New Yorker Hochhaus an der 42nd Straße nach Notsicherung als stabil erklärt
New York, 08. Juli 2026
Martin Furtschegger / Wikimedia Commons / CC BY 3.0
Kurzfassung
Nachdem zwei tragende Stahlsäulen in einem 37-stöckigen Hochhaus an der 42nd Street in Manhattan eingeknickt waren, haben die New Yorker Behörden das Gebäude am späten Dienstagabend (Ortszeit) als stabil erklärt. Bürgermeister Zohran Mamdani und Baubeauftragter Ahmed Tigani bestätigten, dass keine weitere Bewegung gemessen wurde und Notbalken die Konstruktion sichern.
Ein 37-stöckiges Hochhaus an der 235 East 42nd Street in Midtown Manhattan ist nach einer Notsicherung am Dienstagabend (Ortszeit) von den Behörden als stabil eingestuft worden, nachdem am Morgen zwei tragende Stahlsäulen eingeknickt waren.
Alarm am Dienstagmorgen
Kurz vor acht Uhr am Dienstagmorgen erreichte die Feuerwehr von New York der Notruf: Vom Dach und aus den oberen Geschossen des Wolkenkratzers an der 235 East 42nd Street fielen Ziegelsteine auf die Straße. Wie Feuerwehrchefin Lillian Bonsignore berichtete, habe der Anruf die sofortige Reaktion ausgelöst. Bürgermeister Zohran Mamdani erklärte bei einer Pressekonferenz am Ort des Geschehens: «Das Gebäude bleibt instabil. Das ist eine äußerst ernste Situation.» Bereits zuvor hatte er festgestellt: «Zwei tragende Stützen sind eingeknickt; zudem wurden mehrere Risse und absackende Decken festgestellt.»
Bei dem betroffenen Gebäude handelt es sich nach Angaben der Architekten um einen Bürokomplex, der das frühere Hauptquartier des Pharmakonzerns Pfizer beherbergte. Das Hochhaus aus den 1960er-Jahren und ein älterer Bau aus den Jahren 1905/1909 an der 219 East 42nd Street werden derzeit zu einem Wohngebäude mit mehr als 1500 Apartments umgebaut; andere Quellen sprechen von über 1600 Wohneinheiten. Das Projekt soll nach den Worten der Projektleitung das «grösste Umnutzung dieser Art in der Geschichte der Stadt» sein. Die Bauarbeiten hatten 2024 begonnen, die Fertigstellung war für 2027 vorgesehen.
Vom Bürohaus zum Wohnkomplex
Nach den Worten von Bürgermeister Mamdani sei die Lage «extrem ernst». Auch eine Sprecherin oder ein Sprecher der Feuerwehr erklärte, die Lage sei «sehr ernst». Man gehe aber nicht von einem Einsturz des gesamten Gebäudes aus, sondern nur eines Teils, wie die Leiterin der Feuerwehr sagte. Wörtlich: «Dennoch bleibt genau das unsere Sorge.» Da es sich um eine Stahlskelettkonstruktion handelt, sei laut Behördenangaben lediglich mit einem Teileinsturz zu rechnen, nicht mit einem Komplettversagen.
Die Feuerwehr setzte Drohnen ein, um die geschädigten Bereiche aus der Luft zu untersuchen, statt Menschen in das Gebäude zu schicken. Laut Feuerwehr kamen zusätzlich Geräte zum Einsatz, die Verschiebungen im Zentimeterbereich erfassen können. Die Messungen hätten zunächst ergeben, dass sich das Gebäude bewege, erklärte die Stadtverwaltung; am frühen Abend sei diese Bewegung jedoch zum Stillstand gekommen. Auf dieser Grundlage bewertete die Stadtverwaltung die Situation am Abend als «gleichbleibend, stabil und sicher».
Evakuierungen und Sperrzone
Vorsorglich wurden nach Behördenangaben sieben umliegende Gebäude evakuiert. Dazu zählten auch Hotels und eine Schule mit rund 400 Kindern, wie Bürgermeister Mamdani und die Stadtverwaltung mitteilten. Bauarbeiter, die im Komplex tätig waren, wurden ebenfalls in Sicherheit gebracht. Die Polizei begleitete Anwohnerinnen und Anwohner, die dringend benötigte Gegenstände aus ihren Wohnungen holen mussten. Nur Rettungskräfte, die für die Sicherung des Gebäudes unentbehrlich waren, durften den Sperrbereich betreten.
