Österreich startet gegen Jordanien in die WM: Rangnick warnt vor taktisch disziplinierter Auswahl
Santa Clara, 15 Juni 2026
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Kurzfassung
Österreich trifft am Mittwoch (ab 6 Uhr im oe24-LIVE-TICKER) in Santa Clara im Heimstadion der San Francisco 49ers auf WM-Neuling Jordanien und ist als Weltranglisten-25. klarer Favorit gegen den Weltranglisten-64. Teamchef Ralf Rangnick warnt jedoch vor dem taktisch disziplinierten Gegner und sieht die Partie gegen den Asien-Cup-Zweiten von 2024 als richtungsweisend für die weiteren Gruppe-J-Spiele gegen Argentinien und Algerien an.
Santa Clara, 15 Juni 2026
Die österreichische Fußball-Nationalmannschaft bestreitet am Mittwoch (Anpfiff 6 Uhr MESZ) in Santa Clara ihr erstes Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft und trifft im kalifornischen Heimstadion der San Francisco 49ers auf den WM-Neuling Jordanien.
Ausgangslage und Favoritenrolle
Die Ausgangslage vor dem Auftakt in Gruppe J ist aus Sicht des ÖFB klar: Österreich geht als Weltranglisten-25. in die Partie, der Gegner aus dem Nahen Osten belegt Platz 64 und ist seit fünf Länderspielen sieglos, die jüngsten beiden Tests wurden verloren. Ein Sieg über den WM-Neuling würde bereits vor den weiteren Partien gegen Argentinien und Algerien einen großen Schritt Richtung Sechzehntelfinale bedeuten. Für Jordanien ist die Begegnung im Stadion der San Francisco 49ers eine Premiere, der Asien-Cup-Zweite von 2024 absolviert sein erstes WM-Match überhaupt.
Trotz der statistischen Vorteile warnt Ralf Rangnick vor Unterschätzung. Jordanien verfüge "über einen klaren Auftritt und ein sehr kompaktes, mannschaftliches Verhalten. Sie wollen den Gegner anlocken und dann freie Räume nützen", analysierte der Deutsche, der erst am Samstag seine Vertragsverlängerung beim ÖFB bekanntgegeben hatte. Konkret verwies Rangnick auf die taktische Ausrichtung der Jordanier: "Das ist alles andere als Laufkundschaft, gegen die man im Vorbeigehen gewinnt." Die Dreier- beziehungsweise Fünferkette des Gegners sei nur schwer zu knacken.
Jordaniens Stärken und Schlüsselspieler
Der prominenteste Akteur im jordanischen Kader ist Musa Al-Tamari. Der 28-jährige Flügelspieler von Stade Rennes, auch "Jordaniens Messi" genannt, ist der einzige Europa-Legionär im Aufgebot und brachte es in der abgelaufenen Ligue-1-Saison auf sieben Tore und elf Assists. Jordaniens Jamal Sellami, der mit Marokko an der WM 1998 teilgenommen hatte, sieht sein Team trotz der Außenseiterrolle vor einer besonderen Aufgabe: "Die Spieler sind sich der Verantwortung und der Ehre bewusst, Jordanien erstmals bei einer WM zu repräsentieren."
Offene Fragen zur Startelf
Bei der Frage nach der Startelf hielt sich Rangnick bedeckt, deutete aber einige Tendenzen an. "Wir werden keine Dankbarkeitsentscheidungen für Verdienste in der Vergangenheit treffen", stellte der Teamchef klar. Beim WM-Auftakt gegen Jordanien führe wohl kein Weg am LASK-Meister Sasa Kalajdzic vorbei, hieß es in einer Vorauswahl-Prognose der OÖN. Auch Mittelfeldspieler Xaver Schlager und Michael Gregoritsch werden als Kandidaten für die Anfangsformation gehandelt. Rangnick selbst ist erst der zweite Trainer, der bei einem WM- und EM-Match auf der ÖFB-Bank sitzt - davor gelang dies nur Josef Hickersberger (WM 1990 und EM 2008).
Österreichs WM-Bilanz im Rückblick
Österreichs Bilanz bei Weltmeisterschaften ist überschaubar. 1958, 1990 und 1998 war nach der Gruppenphase Endstation, 1978 und 1982 kam das Aus in der längst abgeschafften Zwischenrunde. Seit dem 2:1 gegen die USA am 19. Juni 1990 in Florenz hat die Österreich keine WM-Partie mehr für sich entschieden, ist seit 1982 nicht mehr aus einer Gruppenphase aufgestiegen und stand zuletzt 1954 in der K.o.-Phase eines Weltturniers. Damals, im Juni 1954 in Zürich, wurde mit mehr als zwei Toren Unterschied gewonnen - es war der einzige WM-Sieg der österreichischen Geschichte, das 5:0 gegen die Tschechoslowakei am 19.
"Wir wissen um die Bedeutung dieses Spiels, dass es richtungsweisend ist, und genauso werden wir es auch angehen", versprach Rangnick. Der Deutsche betonte zugleich die sportliche Perspektive: "Wir können bei diesem Turnier einen starken Eindruck hinterlassen." Eine Einschätzung, die auch Sellami teilt - wenngleich aus jordanischer Sicht. Beide Trainer scheinen sich einig, dass es für die Favoritenrolle keine Garantie gibt.
