Kiew, 30 Juli 2026

Beim Einschlag einer nordkoreanischen Rakete auf ukrainischem Gebiet sind nach Angaben der Behörden mindestens sechs Menschen getötet worden, während Kiew Nordkorea der fortgesetzten Waffenlieferungen an Russland beschuldigt.

Der Angriff ereignete sich in der zentralukrainischen Stadt Raduschne. Nach Angaben der ukrainischen Behörden schlugen Geschosse in Wohngebäude ein und riefen schwere Schäden an der Infrastruktur hervor. Rettungskräfte suchten in der Nacht zu Donnerstag weiter nach Überlebenden unter den Trümmern.

Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich am Donnerstag in Kiew zu dem Vorfall und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Er verwies darauf, dass die ukrainische Luftabwehr den Anflug mehrerer Raketen registriert habe, jedoch nicht alle habe abfangen können.

Hintergrund: Nordkoreanische Waffenlieferungen an Russland

Nach Erkenntnissen der Ukraine und westlicher Geheimdienste hat Nordkorea aber auch ballistische Raketen, Artilleriegeschütze und Raketenwerfer und Munition an Moskau geliefert. Diese Aussage wiederholte Selenskyj in seiner Ansprache an die Bevölkerung und an die internationale Gemeinschaft.

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft kündigte Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen an. Sie stützt sich dabei auf Trümmerteile, die eindeutig auf nordkoreanische Produktion hinwiesen. Internationale Forensiker sollen in die Auswertung einbezogen werden.

Aus Moskau gab es zunächst keine Stellungnahme zu den konkreten Vorwürfen Pjöngjangs. Russische Staatsmedien sprachen lediglich von einem "groß angelegten Angriff auf militärische Ziele". Eine unabhängige Bestätigung dieser Darstellung liegt bislang nicht vor.

Reaktionen aus Kiew und dem Westen

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR veröffentlichte am Donnerstag Fotos mutmaßlicher Trümmerteile mit Seriennummern, die auf Produktionslinien in Pjöngjang hindeuten sollen. Diese Belege sollen dem UN-Sicherheitsrat in den kommenden Tagen vorgelegt werden.

In der betroffenen Region Krywyj Rih wurden nach Behördenangaben zivile Schutzräume geöffnet. Die Behörden riefen Anwohnerinnen und Anwohner auf, beschädigte Gebäude nicht zu betreten und Hinweise auf mögliche Verschüttete an die Notrufleitungen zu melden.

Internationale Reaktionen folgten prompt: Die EU-Außenbeauftragte verurteilte den Raketeneinsatz als "weiteren Beleg für die Eskalation durch Nordkorea". Die US-Regierung kündigte zusätzliche Sanktionen gegen in Pjöngjang ansässige Rüstungsfirmen an.

Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung

Der Vorfall wirft ein neues Licht auf die militärische Kooperation zwischen Moskau und Pjöngjang. Nach Einschätzung westlicher Analysten hat Nordkorea seine Lieferungen seit Beginn des Jahres erheblich ausgeweitet und ist inzwischen einer der wichtigsten Munitionslieferanten Russlands geworden.

Diplomaten in New York bereiten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats vor. Die Ukraine fordert eine klare Verurteilung der Raketenlieferungen und harte Sanktionen gegen weitere nordkoreanische Stellen.

Für die Menschen in Raduschne hat der Angriff unmittelbare Folgen: Mehrere Familien haben ihr Zuhause verloren, eine Schule wurde beschädigt. Hilfsorganisationen bitten um Spenden für Notunterkünfte und medizinische Versorgung.

Diplomatische Folgen und Sanktionen

Die ukrainische Regierung kündigte an, die Luftabwehr in den kommenden Wochen mit zusätzlichen westlichen Systemen verstärken zu wollen. Verhandlungen mit Berlin, Paris und Washington über weitere Patriot-Lieferungen liefen bereits.

Der Raketeneinsatz aus nordkoreanischer Produktion markiert nach Einschätzung von Beobachtern eine gefährliche Ausweitung des Krieges. Die Lieferketten zwischen Pjöngjang und Moskau gelten als gut getarnt und schwer zu unterbrechen.

Am Abend gedachten Hunderte Menschen in Kiew der Opfer mit Kerzen und Blumen am Maidan. Bürgermeister Klitschko sprach von einem "weiteren sinnlosen Verbrechen gegen die ukrainische Zivilbevölkerung".

Die internationale Gemeinschaft steht unter Druck, auf die wachsende Verquickung russischer und nordkoreanischer Militärlogistik zu reagieren. Weitere Sanktionspakete und Exportkontrollen werden in Brüssel und Washington vorbereitet.