Nestlé lagert sein Wassergeschäft in Joint Venture mit Platinum Equity aus
Vevey, 22. Juli 2026
Nestlé / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Nestlé hat am Donnerstag die Halbjahreszahlen 2026 vorgelegt und gleichzeitig den Teilverkauf seines Mineralwassergeschäfts an ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Investor Platinum Equity angekündigt. Der Konzern erwartet für 2026 weiterhin ein organisches Wachstum von mindestens drei bis vier Prozent.
Nestlé hat am Donnerstag seine Halbjahreszahlen 2026 vorgelegt und zugleich den seit Langem erwarteten Teilverkauf seines Mineralwassergeschäfts an ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Investor Platinum Equity angekündigt.
Halbjahreszahlen im Überblick
Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé hat sein Wachstumstempo aus eigener Kraft im ersten Halbjahr 2026 wegen Preissteigerungen und höherer Absatzmengen gesteigert. Während der Umsatz aus eigener Kraft in den sechs Monaten bis Ende Juni im Jahresvergleich um 3,6 Prozent zulegte, ergab sich nominal ein Umsatzminus von 2,5 Prozent auf 43,1 Milliarden Franken (46,4 Mrd Euro). Der Konzern profitierte insgesamt vom Wachstum in aufstrebenden Märkten und einer größeren Nachfrage nach Kaffee und Heimtiernahrung.
Nestlé Wassergeschäft Verkauf: Joint Venture mit Platinum | nachrichten360
Das operative Ergebnis ging um fast 3 Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Franken zurück. Nestlé verdiente mit knapp 3,5 Milliarden Franken sogar um fast ein Drittel weniger als vor einem Jahr. Im ersten Halbjahr fiel die operative Marge im Jahresvergleich leicht auf 16,4 Prozent. Auf der Profitabilität lasteten anhaltend hohe Kosten für Kaffee und Kakao, hinzu kamen die US-Zölle sowie höhere Investitionen in Werbung.
Belastet wurde das Ergebnis durch Wertberichtigungen von rund 1,4 Milliarden Franken im Zusammenhang mit als zum Verkauf gehalten klassifizierten Vermögenswerten, darunter Teile des Eiscreme- und Vitamin- beziehungsweise Nahrungsergänzungsgeschäfts. Analysten erklärten, die angekündigten Abschreibungen in Höhe von 1,3 Milliarden Franken lägen im erwarteten Bereich. Höhere Restrukturierungskosten trugen zusätzlich zum Rückgang des Nettogewinns bei.
Für das Gesamtjahr erwartet die Unternehmensführung nun ein Wachstum aus eigener Kraft von sicher 3 bis 4 Prozent, bisher war von rund 3 bis 4 Prozent die Rede gewesen. Zudem beschleunigte sich das organische Wachstum im zweiten Quartal etwas im Vergleich zum Jahresauftakt; das reale interne Wachstum stieg im zweiten Quartal auf 1,8 Prozent. Der Preisanteil trug 2,1 Prozent zum Wachstum im ersten Halbjahr bei.
Ausblick bestätigt, Marge unter Druck
Für die operative Marge rechnet Nestle weiterhin mit einer Verbesserung gegenüber den 16,1 Prozent des Vorjahres. Zudem soll das Wachstum der Absatzmengen gegenüber 2025 zunehmen. Der Konzern bekräftigte zudem den Ausblick auf einen freien Cashflow von mehr als 9 Milliarden Franken für das Gesamtjahr 2026. Währungseffekte, höhere Rohstoffpreise und Sondereffekte belasteten jedoch das Ergebnis; allein Wechselkurseffekte schmälerten das Wachstum um 6,2 Prozent.
Die Nestlé-Aktie gab nach der Verkündung der Halbjahreszahlen, als auch gleich der Wasserdeal bekannt gegeben wurde, deutlich nach. Im frühen Handel brach der Kurs um 6,4 Prozent ein. Der Rücksetzer beförderte den Wert wieder an den oberen Rand der Seitwärtsspanne von rund 75 bis 80 Franken, in der sich der Kurs im Frühjahr bewegt hatte und aus der er erst gegen Ende Juni ausgebrochen war.
