Der Schweizer Pharmakonzern Novartis übernimmt das in Grossbritannien ansässige, nicht börsennotierte Biotechunternehmen Myricx Bio für eine Kaufsumme von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar.
Die Transaktion sieht eine sofortige Vorauszahlung in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar vor, wie aus den Angaben hervorgeht. Zusätzlich können bis zu 400 Millionen US-Dollar an erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen fliessen, sodass sich der Gesamtwert der Übernahme auf bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar beläuft.
Hintergrund: Antikörper-Wirkstoff-Konjugate
Mit dem Kauf will Novartis nach eigenen Angaben seine Onkologie-Sparte stärken und sich Zugang zu einer neuen Wirkstoffklasse verschaffen. Myricx Bio arbeitet an sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs), die als gezielter gegen Tumorzellen gerichteter Therapieansatz gelten.
Die Technologie von Myricx Bio zielt darauf ab, Resistenzen gegenüber bereits vorhandenen ADC-Therapien zu überwinden. Damit könnte das Unternehmen künftig Patienten zugutekommen, bei denen bestehende Behandlungen an Wirkung verlieren.
Myricx Bio entwickelt nach den vorliegenden Informationen zwei Hauptsubstanzen, die in verschiedenen soliden Tumoren eingesetzt werden könnten. Welche Indikationen konkret im Fokus stehen, wurde in der Mitteilung nicht im Detail beziffert.
Novartis beschreibt den Ansatz von Myricx Bio als Möglichkeit, differenzierte Mechanismen zur Krebsbekämpfung direkt in die Tumorzellen einzubringen. Damit ist die Akquisition Teil einer breiteren Strategie des Basler Konzerns, sein Krebsmedikamenten-Portfolio gezielt auszubauen.
Wer ist Myricx Bio?
Myricx Bio bleibt mit Sitz im Vereinigten Königreich ein nicht börsennotiertes Unternehmen. Der Deal wurde am Tag der Veröffentlichung bekanntgegeben.
Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet und steht unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen Genehmigungen. Bis zum Vollzug bleiben die beiden Unternehmen getrennt operativ tätig.
Strategische Bedeutung für Novartis
Mit der Übernahme setzt Novartis seine seit Jahren laufende Konsolidierungsstrategie im Onkologiebereich fort. Erst in den vergangenen Quartalen hatte der Konzern mehrere kleinere Biotechübernahmen abgeschlossen, um Forschungskapazitäten in der Krebsmedizin zu bündeln.
Gleichzeitig beobachten Marktteilnehmer den ADC-Bereich seit geraumer Zeit als eines der dynamischsten Felder der Krebsforschung. Entsprechende Therapien sollen Tumorzellen präziser angreifen und gesundes Gewebe stärker verschonen als herkömmliche Chemotherapien.
Für Novartis ist die Akquisition ein weiterer Baustein, um im Wettbewerb mit anderen Pharmaunternehmen um innovative Krebstherapien zu bestehen. Branchenbeobachter werten den vergleichsweise hohen Kaufpreis als Indiz dafür, wie begehrt derartige ADC-Technologien derzeit sind.
Die Transaktion bringt zudem Know-how in der Antikörper-Wirkstoff-Konjugation in den Novartis-Forschungskonzern und ergänzt bestehende eigene Programme auf diesem Gebiet.
Insgesamt dürfte der Vollzug des Deals laut Novartis-Angaben erst in einigen Monaten erfolgen – unter anderem wegen kartellrechtlicher und aufsichtsrechtlicher Prüfungen in mehreren Jurisdiktionen.
