Österreich trifft im WM-Achtelfinale auf Europameister Spanien
Los Angeles, 02. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Österreich trifft am Donnerstag (21 Uhr MEZ) in Los Angeles im WM-Achtelfinale auf Europameister Spanien und geht als klarer Außenseiter in die Partie. Trotz einer durchwachsenen Gruppenphase mit dem dramatischen 3:3 gegen Algerien sieht das Team um Ralf Rangnick seine Chance in der Losgelöstheit nach dem Last-Minute-Klassenerhalt.
Österreich bestreitet am Donnerstag (21 Uhr MEZ) in Los Angeles sein erstes K.-o.-Spiel bei einer Fußball-Weltmeisterschaft seit 1954 und trifft im Achtelfinale auf Europameister Spanien.
Es hätte für Österreichs erstes K.-o.-Spiel bei einer Fußball-Weltmeisterschaft seit 1954 gemütlichere Gegner als Spanien gegeben – nämlich praktisch alle. Der Turnierbaum lässt nicht mit sich reden, das ÖFB-Team muss und darf am Donnerstag (21 Uhr, live ServusTV) gegen den Europameister und Weltranglisten-Zweiten antreten. Buchmacher und Prognosemodelle stufen die Chance auf ein Weiterkommen des Außenseiters zwischen 15 und 20 Prozent ein.
Dass es überhaupt so weit kam, ist einem der dramatischsten Gruppenfinals der Turniergeschichte zu verdanken. Nachdem Riyad Mahrez den Nichtangriffspakt zwischen Österreich und Algerien mit dem 3:2 für die Nordafrikaner in der dritten Minute der Nachspielzeit durchbrach, war das Vorrunden-Aus der Elf um den deutschen Teamchef Ralf Rangnick eigentlich schon besiegelt. Der 3:3-Ausgleich durch den frisch eingewechselten Sasa Kalajdzic in Minute 96 rang dann wohl nicht nur ORF-Kommentator Daniel Warmuth ein lautes „Bist du deppat" ab. „Wir waren… wir waren halt raus für ein paar Minuten und - wir sind noch dabei", sagte Vorlagengeber Michael Gregoritsch kurz danach im ZDF mit tränenerstickter Stimme.
Drama von Kansas City als Wendepunkt
Das Erlebnis hat Spuren hinterlassen – und das Team zusammengeschweißt. „Dieses Spiel hat uns brutal zusammengeschweißt", berichtete Phillipp Mwene. „Es hat uns gezeigt, dass alles möglich ist, egal wie aussichtslos die Situation erscheint", erklärte der Außenverteidiger von Mainz 05: „Und es hat uns die Gewissheit gegeben: Auch wenn Spanien ein scheinbar übermächtiger Gegner ist, haben wir trotzdem die Chance, weiterzukommen."
Teamchef Rangnick, der die Ausgangslage nüchtern bewertet, sieht durchaus Parallelen zur EM 2024, als Österreich vor Frankreich, den Niederlanden und Polen als Gruppensieger in die K.o.-Phase einzog. „In dem Spiel können wir tatsächlich nur gewinnen", sagte der 68-Jährige zur Ausgangsposition im Sechzehntelfinale. „Die Chance werden wir suchen. In einem Spiel ist alles möglich, das hat man auch zuletzt schon beim Turnier gesehen."
Rangnicks nüchterne Analyse
Der Deutsche sprach vom „nächsten Endspiel" für sein Team, das seit dem Algerien-Drama einen spürbaren mentalen Aufwind verspürt. „Ich verspüre mehr Vorfreude als Nervosität oder Aufregung", sagte Rangnick. „Wir haben noch nicht unser Maximum erreicht." Auch ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel, der die Reise als kürzere Anreise einstufte als die spanische Delegation, schätzte die Iberer als „nicht so zweikampfstark" wie Argentinien ein – ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Doch bei aller Freude über die zweite Chance gibt es Gründe, warum Österreichs Vorrundenabschluss so dramatisch verlief. Sechs Gegentore in den drei Gruppenpartien gegen Jordanien (3:1), Titelverteidiger Argentinien (0:2) und Algerien sind mehr als die Rangnick-Elf in acht Qualifikationsspielen zuließ (vier). ORF-Experte Roman Mählich vermisst „die Gier, Bälle zu erobern", die Rangnicks Spiel ausmache. Einzig das „in der Qualifikation" muss man streckenweise infrage stellen, denn das einst so effektive Rangnick-Pressing war auch auf dem Weg zum Quali-Gruppensieg oft nur ein Lüfterl.
