Papst Leo XIV. wirbt im spanischen Parlament für Diplomatie und warnt vor Aufrüstung
Madrid, 08 Juni 2026
Ricardo Stuckert / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Papst Leo XIV. hat bei einer als historisch geltenden Rede im spanischen Parlament vor einer Renaissance der Aufrüstung gewarnt und mehr Diplomatie sowie die Achtung des Völkerrechts gefordert. Vor dem Hintergrund globaler Krisen und des Iran-Krieges rief er zugleich zu einer humanen Migrationspolitik und einem verantwortlichen Umgang mit Künstlicher Intelligenz auf.
Madrid, 08 Juni 2026
Papst Leo XIV. hat am Montag bei einer mit minutenlangem Beifall bedachten Rede im spanischen Parlament in Madrid vor einer weltweiten Aufrüstung gewarnt und eine stärkere Orientierung an Diplomatie, Völkerrecht und einer Politik für das Wohl der Menschen gefordert.
Historische Rede vor den Abgeordneten
Es war die erste Rede eines Papstes im spanischen Parlament überhaupt – und sie wurde von Beobachtern umgehend als historisch eingestuft. Kommentatoren des Senders RTVE und weiterer Medien bezeichneten den Auftritt als historisch und verwiesen auf die erste Rede eines Papstes im spanischen Parlament. Nach der Rede erhielt der Papst minutenlangen Applaus, begleitet von "Bravo"- und "Viva"-Rufen. Die Standing Ovations hätten laut Medien sieben Minuten gedauert.
Der 70 Jahre alte US-Amerikaner, der nach seiner Wahl im Mai 2025 das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit ist, nutzte die Tribüne in Madrid für eine grundsätzliche Diagnose der Weltlage. Die Welt befinde sich in einer "tiefen geistigen und kulturellen Krise", die sich in Gewalt, Polarisierung und gegenseitigem Misstrauen äußere, sagte Leo. Es sei "besorgniserregend, dass sich an verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt", sagte der Papst am dritten Tag seines Spanien-Besuchs.
Diplomatie statt Waffen
Klar wandte sich der Papst gegen die Vorstellung, Sicherheit lasse sich mit Waffen herstellen. Wahre Sicherheit entstehe durch Gerechtigkeit, Dialog, die Achtung des Völkerrechts und eine Politik, die das Wohl der Menschen über Kriegsinteressen stelle, sagte der 70 Jahre alte US-Amerikaner. Das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken forderte deshalb mehr Orientierung an Diplomatie und Völkerrecht. Mit dieser Position stellt sich Leo ausdrücklich gegen den Kurs der US-Regierung von Präsident Donald Trump, der seit Monaten eine aggressive Aufrüstungspolitik verfolgt.
Neben der Rüstungsfrage sprach der Papst die "tragische Migrationskrise" an. Leo sprach auch die "tragische Migrationskrise" an. Er rief zu Politiken auf, die die Ursachen von Flucht bekämpfen und sichere sowie legale Zugangswege schaffen. Damit positionierte er sich nahe an der Linie der spanischen Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez, der eine liberale Migrationspolitik verfolgt, die im Gegensatz zur Migrations- und Flüchtlingspolitik Trumps steht und mit dem Eintreten des Papstes für Flüchtlinge übereinstimmt.
Migration und Künstliche Intelligenz
Mit Verweis auf seine jüngst veröffentlichte Enzyklika "Magnifica humanitas" betonte Leo, technologische Entwicklung sei niemals neutral. Sie nehme "die Züge derjenigen an, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen". Im Kontext des militärischen Einsatzes Künstlicher Intelligenz formulierte er eine deutliche rote Linie: Entscheidungen über Leben und Tod dürften niemals automatisierten Systemen überlassen werden.
Schon am Montagmorgen war der Papst in der Apostolischen Nuntiatur in Madrid mit Sánchez zusammengetroffen. Pope Leo XIV. met Spanish Prime Minister Pedro Sánchez on Monday morning at the Apostolic Nunciature in Madrid. Es war das zweite Treffen der beiden innerhalb kurzer Zeit: Leo XIV. and Sánchez had already met at the end of May at the Vatican. Beide eint die Kritik am Iran-Krieg – Both the Pope and Sánchez are critics of the Iran war and have been repeatedly attacked by US President Donald Trump for this position. Das Treffen fand statt vor dem Hintergrund einer schweren politischen Krise in Spanien, ausgelöst durch eine Reihe von Korruptionsskandalen. Sánchez pursues a liberal course on migration policy, contrasting with Trump's migration and refugee policy and aligning with the Pope's advocacy for refugees.
Treffen mit Sánchez und Empfang durch das Königshaus
Sánchez ist bekennender Atheist und Mitglied der Sozialistischen Partei. Pedro Sánchez is a self-declared atheist and a member of the Socialist party. Trotz der Differenzen zwischen der katholischen Kirche und der linken spanischen Regierung in Fragen wie Abtreibung, Rechte Homosexueller und Feminismus suchte er demonstrativ die Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt. There are significant differences between the Catholic Church and Spain's left-wing government on issues including abortion, homosexual rights and feminism. Die internationale Aufmerksamkeit für den Papstbesuch nutzt auch der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo: The president of the Canary Islands, Fernando Clavijo, said the international media attention from the papal visit is an opportunity to increase pressure on Spain and the EU to strengthen migrant rescue, reception and distribution.
