Österreich trifft im Achtelfinale auf Europameister Spanien: Hoher Hürden, kühne Hoffnungen
Santa Barbara, 02 Juli 2026
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Kurzfassung
Österreich trifft am Donnerstag um 21:00 Uhr im Achtelfinale der Fußball-WM in Los Angeles auf den Europameister Spanien. Trotz klarer Außenseiterrolle sieht das Team um Teamchef Ralf Rangnick eine reale Chance auf den erst zweiten K.-o.-Sieg einer WM-Geschichte seit 1954.
Santa Barbara, 02 Juli 2026
Die österreichische Fußballnationalmannschaft trifft am Donnerstag (21:00 Uhr MESZ, 12:00 Uhr Ortszeit) im WM-Achtelfinale im SoFi-Stadion von Los Angeles auf den amtierenden Europameister Spanien.
Erstes WM-K.-o.-Spiel seit 1954
Für Österreich ist es das erste K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft seit 1954. Das Team von Teamchef Ralf Rangnick reist mit Polizeieskorte per Bus zwei Stunden vom Mannschaftsquartier in Santa Barbara nach Inglewood. Rangnick sprach im Vorfeld von einem Match, in dem man "tatsächlich nur gewinnen" könne, und bezeichnete die Partie als "nächstes Endspiel". Mit Blick auf die eigene Form betonte der 68-Jährige: "Wir haben noch nicht unser Maximum erreicht."
Spanien reist mit einer makellosen Gruppenbilanz und als zweitbestes Team der FIFA-Weltrangliste in die Runde der besten 16. Die Mannschaft von Luis de la Fuente flog am Dienstag sechs Stunden von Chattanooga, Tennessee, nach Los Angeles und wechselte damit in eine andere Zeitzone. In der Vorrunde spielten die Spanier 0:0 gegen Kap Verde, schlugen Saudi-Arabien und bezwangen Uruguay am letzten Spieltag mit 1:0. Kap Verde hatte die Spanier mit einem 4-5-1-System und kompaktem Mittelfeld überrascht und mit nur einem einzigen Foul das torlose Remis erzwungen.
Spaniens Verletzungssorgen
Bei den Spaniern fallen die Flügelstürmer Nico Williams und Yeremy Pino verletzt aus. Auch Schlüsselspieler Lamine Yamal, 18, vom FC Barcelona ist nach einer Muskelverletzung noch nicht bei voller Kapazität. Beim 0:0 gegen Kap Verde wurde Yamal in der 70. Minute eingewechselt. Sein letztes WM-Tor liegt zurück; im gesamten Turnierverlauf hat der spanische Torhüter Unai Simon 429 WM-Minuten ohne Gegentreffer gespielt.
ÖFB-Verteidiger Phillipp Mwene fällt ebenfalls aus, Konrad Laimer soll stattdessen auf der linken Verteidigerposition Lamine Yamal in Schach halten. Mwene sagte vor seiner Verletzung: "Oberste Priorität wird sein, ihn nicht auf seinen starken linken Fuß zu lassen, sondern zu versuchen, ihn außen zu halten." Auch Christoph Baumgartner ist verletzungsbedingt nicht dabei, Florian Grillitsch, 30, gilt als Option für das zentrale Mittelfeld, Xaver Schlager könnte dafür auf die Bank rücken.
Der Weg ins Achtelfinale
Die Österreicher erreichten das Achtelfinale durch ein dramatisches 3:3-Unentschieden gegen Algerien in Kansas City, in dem Sasa Kalajdzic in der 96. Minute nach Vorlage von Michael Gregoritsch zum Ausgleich traf. Zuvor hatte Riyad Mahrez in der dritten Minute der Nachspielzeit vermeintlich auf 3:2 für Algerien erhöht. ORF-Kommentator Daniel Warmuth kommentierte den späten Ausgleich mit einem ungläubigen "Bist du deppat". Marcel Sabitzer bezeichnete Teile der eigenen Leistung als "teilweise unseriös".
Teamchef Ralf Rangnick sagte zur Auswärtspartie gegen Uruguay, die Spanier hätten "in diesem Spiel nicht so viele klare Torchancen herausgespielt". Das spanische Spielverständnis sei Weltklasse, so Florian Grillitsch: "Die Spanier werden sicher spielerische Lösungen gegen unser Pressing finden. Die sind mit dem Ball Weltklasse." Zugleich betonte er: "Wir brauchen auch Phasen mit dem Ball. Ohne Erholungsphasen geht es nicht, sonst läufst du dich kaputt."