Rangnick zeigte sich am Rande der Vorbereitung auch bei einem eher ungewöhnlichen Thema entspannt: der österreichischen Bundeshymne. "Im Moment kann ich sie aber noch nicht, selbst bei 'I am from Austria' bin ich noch nicht hundertprozentig textsicher", erzählte der Teamchef. "Wenn wir wirklich sehr, sehr weit kommen, könnte ich mir vorstellen, die Hymne ganz mitzusingen." Auf die Frage nach der Balance zwischen Hymne und Konzentration auf das Spiel antwortete Rangnick: "Wir werden natürlich versuchen, sowohl das eine als auch das andere in Betracht zu ziehen."
Weitere Gruppe J: Argentinien und Algerien
Für die weitere Gruppe J steht nach dem Auftakt gegen Jordanien die Partie gegen Argentinien an, ehe Algerien der abschließende Gruppengegner ist. Ein Sieg gegen den WM-Neuling würde die Ausgangsposition vor diesen beiden schwierigeren Aufgaben deutlich verbessern. Die Erwartungen im jordanischen Lager sind ebenfalls hoch, Sellami sprach von einer Ehre und Verantwortung, die sein Team bei der Premiere zu tragen habe.
Die Vorzeichen für den Mittwoch sind gemischt: Österreich verfügt über die höhere Weltranglisten-Platzierung und die größere Turniererfahrung, muss aber die seit 1990 andauernde Sieglosigkeit bei WM-Endrunden überwinden. Jordanien geht ohne Druck in die Partie, will sich für die kommenden Aufgaben freispielen und verfügt mit Al-Tamari über einen Spieler, der in einem europäischen Top-Fünf-Ligateam sein Geld verdient.
Anstoß in Santa Clara ist um 6 Uhr MESZ, die Partie wird im oe24-LIVE-TICKER begleitet. Die Stadionwahl ist für Jordanien symbolisch: Im Heimstadion des NFL-Teams San Francisco 49ers, das normalerweise American Football-Gastgeber ist, bestreitet die Auswahl aus dem Nahen Osten ihr erstes WM-Spiel der Geschichte - auf einer der größten Bühnen des Weltsports.
Rangnick rief sein Team abschließend zu Demut und Respekt vor dem Gegner auf. Jordanien sei "alles andere als ein leichter Gegner, nicht mit San Marino zu vergleichen." Eine Einschätzung, die sich mit den Statistiken deckt: Die jüngsten beiden Testspiele wurden verloren, gegen die USA setzte es ein 2:1, dennoch hatte die Österreich zuletzt mit Verletzungssorgen und Formtief zu kämpfen. Die Mannschaft wird in Santa Clara gefordert sein, die taktische Disziplin der Jordanier zu durchbrechen.
Bedeutung für die kommenden Aufgaben
Aus österreichischer Sicht geht es nicht nur um den Auftaktsieg, sondern auch um ein Signal an die Konkurrenz in Gruppe J. Argentinien und Algerien beobachten genau, wie sich die Österreich gegen einen Außenseiter schlägt, der seine Stärken im Konterspiel und in der Defensivkompaktheit hat. Ein deutlicher Erfolg würde Selbstvertrauen für die schwereren Aufgaben geben, ein Stolperer die Ausgangslage vor den weiteren Spielen erschweren.
Die Generalprobe für die WM verlief durchwachsen, der Kader wurde von Rangnick in den vergangenen Tagen intensiv auf die Gegebenheiten in den USA vorbereitet. Die Hitze in Kalifornien, die langen Reisen zwischen den Spielorten und der ungewohnte Zeitunterschied sind zusätzliche Faktoren, die eine Rolle spielen könnten. Rangnick betonte mehrfach, dass sein Team körperlich und taktisch bereit sei, warnte aber zugleich davor, die Bedingungen zu unterschätzen.
Für die Fans in Österreich beginnt mit dem Anpfiff am Mittwochfrüh eine besondere Phase: Die Nationalelf spielt erstmals seit 1998 wieder bei einer Weltmeisterschaft, die Vorfreude ist entsprechend groß. Gleichzeitig ist die Erwartungshaltung nach den zuletzt durchwachsenen Testspielergebnissen gedämpft. Ein erfolgreicher Auftakt könnte die Stimmung im Land spürbar heben und dem Team Rückenwind für die kommenden Aufgaben geben.
Fragen & Antworten
Wer ist Ralf Rangnick und welche Rolle spielt er bei der WM?
Ralf Rangnick ist der Teamchef der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft, der erst am Samstag vor dem WM-Auftakt seine Vertragsverlängerung beim ÖFB bekanntgegeben hatte. Er ist erst der zweite Trainer, der bei einem WM- und EM-Match auf der ÖFB-Bank sitzt - davor gelang dies nur Josef Hickersberger (WM 1990 und EM 2008).
Warum gilt Jordanien trotz Weltranglisten-Platz 64 als gefährlicher Gegner?
Jordanien wird vom Asien-Cup-Zweiten von 2024 als taktisch diszipliniert eingeschätzt, ihre Dreier- beziehungsweise Fünferkette ist nur schwer zu knacken. Zudem verfügt die Mannschaft mit Musa Al-Tamari, dem 28-jährigen Flügelspieler von Stade Rennes und "Jordaniens Messi", über einen Europa-Legionär mit sieben Ligue-1-Toren und elf Assists in der abgelaufenen Saison.
Wie sieht die weitere Gruppenphase für Österreich aus?
Nach dem Auftakt gegen Jordanien trifft Österreich in Gruppe J auf Argentinien und Algerien. Ein Sieg gegen den WM-Neuling würde bereits vor diesen beiden Partien einen großen Schritt Richtung Sechzehntelfinale bedeuten.
ÖFB gegen Jordanien: WM-Auftakt 2026 in Santa Clara | nachrichten360