Schwächen im Pressing
Nach eigenen Treffern schalteten die als Geheimfavorit gehandelten Alpenkicker zu oft einen Gang zurück – und kassierten fast immer prompt die Quittung. „Vielleicht haben wir die Umstellung ein wenig unterschätzt", sagte Rangnick. Zu oft marschiert die vorderste Linie der gegen den Ball gespielten 4-2-4-Formation los, ohne dass die zwei folgenden Reihen nachrücken. Das Gegenpressing, einst Markenzeichen des Teams, bleibt bislang aus.
Dass Spanien nicht in Topform anreist, gilt als eine der wenigen realistischen Chancen für die Österreicher. „Es gab in diesem Spiel nicht so viele klare Torchancen, die sich Spanien herausgespielt hat", erklärte Rangnick. Die Bedenken haben verschiedene Gründe: Diverse Spieler im spanischen WM-Aufgebot kehrten erst kürzlich von Verletzungen zurück und sind entsprechend noch nicht bei 100 Prozent. Es ist nicht so, dass sich Spanien in der Gruppenphase gegen Kap Verde (0:0), Saudi-Arabien (4:0) und Uruguay (1:0) Torchancen im Minutentakt erspielt hat.
Spaniens 34 Spiele ohne Niederlage
Spaniens Torsperre ist dennoch beeindruckend. Die Spanier haben, wenn man von einem Elfmeterschießen im Nations-League-Finale im Vorjahr gegen Portugal absieht, 34 Pflichtspiele in Folge nicht verloren. Zudem hat Unai Simon seit 429 WM-Minuten kein Gegentor erhalten. Das bisher letzte kassierte der Europameister-Torhüter 2022 im Gruppenspiel gegen Japan (1:2). Eine mögliche Blaupause lieferten die Kapverden, die der Furia Roja zum WM-Auftakt mit 0:0 sensationell einen Punkt abknöpften.
Ob der Ausfälle liegen die Hoffnungen der „Furia Roja" umso mehr auf Lamine Yamal. Der 18-Jährige dribbelt mit seinem linken Fuß gerne mit Tempo von rechts in Richtung Tor. „Er ist einer der kommenden Topstars, eigentlich ist er jetzt schon einer", sagte Rangnick über den Teenager vom FC Barcelona. „Du wirst ihn nicht ganz aus dem Spiel nehmen können. Ganz alleine gegen ihn wird es brutal schwer, da hat er einfach Lösungen."
Yamal als Schlüsselfigur
Beim sensationellen 0:0 der Kapverden gegen Spanien ging das einigermaßen gut, bis in Minute 70 der damals noch rekonvaleszente Lamine Yamal eingewechselt wurde. Mwene, der das Match gegen Spanien wegen einer Muskelverletzung verpasst, sagte: „Oberste Priorität wird sein, ihn nicht auf seinen starken linken Fuß zu lassen, sondern zu versuchen, ihn außen zu halten." Irgendwie hat man aber das Gefühl, dass nicht Mwene, sondern Konrad Laimer am besten dafür geeignet ist, den Teenager zur Verzweiflung zu bringen.
Die ORF-Experten Roman Mählich und Andi Herzog sowie Andreas Ivanschitz, der früher in Spanien bei Levante spielte, sehen die Chancen für Österreich vor allem in der Defensive. „Es heißt 30, 40 Meter vor dem Tor, im Mittelfeld eng und kompakt sein und da den Ballführenden zu attackieren", betonte Herzog. „Wenn wir zu hoch anpressen, werden die Spanier die Räume nützen und uns gnadenlos ausspielen." Ivanschitz empfiehlt „Entlastungsangriffe" und sieht Stürmer Sasa Kalajdzic, vielumjubelter Ausgleichstorschütze beim 3:3 gegen Algerien, als mögliche Zehn.
Taktische Empfehlungen der Experten
Herzog fordert: „Wir müssen versuchen, den Spaniern die Freude zu nehmen. Die Arbeit gegen den Ball muss wieder besser werden im Vergleich zu den bisherigen Spielen." Peter Stöger fügte an: „Die Spanier sind aktuell nicht in der Form. Die Spanier spielen noch nicht das, was sie können." Herzog warnt aber auch: „Es wäre schlecht, wenn wir nur defensiv denken, uns zurückziehen und uns nichts trauen."
