Einer Berechnung zufolge wird die Oberstufe einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX Anfang August ungeplant auf dem Mond aufschlagen, wie unter anderem der US-Astronom Bill Gray und die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilten.

Hintergrund: Welches Objekt ist betroffen?

Es handele sich dabei um die Oberstufe der Rakete "Falcon 9", mit der im Januar 2025 zwei Lander zum Mond gestartet waren, hieß es in den Berichten. Am 15. Jänner 2025 waren mit der "Falcon 9"-Rakete die Mondlander "Blue Ghost" des US-Unternehmens Firefly Aerospace und "Resilience" des japanischen Start-Ups ispace gestartet.

Das von Tech-Milliardär Elon Musk gegründete Raumfahrtunternehmen SpaceX äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht dazu. Auch die US-Raumfahrtbehörde NASA äußerte sich zu dem erwarteten Ereignis. Berechnungen zufolge werde der Aufschlag wohl am 5. August erfolgen.

Ob der Aufschlag von der Erde aus sichtbar sein werde, sei noch unklar. NASA-Manager William Cooke sagte dazu: "Ich denke, er wird sehr, sehr schwer zu sehen sein, wenn nicht unmöglich". Geplante Einschläge zu Forschungszwecken hat es auf dem Mond in der Vergangenheit bereits mehrfach gegeben.

Beobachtung durch die NASA

Einige Tage vor und einige Tage nach dem erwarteten Aufschlag solle die NASA-Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" über die erwartete Einschlagstelle fliegen. Das könne mehr Informationen zu dem Ereignis liefern, erklärte die Behörde.

Mit dem aktuellen Fall vergleichbar ist ein Vorfall von vor rund vier Jahren, als erstmals eine ungeplante Kollision eines Raketenteils mit dem Mond bekannt geworden war. NASA-Wissenschaftler gingen damals aufgrund von Bildern der Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" davon aus, dass es sich um einen Teil einer alten chinesischen Rakete handelte, wahrscheinlich der Trägerrakete der "Chang'e 5-T1"-Mission, die 2014 von der Erde aus ins All geschossen worden war.

Frühere ungeplante Kollision auf dem Mond

China hatte diese Berichte jedoch zurückgewiesen. Damit bleibt die damalige Zuordnung des Objekts umstritten. Beim jetzigen Fall ist die Herkunft dagegen klar: Es handelt sich nach Angaben der Astronomen um die ausgebrannte Oberstufe einer US-Rakete, die nach dem Aussetzen ihrer Nutzlast im All verblieben war und seither unkontrolliert die Erdumlaufbahn verließ.

Seit dem Start am 15. Januar 2025 befinden sich die beiden Mondlander "Blue Ghost" und "Resilience" auf ihrem Weg beziehungsweise bereits im Einsatz. "Blue Ghost" wird vom US-Unternehmen Firefly Aerospace betrieben, "Resilience" stammt vom japanischen Start-up ispace. Beide Geräte waren gemeinsam mit derselben Falcon-9-Oberstufe ins All befördert worden.

Auswirkungen und Risiken

Der erwartete Einschlag gilt als vergleichsweise leicht: Da die Oberstufe mit etwa zwei Tonnen Masse und einer Aufprallgeschwindigkeit von rund 2,5 Kilometern pro Sekunde auf die Mondoberfläche trifft, wird nur ein kleiner Krater von wenigen Metern Durchmesser erwartet. Gefahr für die aktiven Mondlander besteht nach Einschätzung von Beobachtern nicht, da sich die Einschlagstelle voraussichtlich in einer wenig besuchten Region der erdabgewandten Mondseite befinden wird.

Der Fall wirft allerdings Fragen zur Weltraummüll-Problematik auf. Da immer mehr Raketenstarts anfallen und Oberstufen nach dem Abtrennen häufig im All verglühen oder vergessen werden, steigt das Risiko ungeplanter Kollisionen mit Himmelskörpern. Internationale Regeln zur sicheren Entsorgung ausgedienter Raketenstufen existieren bislang nur in Ansätzen.

Astronomen wie Bill Gray verfolgen solche Objekte seit Jahren mit selbst entwickelter Software und veröffentlichen ihre Berechnungen, um die wissenschaftliche Gemeinschaft zu informieren. Die NASA wiederum nutzt ihre Mondsonde, um solche Ereignisse genauer zu dokumentieren und Daten über die Beschaffenheit des Mondbodens zu gewinnen.

In den kommenden Wochen wollen sowohl private Beobachter als auch die NASA den genauen Zeitpunkt und Ort des Aufschlags weiter eingrenzen. Sollte der Einschlag tatsächlich am 5. August stattfinden, könnten erste Bilder der NASA-Sonde wenige Tage später erwartet werden.