Die Behörden richteten eine sogenannte «Frozen Zone» zwischen der 40. und 45. Straße sowie der First und Third Avenue ein und sperrten das Areal weiträumig ab. Alle New Yorkerinnen und New Yorker wurden aufgerufen, das Gebiet zwischen dem Chrysler Building und dem UN-Hauptquartier weiträumig zu meiden. Zahlreiche Polizistinnen und Polizisten sowie Feuerwehrleute waren im Einsatz. Da es sich um einen der am stärksten frequentierten Orte New Yorks handelt – mit Tausenden Anwohnerinnen und Anwohnern, Beschäftigten, Touristinnen und Touristen sowie Pendlerinnen und Pendlern, die den nahe gelegenen Grand Central Terminal nutzen –, war die Sperrung auch logistisch eine erhebliche Herausforderung.
Die Bilder aus dem Inneren des Gebäudes, die noch vor der Evakuierung von Arbeitern aufgenommen und unter anderem der New York Times zugespielt wurden, zeigen eine verbogene Stützsäule sowie verbogene Stahlstreben. Die schwersten strukturellen Schäden verorteten die Behörden zwischen dem 21. und 26. Stockwerk. Die Stadt ließ Notbalken und Notstützen anliefern, um die Konstruktion zu stabilisieren. Am Abend erhielt das Bauunternehmen nach der Stabilisierung grünes Licht für Notreparaturen im Inneren des Gebäudes, bei denen Stahlträger provisorisch gesichert und zusätzliche Stützen eingebaut wurden.
Entwarnung am Abend
Am Abend gab Baubeauftragter Ahmed Tigani, Leiter des New York City Department of Buildings, schließlich Entwarnung: «Ich kann sagen, dass das Gebäude jetzt stabil ist.» Tigani sagte weiter: «Wir beobachten das Gebäude seit vielen Stunden und haben keinerlei Bewegung festgestellt.» Zudem zeigte er sich zuversichtlich über den eingeleiteten Notfallplan: «Wir glauben an den Notfallplan, den wir jetzt haben.» Die Evakuierungsanordnungen für die umliegenden Gebäude konnten am Dienstagabend aufgehoben werden; die Bewohnerinnen und Bewohner mehrerer der zuvor evakuierten sieben Häuser durften noch in der Nacht zurückkehren.
Mögliche Ursachen und Ermittlungen
Die genaue Ursache der Schäden wird weiter untersucht und ist nach Angaben der Stadt offiziell noch nicht bestätigt. Nathan Berman, Gründer des Entwicklers MetroLoft, sagte der «New York Times», die zusätzliche Last durch die Aufstockung der oberen rund 15 Stockwerke sei wahrscheinlich der Grund für die Schäden. Ein Sprecher von MetroLoft erklärte gegenüber der Zeitung, man kenne die Probleme und stehe in Kontakt mit den Behörden. Berman bezeichnete das Vorhaben als «typisches Bau-Missgeschick» des in den 1960er-Jahren errichteten Gebäudes und sprach von einem «typischen Konstruktionsfehler». Sein Unternehmen teilte mit, es bestehe keine Einsturzgefahr für das Gebäude selbst, und nannte die Bauausführung «perfekt». Eine Sprecherin oder ein Sprecher der Stadtverwaltung wollte allerdings nicht explizit bestätigen, dass die Gefahr eines Teileinsturzes vollständig gebannt sei.
