Nestlé forscht mit KI an Nährstoffkombinationen gegen Nebenwirkungen von Abnehmspritzen
Vevey, 17 August 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Nestlé setzt künstliche Intelligenz ein, um Nährstoffkombinationen zu finden, die Nebenwirkungen von Abnehmspritzen wie Muskelabbau und „Ozempic Face" lindern sollen. Das Lebensmittelunternehmen sieht darin ein potenzielles Milliardengeschäft und will klinische Studien auswerten.
Vevey, 17 August 2026
Der Lebensmittelkonzern Nestlé lässt nach eigenen Angaben mit Methoden der künstlichen Intelligenz klinische Studien auswerten, um Nährstoffkombinationen gegen Nebenwirkungen von Abnehmspritzen zu identifizieren.
Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé will mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Nährstoffmischungen finden, die unerwünschte Effekte von Medikamenten zur Gewichtsreduktion abmildern. Das geht aus Berichten über Aussagen von Nestlé-Technologiechef Stefan Palzer und der Ernährungswissenschaftlerin Amanda Avery von der Universität Nottingham hervor, die bei einer Veranstaltung des Unternehmens gemacht wurden.
Demnach setzen Nestlé-Wissenschaftler KI-gestützte Analysen ein, um große Datensätze aus klinischen Studien zu durchsuchen. Ziel ist es, Kombinationen aus Vitaminen, Proteinen und anderen Nährstoffen zu identifizieren, die typische Nebenwirkungen der populären Abnehmspritzen abfedern könnten. „Wir versuchen, die Nebenwirkungen dieser Medikamente zu adressieren", sagte Palzer laut Reuters.
Hintergrund: „Ozempic Face" und Muskelverlust
Hintergrund sind die bekannten Probleme der Wirkstoffe von Novo Nordisk und Eli Lilly, die ursprünglich für die Behandlung von Diabetes entwickelt wurden und inzwischen weltweit als Schlankheitsmittel verschrieben werden. Zu den häufig berichteten Nebenwirkungen zählen laut den vorliegenden Berichten Verlust an Muskelmasse sowie erschlaffte Gesichtshaut, umgangssprachlich als „Ozempic Face" bekannt.
Nestlé sieht in dem Bereich ein Milliardengeschäft und will die Erkenntnisse aus der KI-gestützten Datenanalyse offenbar in funktionale Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel umsetzen. Konkrete Produkte oder Zeitpläne für eine Markteinführung nannte das Unternehmen zunächst nicht.
Forschungsansatz mit klinischen Daten
Amanda Avery, die an der Universität Nottingham zu Ernährungswissenschaften forscht und mit Nestlé kooperiert, erläuterte, wie wichtig eine ausreichende Proteinzufuhr während einer medikamentös unterstützten Gewichtsabnahme sei. Sie verwies darauf, dass viele Patienten unter den Spritzen nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse verlieren – mit Folgen für Stoffwechsel und allgemeine Gesundheit.
Der Markt für Medikamente wie Ozempic, Wegovy, Mounjaro und Zepbound wächst seit Jahren stark. Analysten schätzen, dass allein die Präparate von Novo Nordisk und Eli Lilly Milliardenumsätze generieren. Nestlé positioniert sich mit der Forschungsinitiative als Anbieter von Begleitprodukten für Patientinnen und Patienten, die solche Mittel nutzen.
Strategischer Wandel bei Nestlé
Das Unternehmen betont, es gehe ausdrücklich nicht darum, die Wirkung der Abnehmspritzen zu verstärken, sondern deren Verträglichkeit zu verbessern. Man wolle Menschen, die aus medizinischen Gründen abnehmen müssten, mit einer gezielten Ernährungsstrategie unterstützen, hieß es.
Kritiker warnen allerdings, dass Lebensmittelkonzerne mit solchen Produkten ein Geschäftsmodell aufbauen könnten, das von einem ungebrochenen Trend zu pharmakologischen Gewichtsverlustmethoden abhängt. Verbraucherschützer raten Patientinnen und Patienten, jegliche Nahrungsergänzung mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin abzustimmen.
Unklar bleibt, in welcher Form Nestlé die Forschungsergebnisse vermarkten will. Denkbar wären angereicherte Shakes, Proteinriegel oder spezielle Mahlzeitenersatzprodukte, die auf die Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern von GLP-1-Präparaten zugeschnitten sind. Das Unternehmen äußerte sich dazu bisher nicht im Detail.
Was als Nächstes ansteht
Die Initiative unterstreicht zugleich den strategischen Wandel von Nestlé: Der Konzern, der jahrzehntelang vor allem mit Schokolade, Kaffee und Fertiggerichten Geld verdiente, investiert verstärkt in Gesundheits- und Wellnessprodukte – ein Feld, das höhere Margen verspricht und an der Börse derzeit positiv bewertet wird.
Beobachter sehen in der KI-gestützten Suche nach Nährstoffkombinationen einen Vorgeschmack darauf, wie Lebensmittelkonzerne künftig Big Data und klinische Forschung kombinieren könnten. Sollte Nestlé tatsächlich funktionierende Produkte auf den Markt bringen, könnte das auch Wettbewerber wie Danone oder Abbott unter Druck setzen, ähnliche Angebote zu entwickeln.
Bis dahin allerdings bleibt offen, ob die über Datenanalysen identifizierten Nährstoffkombinationen tatsächlich in klinischen Studien an Menschen überzeugen können. Nestlé kündigte an, entsprechende Studien voranzutreiben, ohne einen konkreten Zeitrahmen zu nennen.
Fragen & Antworten
Welche Nebenwirkungen der Abnehmspritzen will Nestlé mit Nährstoffen bekämpfen?
Laut den vorliegenden Berichten richtet sich die Forschung vor allem gegen den Verlust von Muskelmasse sowie gegen erschlaffte Gesichtshaut, die umgangssprachlich als „Ozempic Face" bekannt ist.
Wer leitet die KI-gestützte Forschung bei Nestlé?
Die Initiative wird vom Nestlé-Technologiechef Stefan Palzer und der Ernährungswissenschaftlerin Amanda Avery von der Universität Nottingham öffentlich vorgestellt.
Von welchen Herstellern stammen die Abnehmspritzen, um die es geht?
Die genannten Medikamente werden den Berichten zufolge von den Pharmaunternehmen Novo Nordisk und Eli Lilly produziert.
Nestlé: KI-Forschung gegen Nebenwirkungen von Abnehmspritzen | nachrichten360