Börse reagiert mit Kursverlusten
Am Vorabend hatte die "Financial Times" bereits berichtet, ein Deal mit Platinum Equity stehe kurz bevor. Nun ist er offiziell: Nestlé lagert sein Mineralwasser- und Premiumgetränkegeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Investor Platinum Equity aus. Das neue Joint Venture trägt den Namen Peranel, beide Partner werden je die Hälfte halten. Der Deal bewertet das Geschäft mit Marken wie Perrier und San Pellegrino mit 4,9 Milliarden Euro beziehungsweise 4,5 Milliarden Franken.
Mit dem Teilverkauf nimmt Nestlé 2,8 Milliarden Franken ein. Geld, das man laut CEO Navratil gar nicht braucht. Ziel des Unterfangens sei vielmehr, sich stärker zu fokussieren. «Old Nestlé hätte diese Gelegenheit möglicherweise verpasst», sagte Navratil. Der Teilverkauf des Mineralwassergeschäfts – darunter Marken wie San Pellegrino, Perrier und Henniez – war zwar lange erwartet worden. Nestlé hatte bereits 2024 angekündigt, sich vom Wassergeschäft trennen zu wollen.
Struktur des neuen Gemeinschaftsunternehmens
Das Joint Venture wird rund 120 Marken umfassen, darunter San Pellegrino, Perrier, Vittel, Acqua Panna, Henniez und Nestlé Pure Life. Der Unternehmenssitz ist Paris. Die Transaktion stehe noch unter dem Vorbehalt von Mitarbeiter-Konsultationsprozessen sowie regulatorischen Genehmigungen und soll bis im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen sein. Die Sparte wurde im vergangenen Jahr organisatorisch ausgegliedert, Anfang 2026 bestätigte der Konzern den laufenden Verkaufsprozess.
Das Wassersegment steuerte im vergangenen Jahr rund 3,5 Milliarden Franken oder knapp 4 Prozent zum Konzernumsatz bei. Die bereinigte operative Marge der Einheit lag 2025 bei nur 9,1 Prozent und damit deutlich unter der Konzernmarge von 16,1 Prozent. Belastet wird das Geschäft unter anderem durch den Skandal um unzulässige Aufbereitungsmethoden bei Mineralwasser in Frankreich. Die vielen Kontroversen um das Wassergeschäft sogen dem Unternehmen Energien ab, die es anderswo braucht.
Die Auslagerung in ein Gemeinschaftsunternehmen ist Teil des Konzernumbaus unter dem neuen Nestlé-Chef Philipp Navratil. Der im letzten Herbst zum CEO ernannte Schweizer versucht nun das Ruder herumzureissen. Mit dem unglücklich agierenden Laurent Freixe als neuem Chef hatte Nestlé zuerst sein Glück in der Vergangenheit gesucht. Dass Nestlé vom Kurs abgekommen war, hatte sich das Unternehmen vor ziemlich genau zwei Jahren selbst eingestanden: Damals wurde der langjährige CEO Mark Schneider über Nacht abgesetzt.
Hintergrund des Konzernumbaus
Die Waadtländer Lebensmittel-Grossmacht passt sich den neuen Realitäten der Konsumwelt an. Sie betreibt 335 Fabriken in 75 Ländern, in 185 Staaten kann man ihre Produkte kaufen. Manche Marken wie Kitkat sind global bekannt, andere wie die Leisi-Fertigteige gibt es nur in der Schweiz. Damit der Schweizer Blue Chip wieder seine volle Kraft entfalten kann, muss es zwei Dinge gleichzeitig tun: Ballast abwerfen und Traktion bei den Konsumenten zurückgewinnen.
Die Analysten der ZKB verwiesen zudem auf den Ausblick für die Marge, der etwas vorsichtiger ausgefallen war. So soll die Marge im zweiten Halbjahr auf einem ähnlichen Niveau wie im ersten liegen und nicht mehr darüber. So wiesen die Experten der UBS auf einen Sondereffekt hin, der zur Verbesserung der operativen Marge beigetragen habe: Änderungen im Zusammenhang mit einem Pensionsplan steuerten nämlich 30 Basispunkte bei. Ohne diesen Effekt wäre die Marge also insgesamt um 40 Basispunkte gesunken.
