Nach WM-Aus gegen Marokko: Bondscoach Koeman lässt Zukunft als Nationaltrainer offen
Monterrey, 30. Juni 2026
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Kurzfassung
Nach dem Aus im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Marokko hat Bondscoach Ronald Koeman seine Zukunft als niederländischer Nationaltrainer offen gelassen. Die Elftal verlor das Elfmeterschießen mit 2:3 und scheiterte damit zum dritten Mal bei einer WM vom Punkt.
Bondscoach Ronald Koeman hat nach dem Ausscheiden der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft im Achtelfinale der WM gegen Marokko seine Zukunft als Trainer der Elftal offengelassen und Kritik an seiner defensiven Aufstellung zurückgewiesen.
Spielverlauf und Elfmeterschießen
Die Elftal verpasste am Dienstag in Monterrey den Sprung unter die besten Acht und verlor das Elfmeterschießen gegen den Afrikameister mit 2:3. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:1, 0:0) gestanden. Für die Niederlande ist es die dritte WM-Niederlage im Elfmeterschießen nach 2014 und 2022. Marokko, das bei der WM 2022 in Katar als erste afrikanische Mannschaft überhaupt das Halbfinale erreicht hatte, steht damit erneut unter den letzten Acht.
Dabei sah es zwischenzeitlich nach einem Happy End für Oranje aus. Cody Gakpo, 27 Jahre alter Angreifer des FC Liverpool, brachte die Niederlande in der 72. Minute in Führung. Minuten zuvor hatte der Stürmer öffentlich gemacht, dass sein zweiter ungeborener Sohn während der Schwangerschaft seiner Partnerin gestorben war. Nach seinem Tor sank Gakpo zu Boden und weinte, während die gesamte Mannschaft eine Spielertraube um ihn bildete. Beim Aufstehen zog er das Trikot über das Gesicht und zeigte anschließend mit dem Finger gen Himmel.
Doch in der ersten Minute der Nachspielzeit (90.+1) glich Issa Diop für Marokko aus und erzwang die Verlängerung. In dieser hatte der niederländische Torhüter Bart Verbruggen über weite Strecken überragend gehalten, leistete sich jedoch eine folgenschwere Szene: Den zweiten Strafstoß von Soufiane Rahimi hatte er bereits gehalten, beförderte den Ball dann aber mit der Ferse selbst ins eigene Tor. Die Partie musste somit im Elfmeterschießen entschieden werden.
Kritik an Koemans Aufstellung
Dort versagten den Niederländern die Nerven. Justin Kluivert, Quinten Timber und Crysencio Summerville scheiterten allesamt, Ismael Saibari verwandelte am Ende sicher für Marokko. Damit stand der 2:3-Endstand aus Sicht der Elftal fest.
Koeman, der die Elftal seit Anfang 2023 zum zweiten Mal als Bondscoach betreut, stand bereits vor dem Anpfiff in der Kritik. Er hatte sich für eine Formation mit fünf Verteidigern entschieden. Die niederländische Zeitung „De Telegraaf" schrieb, Koeman habe mit dieser Entscheidung seinen Kopf bereits vor dem Anpfiff auf die „Schlachtbank" gelegt. Das Fachblatt „Voetbal International" sprach von „Beschämender Angsthasen-Fußball wird für Oranje fatal."
Reaktionen aus dem Team
Der 63-Jährige wies die Vorwürfe nach dem Spiel zurück. „Es geht nicht darum, Angst zu haben. Es geht darum, besser zu stehen. Wir haben mit drei Angreifern gespielt", sagte Koeman in Monterrey. Auch den Vorwurf, er habe dem Verband seinen Rücktritt angeboten, wies er zurück: „Das habe ich nicht getan." Er werde „in Ruhe über meine Zukunft nachdenken", sagte der Bondscoach. Sein Vertrag läuft noch bis zum 31. Juli 2026.
Die Stimmung im niederländischen Lager war nach dem Ausscheiden am Boden. Routinier Marten de Roon beschrieb die Atmosphäre in der Kabine mit „Begräbnisstimmung". Kapitän Virgil van Dijk sprach nach dem Spiel von den schrecklichsten Momenten seiner Karriere: „Das sind die schrecklichsten Momente als Fußballer", stammelte der Abwehrchef ins Mikrofon.