Die frühere Teamspielerin Jasmin Eder, der mit Österreich bei der EM 2017 gegen Spanien eine Überraschung gelang und die bei der Turnierpremiere sensationell ins Halbfinale einzog, sagte: „Der Druck liegt ganz klar bei Spanien, wir können nach dem Aufstieg wieder frech spielen." Eder erinnerte an das damalige Konzept: „Wir hatten damals einen ganz klaren Plan, Angriffspressing und tief verteidigen. Dann haben wir es ihnen schwer gemacht, die Null gehalten, und im Elfmeterschießen hatten wir keinen Druck."
Der Außenseiter trat der Übermacht damals mit einem 4-5-1 entgegen und verdichtete das Mittelfeld massiv. Am Ende zwangen die Burschen den späteren Europameister Italien in die Verlängerung (1:2). Mählich sieht es ähnlich: „Die WM ist erfolgreich, und jetzt haben wir die Möglichkeit, sie außergewöhnlich zu machen." Er fügte aber mahnend an: „Österreich hat das 'grausliche' Spiel verloren, es muss wieder gallig, kompakt sein, mehr vom Rangnick-Spiel kommen."
Österreichs Mentalität vor dem Anpfiff
Wer sich in Wiener Cafés nach der Stimmung vor dem Sechzehntelfinale der Fußball-WM gegen Spanien am Donnerstag umhört, bekommt schnell mal eine Antwort wie: „Najo, wenigstens san ma drei Tog länger dabei ois die Deitschn." Ganz ohne Schmäh geht es eben nicht. Florian Grillitsch sprach von einigen „sehr schwierigen" Minuten, die dazwischen vergangen waren. „Uns ist bewusst geworden, dass es schnell vorbei sein kann", ordnete der Mittelfeldmann am Dienstag mit etwas Abstand ein: „Ich glaube, dass das mental sehr gut für uns war."
ORF-Fußballexperte Herzog bringt die Ausgangslage auf den Punkt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, wir werden zu zwei, drei Möglichkeiten kommen, und wenn wir die nutzen, können wir eine Sensation schaffen - sonst nicht." „Wir sind bei einer WM, dürfen gegen Spanien spielen", brachte es Marcel Sabitzer auf den Punkt. „Jeder wird rennen, bis er umfällt. Dafür brennt jeder", sagte Grillitsch. Der Sieger trifft im Viertelfinale auf den Aufsteiger des Duells zwischen Portugal und Kroatien.
Ausgangslage in Los Angeles
Trotz 21 Uhr Ortszeit zu Spielbeginn war die drückende Hitze gegen Algerien in Kansas City ein Nachteil für die Österreicher gegenüber einem Gegner, der den Spielort schon kannte. Diesmal spielt das Klima weniger eine Rolle: Trotz des Anpfiffs um 12 Uhr Ortszeit wird nicht in der prallen Sonne gekickt. Die Mannschaft reist aus dem Team-Basecamp in Santa Barbara an – die kürzere Anreise im Vergleich zum spanischen Team, das einen Viereinhalb-Stunden-Flug aus Chattanooga in Tennessee absolvieren muss.
Fragen & Antworten
Wann spielt Österreich gegen Spanien und wo wird übertragen?
Das WM-Achtelfinale zwischen Österreich und Spanien findet am Donnerstag um 21 Uhr MESZ in Los Angeles statt. ServusTV überträgt die Partie live, der KURIER bietet einen Liveticker auf kurier.at an.
Wie wahrscheinlich ist ein Weiterkommen Österreichs laut Buchmachern?
Buchmacher und Prognosemodelle stufen die Chance auf ein Weiterkommen des Außenseiters zwischen 15 und 20 Prozent ein. Spanien ist amtierender Europameister und Weltranglisten-Zweiter.
Warum traf Österreich ausgerechnet auf Spanien?
Der Turnierbaum ließ keine günstigere Loslosung zu: Österreich qualifizierte sich durch das 3:3-Unentschieden gegen Algerien in der Nachspielzeit als Gruppendritter, Spanien wurde Gruppenerster in Gruppe H. Im Achtelfinale kommt es daher zum Duell Außenseiter gegen Mitfavorit.
Österreich vs. Spanien: Achtelfinale der WM 2026 in L.A. | nachrichten360