Portfolio-Bereinigung bei Nestlé
Und tatsächlich tut sich etwas an Bord des grössten Schweizer Industrieunternehmens. Und das, obwohl die Resultate die Erwartungen weitgehend erfüllt haben. Als im Frühling ein Lastwagen voll mit Kitkats auf dem Weg von Italien nach Polen verloren ging, erregte dies weltweite Aufmerksamkeit. Ein kleines Team habe blitzschnell reagiert und aus dem bizarren Vorfall eine virale Kampagne gezimmert. Diese fand breite Beachtung und brachte der Marke Kitkat viel positive PR ein.
Der Deal mit Platinum Equity reiht sich ein in eine Phase der Portfolio-Bereinigung. Auch Teile des Eiscreme- und Vitamin- beziehungsweise Nahrungsergänzungsgeschäfts sind als zum Verkauf gehalten klassifiziert. Der Konkurrent von Danone und Unilever steht damit vor einem strukturellen Wendepunkt: weg vom universellen Lebensmittelriesen, hin zu einem fokussierten Unternehmen mit klareren Wachstumsprioritäten. Analysten sehen den Schritt als überfälligen Befreiungsschlag nach Jahren der Margen- und Volumenschwäche.
Für den Abschluss des Joint Ventures braucht es neben den Mitarbeiter-Konsultationen vor allem die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden in mehreren Jurisdiktionen. Bis Mitte 2027 soll der Vollzug über die Bühne sein. Bis dahin bleibt die San Pellegrino-Flasche mit dem roten Etikett ein Nestlé-Produkt – und doch schon ein Symbol für den Abschied vom alten, breit aufgestellten Konzernmodell.
Marktteilnehmer werden nun besonders auf die weitere operative Entwicklung im zweiten Halbjahr achten. Die angekündigte Marge von leicht über 16 Prozent, das angepeilte Volumenwachstum und der freie Cashflow von über 9 Milliarden Franken bilden die Messlatte, an der Navratils Umbau gemessen wird. Die Reaktion der Börse am Donnerstag fiel deutlich negativ aus – doch Nestlé hat betont, dass das Wassergeschäft strategisch nicht mehr ins Bild passe.
Mit dem Joint Venture endet auch eine Ära: Perrier, San Pellegrino und Vittel galten über Jahrzehnte als Synonyme für europäische Premium-Mineralwässer im Nestlé-Portfolio. Künftig wird das Schicksal dieser Marken in Paris entschieden, von einem Gemeinschaftsunternehmen, an dem der US-Finanzinvestor Platinum Equity beteiligt ist, der nach eigenen Angaben rund 48 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten verwaltet.
Fragen & Antworten
Wer ist Philipp Navratil und welche Rolle spielt er bei Nestlé?
Philipp Navratil ist der im letzten Herbst zum CEO ernannte Schweizer, der nun den Konzernumbau bei Nestlé leitet. Er ist verantwortlich für die Auslagerung des Wassergeschäfts in ein Joint Venture mit Platinum Equity.
Warum verkauft Nestlé einen Teil seines Wassergeschäfts?
Nestlé hatte bereits 2024 angekündigt, sich vom Wassergeschäft trennen zu wollen, weil es strategisch nicht mehr ins Bild passe und durch den Skandal um unzulässige Aufbereitungsmethoden belastet werde. Laut CEO Navratil geht es um eine stärkere Fokussierung; das Geld aus dem Verkauf brauche Nestlé nicht zwingend.
Welche Marken gehören zum Joint Venture Peranel?
Das Joint Venture Peranel umfasst rund 120 Marken, darunter San Pellegrino, Perrier, Vittel, Acqua Panna, Henniez und Nestlé Pure Life. Es wird zu gleichen Teilen von Nestlé und dem US-Investor Platinum Equity gehalten und hat seinen Sitz in Paris.