Prozess gegen marokkanischen Fußballstar Achraf Hakimi wegen Vergewaltigungsvorwurfs angeordnet
Paris, 19 Juni 2026
AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Das Berufungsgericht Versailles hat entschieden, dass der marokkanische Fußballnationalspieler Achraf Hakimi wegen einer Vergewaltigungsanzeige vor dem Strafgericht des Départements Hauts-de-Seine erscheinen muss. Der 27-Jährige weist die Vorwürfe zurück und kündigte über die Plattform X an, sich im Prozess endlich äußern zu wollen.
Paris, 19 Juni 2026
Das Berufungsgericht Versailles hat am Freitag angeordnet, dass der marokkanische Fußballnationalspieler Achraf Hakimi wegen einer Vergewaltigungsanzeige vor dem Strafgericht des Départements Hauts-de-Seine erscheinen muss.
Hintergrund der Anzeige
Gegen den 27-jährigen Verteidiger von Paris Saint-Germain liegt eine Anzeige wegen Vergewaltigung vor. Wie aus Justizkreisen verlautete, bestätigte das Berufungsgericht in Versailles am Freitag eine entsprechende Prozessanordnung. Damit muss sich Hakimi vor dem Strafgericht des Départements Hauts-de-Seine verantworten. Ein konkreter Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest.
Hakimi vor Gericht: PSG-Star muss wegen | nachrichten360
Hintergrund ist eine Anzeige aus dem Februar 2023. Eine damals 24-jährige Frau hatte nach eigenen Angaben die Polizei eingeschaltet, nachdem sie von Hakimi vergewaltigt worden sein will. Die Frau und der Profi-Fußballer hatten sich den Ermittlungen zufolge über die Social-Media-Plattform Instagram kennengelernt. Zunächst hatte die Betroffene keine formelle Beschwerde eingereicht.
Justizielle Bewertung und Reaktion der Klägerin
Die zuständige Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf der Grundlage der Ermittlungen die Anklageerhebung beantragt. Auch die Ermittlungsrichterin und die Generalstaatsanwaltschaft hatten sich für eine Überweisung an das Strafgericht ausgesprochen. Die Anwältin der Klägerin, Rachel-Flore Pardo, erklärte, die Entscheidung zur Überweisung der Sache sei vollständig konsistent mit den Aktenumständen und entspreche den Positionen der Staatsanwaltschaft, der Ermittlungsrichterin sowie der Generalstaatsanwaltschaft.
Hakimi selbst hat die Vorwürfe in der Vergangenheit stets zurückgewiesen. Er sieht sich nach eigener Darstellung als Opfer einer Verleumdungskampagne. Bei einer Anhörung im Mai hatte er zudem beantragt, das Verfahren einzustellen. Die Verteidigung wirft der Beschwerdeführerin vor, die Ermittlungen behindert und sich geweigert zu haben, sich ärztlichen Untersuchungen zu unterziehen.
Stellungnahme des Beschuldigten
Nach Bekanntwerden der Entscheidung veröffentlichte Hakimi eine längere Stellungnahme auf der Plattform X. Darin hieß es: "Heute wird eine Geschichte erzählt, die nicht meine ist, auf Kosten meiner Familie, meines Lebens und vor allem der Wahrheit." Außerdem schrieb er: "Ich warte auf diesen Prozess seit dem ersten Tag. Und inzwischen erwarte ich ihn sehnsüchtig. Endlich werde ich sprechen können."
In einem weiteren Post formulierte der Spieler: "Ich habe mich jahrelang entschieden zu schweigen. Ich dachte, dass es richtig wäre, würdevoll zu bleiben, geduldig zu sein und der Justiz zu vertrauen, damit die richtigen Entscheidungen getroffen werden." Auch äußerte er die Empfindung, mitunter zum Ziel zu werden: "Manchmal habe ich das Gefühl, zu einem leichten Ziel geworden zu sein." An anderer Stelle hieß es: "Die Justiz hat mir in die Augen gesehen und zu mir gesagt: 'Wenn Sie nicht bekannt wären, hätte es nie einen Fall gegeben.'"
Sportliche und persönliche Lage
Hakimi steht sportlich seit Jahren im Rampenlicht. Er gewann in der abgelaufenen Saison mit Paris Saint-Germain zum zweiten Mal in Folge die Champions League. Außerdem ist er Kapitän der marokkanischen Nationalmannschaft, die derzeit an der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada teilnimmt. Marokko hatte vor vier Jahren in Katar das Halbfinale erreicht und damit für Aufsehen gesorgt.
Die Nachricht von der Prozessanordnung schlug in den Kreis der Mannschaft kurz vor dem Spiel Marokkos gegen Schottland hohe Wellen. Dennoch stand Hakimi am späten Freitagabend auf dem Platz. Die Partie endete 1:0 für Marokko, wobei Torschütze Ismael Saibari nach dem Spiel keine Fragen zu der Causa beantwortete. Auch Torhüter Bono äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.
