Neue Affenart im Kongo entdeckt – Forscher warnen vor sofortigem Aussterben
Berlin, 15 Juli 2026
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Kurzfassung
Forschende haben im zentralen Kongobecken eine bisher unbekannte Affenart identifiziert und sie Colobus congoensis getauft. Die Tiere leben nur auf rund 1700 Quadratkilometern und sollen nach Einschätzung der Wissenschaftler sofort als stark gefährdet eingestuft werden.
Berlin, 15 Juli 2026
Ein internationales Forschungsteam hat im zentralen Kongobecken der Demokratischen Republik Kongo eine neue Affenart wissenschaftlich beschrieben, die nach Einschätzung der beteiligten Wissenschaftler unmittelbar vom Aussterben bedroht ist.
Die neu beschriebene Art trägt den wissenschaftlichen Namen Colobus congoensis und wird von der lokalen Bevölkerung "Likweli" genannt. Nach Angaben der Forschenden handelt es sich um einen kleineren Verwandten der Schwarzen Stummelaffen (Colobus satanas), obwohl beide Populationen durch mehr als 1.200 Kilometer Wald voneinander getrennt sind. Genetische Analysen, Vergleiche des Körperbaus und akustische Aufnahmen der Rufe hätten die Eigenständigkeit der Art bestätigt, schreibt das Team im Fachmagazin "PLOS One".
Die Erstbegegnung mit der neuen Art liegt bereits viele Jahre zurück. Bereits im Jahr 2008 stießen Mitarbeitende der Lukuru Wildlife Research Station in einer abgelegenen Region des Regenwalds auf den ungewöhnlichen Primaten. Ein damals aufgenommenes Foto erwies sich allerdings als nicht aussagekräftig genug, um eine eigene Art wissenschaftlich zu belegen. Erst in den Folgejahren sammelten die Forschenden genügend Daten, um den Fund zu publizieren.
Erstfund im Jahr 2008
Zwischen 2018 und 2022 verzeichnete das wissenschaftliche Team insgesamt 114 Sichtungen in einem geschätzten Verbreitungsgebiet von lediglich 1.700 Quadratkilometern. Ein derart kleines Verbreitungsgebiet ist nach Darstellung der Forscher ungewöhnlich für Stummelaffen und ein deutliches Warnsignal.
Kate Detwiler, Professorin für Biowissenschaften an der Florida Atlantic University und eine der Autorinnen der Studie, ordnete den Fund als ambivalent ein. "Die Entdeckung von Colobus congoensis ist sowohl ein wissenschaftlicher Triumph als auch eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Lebewesen der Erde verschwinden könnten, bevor die Welt überhaupt von ihrer Existenz weiß", sagte sie.
Verbreitungsgebiet auffallend klein
Mitautor John Hart von der Lukuru Wildlife Research Station betonte den Wert solcher Funde für den Artenschutz. "Selbst in Regionen, die bereits wissenschaftlich erforscht wurden, werden immer noch völlig neue Arten entdeckt", ergänzte er. Außerdem unterstrich Hart, dass das zentrale Kongobecken weiterhin eine Schlüsselregion für das Verständnis der Primatenevolution und des Primatenschutzes sei.
Die Tiere zeichnen sich laut den Beschreibungen der Forschenden durch eine ungewöhnlich tiefe Stimme aus, mit der sie sich verständigen. Zudem sind sie kleiner als bekannte verwandte Arten der Schwarzen Stummelaffen. Ihr Lebensraum beschränkt sich auf ein winziges Areal im zentralen Kongobecken, was die Population besonders anfällig für Umweltveränderungen macht.
An der Studie war ein internationales Wissenschaftsteam beteiligt, darunter Forschende der Florida Atlantic University, der Lukuru Wildlife Research Foundation, der Yale University, der City University of New York sowie des Lomami-Nationalparks und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Die Zusammenarbeit mehrerer Institutionen unterstreicht die wissenschaftliche Bedeutung des Funds.
Forderung nach Rote-Liste-Status
Die Forschenden fordern, den "Likweli" umgehend auf die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als "stark gefährdet" zu setzen. Ein solcher Status wäre die Voraussetzung dafür, dass internationale Schutzprogramme und Finanzmittel gezielt für den Erhalt der Art eingesetzt werden können.
Besonders besorgniserregend sei die Kombination aus extrem begrenztem Verbreitungsgebiet und geringer Anzahl bestätigter Sichtungen. Sollte sich der Lebensraum durch Abholzung, Bergbau oder andere menschliche Eingriffe weiter verkleinern, drohe der Art ein rascher Bestandsrückgang.
Die Entdeckung verändert nach Einschätzung der Studienautoren auch das Bild der Primatenvielfalt im zentralen Afrika. Der Fund zeige, dass die Region noch immer erhebliche biologische Geheimnisse berge und dass weitere, bislang unbekannte Arten existieren könnten.
Internationales Forschungsteam
Für die internationale Artenschutzgemeinschaft ist der Fall ein Weckruf. Sie verweist darauf, dass selbst neu entdeckte Arten bereits zum Zeitpunkt ihrer Beschreibung vom Aussterben bedroht sein können – ein Szenario, das schnelles Handeln erfordere.
Die Autoren der Studie kündigten an, in den kommenden Jahren weitere Feldforschung im Verbreitungsgebiet des "Likweli" zu betreiben. Ziel sei es, die Populationsgröße genauer zu bestimmen und mögliche Schutzmaßnahmen mit lokalen Behörden und Naturschutzorganisationen abzustimmen.
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt wies darauf hin, dass der Lomami-Nationalpark bereits heute eine wichtige Rolle für den Erhalt der regionalen Biodiversität spiele. Der neue Fund untermauere die Bedeutung solcher Schutzgebiete.
Bedeutung für den Artenschutz
Insgesamt sehen die beteiligten Forschenden in der Entdeckung einen Beleg dafür, dass Grundlagenforschung in schwer zugänglichen Regionen Afrikas dringend weitergeführt werden müsse. Nur so ließen sich bedrohte Arten erkennen, bevor sie unwiederbringlich verschwänden.
Der Fund reiht sich in eine Reihe ähnlicher Entdeckungen der vergangenen Jahre ein, bei denen Primatenarten in Afrika erst spät wissenschaftlich beschrieben wurden. Experten werten dies als Hinweis darauf, dass der Kenntnisstand über die globale Artenvielfalt noch immer lückenhaft ist.
Die Studie wurde am 15. Juli 2026 in "PLOS One" veröffentlicht und steht damit symbolisch für einen Wendepunkt in der Erforschung der kongolesischen Regenwälder – zwischen wissenschaftlichem Optimismus und drängender Sorge um den Erhalt der entdeckten Art.
Fragen & Antworten
Welche Maßnahmen fordern die Forschenden?
Das Team verlangt, die neue Art umgehend als "stark gefährdet" auf die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) zu setzen, damit Schutzprogramme und internationale Mittel gezielt eingesetzt werden können.
Neue Affenart Kongo: Likweli vom Aussterben bedroht | nachrichten360