Am Wochenende zuvor waren Leo und Sánchez bereits indirekt aufeinandergetroffen: Am Samstag und Sonntag war der Papst von König Felipe VI. und Königin Letizia in Madrid empfangen worden. The Pope was received in Madrid over the weekend by King Felipe VI. and Queen Letizia. Bei einer "Jugendvigil" in Madrid versammelten sich nach Angaben des Vatikans rund 500 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, eine Messe mit Fronleichnamsprozession zählte 1,2 Millionen Gläubige. The Pope held a 'youth vigil' in Madrid with approximately 500,000 participants and a Mass with a Corpus Christi procession attended by 1.2 million faithful.
Programm: Barcelona und Kanarische Inseln
Bevor Leo XIV. im Mai 2025 zum Papst gewählt wurde, verbrachte er mehr als 25 Jahre als Missionar und Bischof in Peru und spricht nach eigener Darstellung fließend Spanisch. Before his election as Pope, Leo XIV. spent more than 25 years in Peru as a missionary and bishop and speaks excellent Spanish. Es handelt sich um seine erste Reise in ein größeres europäisches Land außerhalb Italiens. This is the Pope's first visit to a major European country outside Italy.
Für den Mittwoch ist in Barcelona eine Gedenkmesse anlässlich des 100. Todestages des Architekten Antoni Gaudí (1852–1926) an der Sagrada Família geplant, bei der Leo den höchsten Kirchturm der Welt segnen wird. On Wednesday the Pope will celebrate a memorial Mass at the Sagrada Família in Barcelona on the occasion of the 100th anniversary of the death of architect Antoni Gaudí (1852–1926) and will bless the world's tallest church tower. Danach stehen nur 24 Stunden auf den Kanarischen Inseln auf dem Programm: Besuche auf Gran Canaria am 11. Juni und wenige Stunden auf Teneriffa am folgenden Tag. The Pope will spend only 24 hours on the Canary Islands, visiting Gran Canaria on June 11 and Tenerife for only a few hours the following day.
Prekäre Lage auf den Kanaren
Die Lage auf den Kanaren ist prekär: Mit 5.000 Minderjährigen wurden die Aufnahmekapazitäten nahezu dreifach übertroffen. Erst nach langen politischen Verhandlungen hatten sich die Regionalregierungen auf dem spanischen Festland bereit erklärt, mehrere hundert minderjährige Migranten von den Kanarischen Inseln aufzunehmen, wozu sie gesetzlich verpflichtet sind. After lengthy political negotiations, regional governments on the Spanish mainland agreed to take in several hundred minor migrants from the Canary Islands, as they are legally obligated to do.
Die Position Leos zur Migration steht in deutlichem Kontrast zur Politik Trumps. The Pope sharply criticized Trump for the persecution and deportation of possibly illegally immigrated people, drawing the US President's anger. Die scharfe Kritik an Verfolgung und Abschiebung möglicherweise illegal eingereister Personen hatte den US-Präsidenten verärgert. Der Papst äußerte sich damit erneut zu einem der umstrittensten Felder der US-Innenpolitik.
Insgesamt verband Leo XIV. in seiner Parlamentsrede die großen Themen seiner Amtszeit: Frieden durch Diplomatie statt Aufrüstung, eine humanitäre Migrationspolitik und einen verantwortlichen Umgang mit neuen Technologien. Drei Tage nach seiner Ankunft in Madrid hat der Pontifex damit die politische Debatte in Spanien und darüber hinaus nachhaltig geprägt – und sich als globaler moralischer Akteur positioniert, der unbequeme Positionen gegenüber den Mächtigen dieser Welt vertritt.
Fragen & Antworten
Was hat Papst Leo XIV. im spanischen Parlament gefordert?
Leo XIV. warnte vor einer Renaissance der Aufrüstung und forderte mehr Diplomatie, die Achtung des Völkerrechts sowie eine Politik, die das Wohl der Menschen über Kriegsinteressen stellt. Es war die erste Rede eines Papstes im spanischen Parlament.
Wie hat Ministerpräsident Pedro Sánchez auf den Papstbesuch reagiert?
Sánchez traf den Papst am Montagmorgen in der Apostolischen Nuntiatur in Madrid – es war ihr zweites Treffen binnen kurzer Zeit. Beide eint die Kritik am Iran-Krieg, wofür sie wiederholt von US-Präsident Donald Trump angegriffen wurden.
Welche Stationen stehen nach Madrid noch auf der Papstreise?
Am Mittwoch feiert Leo eine Gedenkmesse zum 100. Todestag von Antoni Gaudí an der Sagrada Família in Barcelona und segnet den höchsten Kirchturm der Welt. Anschließend besucht er für nur 24 Stunden die Kanarischen Inseln mit Stationen auf Gran Canaria und Teneriffa.
Papst Leo XIV. Spanien: Warnung vor Aufrüstung im Parlament | nachrichten360