Bei der richtungsweisenden republikanischen Stichwahl in Texas hat Ken Paxton mit 64 Prozent der Stimmen klar gegen Senator John Cornyn gewonnen und damit die Spaltung der Partei in ein traditionelles und ein MAGA-Lager verschärft.
Ein schmutziger Wahlkampf um die Parteizukunft
Am Abend des Wahltags verwandelte sich Paxtons Kundgebung in Katy, Texas, in eine vorweggenommene Siegesfeier. Anhänger tanzten zu MAGA-Hymnen wie «YMCA», während Ricardo Vidaurre und seine Frau strahlten. «Er ist nicht euer typischer Politiker», sagte Vidaurre auf Spanisch über Paxton. «Er hat Mumm.» Nur einen Tag zuvor hatte Donald Trump den Attorney General von Texas offiziell als Kandidaten für den US-Senat unterstützt.
Für John Cornyn, 74, ein langjähriges Schwergewicht des Parteiestablishments, ist die Niederlage ein schwerer Schlag. «Heute Abend hat es für uns nicht gereicht», erklärte der Senator mit brüchiger Stimme und roten Augen. Cornyn argumentierte im Wahlkampf, er habe zu über 99 Prozent mit Trump gestimmt und repräsentiere die gesamte Partei – «nicht nur einen Flügel». Doch Trumps Unterstützung für Paxton, begründet mit angeblicher Illoyalität in «harten Zeiten» nach dem Sturm aufs Kapitol, erwies sich als entscheidend.
Der Wahlkampf war einer der teuersten und schmutzigsten in der Geschichte Texas’. Republikaner gaben über 100 Millionen Dollar in einem Stellvertreterkampf um die ideologische Zukunft aus. Paxton-Anhänger warfen Cornyn vor, die Partei verraten zu haben, weil er nach dem Schulmassaker von Uvalde 2022 mit Demokraten überparteiliche Waffengesetze verhandelte. «Eine Stimme für Cornyn ist wie eine Stimme für einen Demokraten», meinte Vidaurre.
Paxton, 63, setzte dagegen auf seine Bilanz als landesweiter Kläger gegen die Politik der Biden-Regierung. «Das ist mehr Zeug in einer Woche als John Cornyn in 42 Jahren», rief er der Menge in Katy zu. Cornyns politische Karriere reicht bis in die texanische Landesregierung zurück. Paxton nannte diese Bilanz «ziemlich erbärmlich».
Paxtons juristische und persönliche Hypotheken
Der Sieg ist jedoch nicht ohne Risiken. Paxton brachte juristische und persönliche Hypotheken mit in die Vorwahl. Seit über zehn Jahren kämpft er gegen Strafanklagen, Whistleblower-Vorwürfe und ein Amtsenthebungsverfahren des texanischen Repräsentantenhauses. Seine Frau Angela reichte im letzten Sommer die Scheidung auf «biblische Gründe» ein, ausgelöst durch eine außereheliche Affäre, die im Zuge des Impeachments öffentlich wurde. Ein sechsminütiges Video, das in dem Verfahren auftauchte, gilt als belastend.
Paxtons Anhänger wischen solche Vorwürfe als «Gossip» beiseite und sehen in seinem Überleben politischer Stürme den Beweis für seinen Kampfgeist. «Seine Fähigkeit, das durchzustehen, zeigt doch, dass er ein Kämpfer ist», sagte Vidaurre. Cornyn hingegen warnte, die republikanische Partei «zerreißt sich ideologisch selbst». Schon lange kämpften die Flügel miteinander; jetzt drohe das Zelt zu schrumpfen, wenn MAGA den Ton angebe.
Der Politikwissenschaftler Brandon Rottinghaus nannte die Vorwahl «die dramatischste und schlammbespritzteste seit Langem». Sie werde «die Zukunft der Texas-Republikaner definieren». Ein Cornyn-Sieg hätte den traditionellen, wirtschaftsfreundlichen Flügel gestärkt; Paxtons Sieg signalisiert, dass die populistische MAGA-Strömung künftig landesweit die Oberhand gewinnen könnte.
Blaue Chancen in roter Festung?
Auf der anderen Seite weckte Paxtons Aufstieg Hoffnungen bei den Demokraten. Zum ersten Mal seit 1988 könnte ein Demokrat wieder eine landesweite Wahl in Texas gewinnen. Cornyn selbst argumentierte, seine Stärke liege nicht nur in der Vorwahl, sondern vor allem in der Hauptwahl: «Wenn Paxton der Kandidat ist, hätten sie die erste Chance seit 30 oder 40 Jahren, einen landesweiten Posten zu erobern.»
Die Republikaner stehen ohnehin vor Gegenwind: Wirtschaftssorgen, steigende Benzinpreise und die Folgen des Iran-Kriegs schüren Unmut. «Die Wähler in Texas sind einfach sauer», fasste ein Stratege zusammen. «Die Dinge kosten doppelt so viel, und sie sind wirklich sauer wegen der Benzinpreise.»
Gleichzeitig warnt Cornyns Anhängerin Vicki Fullerton davor, dass Trumps Eingreifen den Sitz gefährden könnte: «Wir werden noch viel mehr Geld ausgeben müssen, um den Sitz zu schützen, und sie haben einen weniger chancenreichen Kandidaten als John Cornyn.»
Der demokratische Herausforderer James Talarico, 37, gilt als politisches Naturtalent, auch wenn er in der Vergangenheit Positionen vertrat, die in Texas mehrheitsfähig sein dürften. Die Demokraten setzen darauf, dass die republikanische Zerrissenheit ihnen die Tür öffnet – und dass sie diesmal keine blaue Fata Morgana erleben.
An der Stichwahl beteiligten sich schätzungsweise 1,5 Millionen Wähler – ein Bruchteil der über 17,5 Millionen Wahlberechtigten. Um im November zu bestehen, muss Trump nun auch jene Millionen Texaner überzeugen, die Paxton skeptisch gegenüberstehen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Texas rot bleibt oder lila wird.
