wir müssen auch zeitgleich nach vorn gucken“, sagte der 59-Jährige. Er beschrieb Red Bull Soccer als beratendes Global-Team, das in die Saisonanalyse eingebunden gewesen sei. Man habe sich nach der Champions-League-Qualifikation Gedanken über die kommende Belastung gemacht, „dann hat man sich in Leipzig für den Wechsel entschieden“.

Auf Nachfrage zu einem möglichen Nachfolger wollte sich Klopp nicht äußern. „Dazu kann ich wirklich nichts sagen. An Spekulationen beteilige ich mich nicht. Alles, was es dazu zu sagen gibt, kommt aus Leipzig und nicht aus – wo sind wir heute – Dallas“, sagte er. Die endgültige Entscheidung sei lokal in Leipzig getroffen worden, er sei nur beratend tätig gewesen.

Demichelis als möglicher Nachfolger

Parallel zur Trennung in Leipzig präsentierte Red Bull Salzburg am selben Mittwoch Danny Röhl als neuen Cheftrainer. Der Deutsche kommt von den Glasgow Rangers, Salzburg soll nach Medienberichten eine namhafte Ablöse gezahlt haben. Ursprünglich war Leipzig eigenen Angaben zufolge an einer Verpflichtung von Cesc Fàbregas interessiert, der jedoch bei Como 1907 blieb und den Verein in die Champions League führte.

Als Favorit auf die Werner-Nachfolge gilt nach übereinstimmenden Medienberichten der Argentinier Martín Demichelis. Der 45-Jährige ist ehemaliger argentinischer Nationalspieler und stand zwischen 2003 und 2011 als Profi beim FC Bayern München unter Vertrag. Nach seiner aktiven Karriere begann er seine Trainertätigkeit in der Jugendabteilung des FC Bayern, übernahm anschließend River Plate, das er 2023 zur argentinischen Meisterschaft führte, sowie den mexikanischen Club CF Monterrey und zuletzt RCD Mallorca.

Bei den Mallorquinern gelang Demichelis in zwölf Ligaspielen mit fünf Siegen, drei Unentschieden und vier Niederlagen allerdings nicht der erhoffte Erfolg, der Club stieg aus der La Liga ab. Sein Vertrag auf Mallorca wurde kürzlich bis 2028 verlängert; laut Berichten enthält der Kontrakt eine Ausstiegsklausel im Volumen von 2,5 bis 3 Millionen Euro. RB Leipzig hat eine Einigung mit Demichelis bislang nicht bestätigt.

Kaderumbruch und Personalien

Neben dem Trainerwechsel steht Leipzig vor einem personellen Umbruch im Kader. Zu den prominentesten Abgängen zählen Xavi Simons, Loïs Openda und Benjamin Sesko. Mit den österreichischen Nationalspielern Christoph Baumgartner und Nicolas Seiwald verfügt der Club weiterhin über zwei prominente Stützen. David Raum war unter Werner neuer Mannschaftskapitän. Bereits Anfang März hatte Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff die Mannschaft nach einem wenig überzeugenden Sieg gegen den FC Augsburg gemeinsam mit Club-Präsidentin Tatjana Haenni in der Kabine besucht und auf Englisch emotional auf die kommenden Aufgaben eingeschworen.

Spekulationen über eine mögliche Trennung von Werner hatten in den vergangenen Wochen zugenommen. Anfang Juni hatte Marcel Schäfer Pläne für eine vorzeitige Vertragsverlängerung Werners noch mit Verweis auf die ausstehende Saisonanalyse öffentlich auf Eis gelegt. Schließlich fiel die Entscheidung am Dienstagabend nach der abschließenden Analyse.

An der Spitze der Kritik an Werner standen laut Bild-Berichten vor allem Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff und die globale Fußballabteilung von Red Bull um Klopp sowie den früheren Nationalspieler Mario Gomez, die dem Trainer die Mehrfachbelastung aus Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal nicht zutrauten. Schäfer hatte Werner nach Informationen der Bild im Winter einmal vor einer Entlassung bewahrt. Der Club erklärte, die endgültige Entscheidung sei nach einer gründlichen Bewertung der abgelaufenen Saison getroffen worden, die dritte Tabellenplatz allein habe den eigenen Ansprüchen nicht genügt.

Werner selbst hatte zuvor den SV Werder Bremen und Holstein Kiel trainiert, ehe er im Sommer 2025 nach Leipzig gewechselt war. Sein Vertrag bei den Sachsen wäre noch bis 2027 gelaufen. Bild-Berichten zufolge ist nun auch Werder Bremen von der Trennung betroffen, da in Werners Leipziger Kontrakt erfolgsabhängige Bonuszahlungen an die Bremer vereinbart worden waren. Bereits 250.000 Euro aus dem ersten Vertragsjahr sollen fällig geworden sein.

RB Leipzig plant, in Kürze einen Nachfolger für Werner vorzustellen. Der Club kündigte an, zeitnah über die Besetzung der Cheftrainer-Position, die Zusammensetzung des Trainerteams sowie die weitere Rolle von Co-Trainer Jan Zimmermann zu informieren. Bis dahin führen die verbliebenen Mitglieder des Trainerstabs die Vorbereitung auf die kommende Saison übergangsweise weiter.