Mögliche Nachfolge durch Peter Bosz
Verteidiger Jan Paul van Hecke richtete derweil eine Entschuldigung an die Fans in der Heimat: „Wir hatten alle einen großen Traum. Ich kann einfach nur sorry sagen." Die niederländischen Anhänger mussten nicht nur das Aus verkraften, sondern in vielen Städten des Landes auch noch feiernde marokkanische Fans ertragen.
Als möglicher Nachfolger Koemans wird Peter Bosz gehandelt, Trainer von PSV Eindhoven. Bosz, frühere Bundesliga-Coach von Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen, ist vertraglich noch bis 2028 an den niederländischen Meister gebunden und gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des Bondscoachs.
Die Niederlande hatten sich unter Koeman zuletzt stabilisiert und bei der EM 2024 das Halbfinale erreicht. Auch bei der Heim-EM 2021 war Oranje unter Koeman schon einmal unter den besten Vier. Mit dem erneuten WM-Aus im Achtelfinale endet nun jedoch eine Phase, in der die Elftal international wieder zur Spitzengruppe gezählt hatte.
Gakpos persönliche Geschichte
Hätte die Elftal die Partie gegen Marokko gewonnen, wäre am Samstag in Houston im Viertelfinale gegen Kanada die nächste Aufgabe gewesen. Stattdessen beginnt nun die Debatte um die Zukunft der Mannschaft und ihres Trainers.
Das Aus gegen Marokko traf die Mannschaft in einer emotional aufgeladenen Phase. Gakpos persönlicher Schicksalsschlag unmittelbar vor dem Turnier hatte die Mannschaft zusätzlich belastet. Dass ausgerechnet er das wichtige Führungstor erzielte, machte den Abend zunächst zu einem emotionalen Höhepunkt, bevor der späte Ausgleich und das Elfmeterschießen die Hoffnung schließlich zunichtemachten.
Koeman selbst wirkte nach dem Spiel gefasst, aber nachdenklich. Die Frage, ob er trotz der schweren Enttäuschung weitermachen werde, ließ er bewusst offen. „Ich werde in Ruhe über meine Zukunft nachdenken", sagte er. Damit bleibt die Personalie an der Spitze der Elftal in den kommenden Tagen und Wochen das beherrschende Thema im niederländischen Fußball.
Mit Blick auf die kommenden Turniere – die WM 2030 steht bereits im Raum – wird sich der niederländische Verband zeitnah positionieren müssen. Sollte Koeman tatsächlich gehen, wäre Peter Bosz der erste Ansprechpartner. Sollte er bleiben, müsste Koeman die Mannschaft nach diesem Tiefpunkt neu aufbauen und gleichzeitig die Kritik an seinem defensiven Spielstil entkräften.
Das Spiel in Monterrey wird in den Niederlanden noch lange nachwirken – nicht nur wegen der sportlichen Enttäuschung, sondern auch wegen der menschlichen Geschichte um Cody Gakpo, der trotz seines persönlichen Verlusts Torschütze war und am Ende mit der Niederlage das Feld verließ.
Fragen & Antworten
Wer ist Ronald Koeman und seit wann ist er Bondscoach?
Ronald Koeman ist seit Anfang 2023 zum zweiten Mal Cheftrainer der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft. Der 63-Jährige betreute Oranje bereits zwischen 2018 und 2020 und kehrte nach einer Station beim FC Barcelona auf den Posten zurück.
Wie hat Marokko das Achtelfinale gegen die Niederlande entschieden?
Nach 1:1 nach Verlängerung entschied Marokko das Elfmeterschießen mit 3:2 für sich. Für die Niederlande scheiterten Justin Kluivert, Quinten Timber und Crysencio Summerville, während Ismael Saibari den entscheidenden Elfmeter für Marokko verwandelte.
Wer könnte Nachfolger von Koeman werden?
Als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge gilt Peter Bosz, Trainer des niederländischen Meisters PSV Eindhoven. Der frühere Bundesliga-Coach von Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen ist in Eindhoven noch bis 2028 vertraglich gebunden.
Koeman Zukunft offen nach WM-Aus: Elfmeter-Drama gegen | nachrichten360