Reaktionen aus dem Team
Mehrere Mitspieler blockten Fragen zu der Angelegenheit nach dem Schlusspfiff ab. Im Stadion war indes zu hören, dass Hakimi bereits bei der Mannschaftsaufstellung vor dem Anpfiff von zahlreichen Fans ausgepfiffen wurde. Auch während des Spiels war bei jeder Ballberührung des Kapitäns ein Pfeifkonzert zu vernehmen. Marokkos Trainer Mohamed Ouahbi ging nach der Partie dennoch vor seinen Spieler.
Der 49-jährige Coach sagte: "Hakimi war sehr stark. Wir sind sehr entspannt, er ist auch entspannt und spielt gut." Ouahbi ergänzte mit Blick auf die persönliche Belastung: "Wir haben nicht darüber geredet, müssen wir auch nicht. Wir stehen hinter ihm." Außerdem äußerte er die Hoffnung, dass Hakimi bei dieser Weltmeisterschaft zeige, dass er der beste Rechtsverteidiger der Welt sei. Ouahbi lenkte die Aufmerksamkeit ansonsten konsequent auf die sportliche Seite.
Rechtliche Einordnung
Rechtlich gilt für Hakimi die Unschuldsvermutung. Solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, wird er juristisch als nicht schuldig angesehen. Die nun angeordnete Überweisung an das Strafgericht bedeutet lediglich, dass die Ermittlungen nach Einschätzung der Justiz ausreichen, um eine Hauptverhandlung durchzuführen. Die Verteidigung kündigte bereits an, sich weiter mit allen juristischen Mitteln gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen zu wollen.
In sportlicher Hinsicht hatte Marokko sein Auftaktspiel in der Gruppe C gegen Brasilien, den Rekordweltmeister, 1:1 unentschieden gestaltet. Mit dem Sieg gegen Schottland wahrte die Mannschaft ihre Chancen auf das Weiterkommen. Im Turnierverlauf stehen für das Team von Trainer Ouahbi weitere Gruppenspiele an.
Achraf Hakimi war in seiner Karriere bereits für die spanische Jugendakademie von Real Madrid sowie für Borussia Dortmund aktiv, bevor er nach Frankreich zu Paris Saint-Germain wechselte. Mit den Franzosen etablierte er sich als einer der besten Rechtsverteidiger der Welt und feierte große Titel. Die laufenden Vorwürfe begleiten ihn nun abseits des Platzes.
Die Staatsanwaltschaft des Départements Hauts-de-Seine sowie die Generalstaatsanwaltschaft hatten in den vergangenen Monaten mehrere Aktenbestandteile gesichert und Zeugenaussagen aufgenommen. Nach deren Bewertung sahen sie offenbar hinreichende Anhaltspunkte für die Eröffnung eines Hauptverfahrens. Das Berufungsgericht schloss sich dieser Einschätzung am Freitag an.
Hakimi hatte in früheren Stellungnahmen immer wieder betont, er fühle sich unschuldig und wolle die Anschuldigungen öffentlich entkräften. Mit der nun angeordneten Hauptverhandlung erhält er nach eigenem Bekunden die Möglichkeit, sich vor einem Gericht umfassend zu äußern. Bis zum Prozessbeginn bleibt der Spieler voraussichtlich sowohl für den Verein als auch die Nationalmannschaft einsatzfähig, sofern keine weiteren rechtlichen Schritte erfolgen.
Medienberichten zufolge hatte Hakimi in der Vergangenheit versucht, eine Hauptverhandlung abzuwenden. Sein Antrag auf Einstellung des Verfahrens im Mai war jedoch ebenso erfolglos wie die Argumentation vor dem Berufungsgericht. Mit der Entscheidung von Versailles ist der Weg für eine öffentliche Verhandlung nun grundsätzlich frei.
Fragen & Antworten
Worum geht es in dem Verfahren gegen Achraf Hakimi?
Dem 27-jährigen Fußballspieler wird vorgeworfen, im Februar 2023 eine damals 24-jährige Frau vergewaltigt zu haben. Das Berufungsgericht Versailles ordnete nun seine Überstellung an das Strafgericht des Départements Hauts-de-Seine an.
Wie reagiert Hakimi auf die Vorwürfe?
Hakimi weist die Vorwürfe seit Beginn zurück und sieht sich selbst als Opfer einer Verleumdung. Auf der Plattform X kündigte er an, sich im bevorstehenden Prozess endlich öffentlich äußern zu wollen.
Wie verlief das Spiel Marokkos gegen Schottland?
Marokko gewann die Partie mit 1:0, Torschütze war Ismael Saibari. Hakimi stand trotz der Bekanntgabe der Prozessanordnung in der Startelf und wurde von Teilen der Fans ausgepfiffen.