Taktische Überlegungen
ORF-Experte Andreas Herzog riet zu Pressing auf 30 bis 40 Metern vor dem eigenen Tor, Marcel Sabitzer solle als Zehner agieren. Zugleich warnte Herzog davor, zu hoch anzulaufen: "Wenn wir zu hoch anpressen, werden die Spanier die Räume nützen und uns gnadenlos ausspielen." Sein Kollege Roman Mählich formulierte noch schärfer und forderte eine Rückkehr zum "Rangnick-Spiel": "Österreich hat das 'grausliche' Spiel verloren, es muss wieder gallig, kompakt sein, mehr vom Rangnick-Spiel kommen."
Assistent Lars Kornetka sagte im KURIER-Interview: "Wir müssen versuchen, Spanien zu überrollen." Sportdirektor Peter Schöttel betonte, Spanien sei "nicht so zweikumpfstark" wie Argentinien. Auch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick sieht Parallelen zum Argentinien-Spiel: "Wir müssen schauen, dass wir tatsächlich eine Leistung bringen, die am obersten Level sein muss, um in diesem Spiel eine Chance zu haben."
Die Buchmacher sehen Österreich als klaren Außenseiter. Wettmodelle und Quoten geben den Österreichern eine Chance zwischen 15 und 20 Prozent auf das Weiterkommen. Spanien ist seit 34 Pflichtspielen ungeschlagen und seit 429 WM-Minuten ohne Gegentor. "Wir haben nicht viel zu verlieren", fasste Andreas Herzog die Ausgangslage zusammen.
Historische Parallelen
Andi Herzog, einstiger Rekordteamspieler und ehemaliger Akteur bei Levante in der spanischen La Liga, wird das Spiel im Los Angeles-Stadion, seiner früheren Wahlheimat, als ORF-Experte live verfolgen. Die Ex-Nationalspielerin Jasmin Eder erinnerte an die EM 2017, als Österreich in der Vorrunde Spanien im Elfmeterschießen bezwungen hatte und bis ins Halbfinale vorgedrungen war: "Der Druck liegt ganz klar bei Spanien, wir können nach dem Aufstieg wieder frech spielen."
Mit Blick auf die kommende Aufgabe sagte Grillitsch: "Ich habe nicht den Eindruck, dass wir schlechter drauf sind als in den Monaten zuvor. Jeder wird rennen bis zum Umfallen und wenn er nicht mehr kann, wird er ausgetauscht." Rangnick bezeichnete Yamal als "einen der kommenden Topstars, eigentlich ist er jetzt schon einer", während der aus Österreich stammende Michael Liendl warnte: "Du wirst ihn nicht ganz aus dem Spiel nehmen können. Wenn, dann geht das nur im Kollektiv. Ganz alleine gegen ihm wird es brutal schwer, da hat er einfach Lösungen."
Spanien war bei der WM 2022 im Achtelfinale im Elfmeterschießen gegen Marokko ausgeschieden. In der WM-Geschichte steht für Österreich nur ein einziges K.-o.-Spiel zu Buche: das Halbfinale von 1954, das mit einer legendären Niederlage endete. Herbert Prohaska war 1999 nach einem 0:9 gegen Spanien als Teamchef zurückgetreten. Bei der EM 2024 war Österreich als Gruppensieger vor Frankreich, den Niederlanden und Polen weitergekommen, schied dann gegen die Türkei aus.
Ausblick und Übertragung
Das Spiel wird am Donnerstag live auf ServusTV übertragen, kurier.at bietet einen Liveticker. Bei einem Sieg würden die Österreicher im Viertelfinale auf den Sieger der Partie Portugal gegen Kroatien treffen, die in der Nacht auf Freitag um 1:00 Uhr MESZ in Toronto stattfindet.
Im österreichischen Lager überwiegt trotz aller Außenseiterrolle eine klare Zuversicht. Rangnick sagte am Dienstag in Santa Barbara, das späte 3:3 habe "mental sehr gut" getan, und Grillitsch ergänzte: "Uns ist bewusst geworden, dass es schnell vorbei sein kann." Die Mannschaft sei bereit, sich mit dem Champion zu messen.
Fragen & Antworten
Wann und wo spielt Österreich gegen Spanien?
Das Achtelfinale findet am Donnerstag um 21:00 Uhr MESZ (12:00 Uhr Ortszeit) im SoFi-Stadion in Los Angeles statt und wird live auf ServusTV übertragen.
Wer fällt bei Österreich und Spanien verletzt aus?
Beim ÖFB fehlen Phillipp Mwene und Christoph Baumgartner; bei Spanien sind Nico Williams, Yeremy Pino und Lamine Yamal nicht voll einsatzfähig.
Wie stehen die Chancen für Österreich laut Buchmachern?
Wettmodelle und Buchmacher geben Österreich nur 15 bis 20 Prozent Chancen auf das Weiterkommen; Spanien ist seit 34 Pflichtspielen ungeschlagen.
Österreich vs. Spanien Achtelfinale WM 2026: Spielbericht | nachrichten360