Ein Gewerkschaftsvertreter erklärte gegenüber der «New York Times», die Ursache für die eingeknickten Säulen und Träger sei, dass nicht genügend neuer Stahl verbaut worden sei, um das zusätzliche Gewicht zu tragen. Der Developer räumte laut der Zeitung ein, dass die eingeknickten Stahlträger wahrscheinlich nicht oder nicht ausreichend verstärkt worden seien. Die Architekturfirma Gensler, die für das Projekt verantwortlich zeichnet, beschreibt auf ihrer Website, dass zwei Bürogebäude aus den 1970er-Jahren umgebaut und um mehr als ein Dutzend Stockwerke aufgestockt werden, während ein benachbarter Turm neu gestaltet wird. Die Entwickler geben an, das Projekt sei die grösste Umnutzung von Büro- in Wohnraum in der Geschichte der Stadt.
Vorgeschichte mit Bußgeldern
Die Baugeschichte des Vorhabens ist von einer Reihe früherer Verstöße geprägt. Laut Akten der städtischen Baubehörde wurde das Projekt wiederholt wegen Sicherheitsmängeln gebüsst. Im Juli des Vorjahres verhängten die Behörden eine Geldstrafe von 5000 Dollar, nachdem ein Stück Fensterglas vom achten Stock auf ein Schutzgerüst gefallen war. Im August folgte eine Strafe von 10 000 Dollar, nachdem eine Metallplatte vom 33. Stock auf die Straße gestürzt war. Im Dezember kam eine weitere Busse von 10 000 Dollar hinzu, weil ein Unfallbericht nicht rechtzeitig eingereicht wurde – ein Arbeiter war beim Abbau eines Krans aus rund zwei Metern Höhe von einer Leiter gestürzt. Beide Male ordneten die Inspektoren vorübergehende Baustopps an.
Für den jüngsten Vorfall hat die Baubehörde bereits eine neue Beschwerde eingereicht: Beim Umbau sei mehr ausgehöhlt worden, als in den eingereichten und genehmigten Bauplänen vorgesehen war. Die Baubehörde untersucht zudem, wie es zu den Verformungen an den tragenden Stützen kommen konnte, und prüft die Einhaltung aller Auflagen. Mamdani hatte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz gesagt, es seien keine weiteren Bewegungen des Gebäudes mehr festgestellt worden; gleichwohl werde das Gebäude weiterhin überwacht, während die Notfallarbeiten liefen.
Die Feuerwehr und die Stadtverwaltung erklärten, die Lage in der Nachbarschaft werde aber für die nächsten Tage angespannt bleiben. Die Stabilisierungsarbeiten am Gebäude dauerten an. Die zentrale Lage mit Grand Central Terminal, Chrysler Building und dem UN-Hauptquartier in unmittelbarer Nähe macht den Vorfall nicht nur zu einer baulichen, sondern auch zu einer logistischen Herausforderung für die gesamte Innenstadt Manhattans. Mamdani zeigte sich am Mittwoch aber zuversichtlich: Die Sofortmaßnahmen zeigten Wirkung, die Behörden würden den Vorgang transparent weiter kommunizieren.
Verletzt wurde nach Behördenangaben niemand. Die Tatsache, dass Bewohnerinnen und Bewohner mehrerer evakuierter Gebäude noch in der Nacht zurückkehren konnten, werteten die Verantwortlichen als Zeichen dafür, dass die akute Gefahrensituation vorerst gebannt sei. Dennoch wollen die Behörden die Überwachung mit Drohnen und Sensoren fortsetzen, bis die Ursache der Verformungen endgültig geklärt und das Bauwerk dauerhaft gesichert ist.
Der Vorfall an der 42nd Street reiht sich in eine Phase ein, in der New York massive Büro-zu-Wohnraum-Umnutzungen vorantreibt, um den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Dass ausgerechnet eines der bislang ehrgeizigsten Projekte dieser Art in eine strukturelle Krise geriet, wirft Fragen zur Aufsicht und zur Belastbarkeit von Bestandsbauten auf, die für zusätzliche Stockwerke ertüchtigt werden sollen.
Fragen & Antworten
Welche mögliche Ursache nennt der Entwickler?
MetroLoft-Gründer Nathan Berman erklärte gegenüber der New York Times, die zusätzliche Last durch die Aufstockung der oberen rund 15 Stockwerke sei wahrscheinlich der Grund; die Ursache wird offiziell weiter untersucht.
Hochhaus Manhattan 42nd Street stabil – Mamdani/Tigani | nachrichten360