Nach tödlichem Hauseinsturz in Görlitz: Schrotthändler berichtet von Polizeisuche nach gestohlenem Material
Leipzig, 09 Juni 2026
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Kurzfassung
Nach dem tödlichen Hauseinsturz in Görlitz rückt der Diebstahl von Buntmetallen wie Kupfer wieder in den Fokus. Der Leipziger Schrotthändler Steffen Heyer berichtet, dass die Polizei bei ihm immer wieder nach gestohlenem Material suche. Verbände der Bau- und Elektrobranche sehen in Mitteldeutschland derzeit allerdings kein akutes Problem.
Leipzig, 09 Juni 2026
Der Leipziger Schrotthändler Steffen Heyer berichtet, dass die Polizei bei ihm immer wieder nach gestohlenem Material sucht, während nach dem tödlichen Hauseinsturz in Görlitz der Diebstahl von Buntmetallen erneut in den Fokus rückt.
Hintergrund: Polizei sucht bei Schrotthändlern
Der Leipziger Schrotthändler Steffen Heyer hat in den vergangenen Jahren wiederholt erlebt, dass Fahnder der Polizei bei ihm vorstellig wurden, um gestohlene Metalle zu suchen. Wie er im Gespräch mit MDR AKTUELL schilderte, durchkämmten die Beamten regelmäßig seinen Betrieb, wenn Hinweise auf geklaute Ware vorlagen. Erst kürzlich sei Kupfer aufgetaucht, das später als Beweismittel an den rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurde. „Er erinnerte sich etwa an einige Kupferrohre, die als Beweismittel wieder zum Besitzer zurückgekommen sind", heißt es dazu.
Auch das Landeskriminalamt Sachsen hat das Thema nach Angaben Heyers über längere Zeit mit einer eigenen Sonderkommission bearbeitet. „In der Vergangenheit habe er auch mit einer Sonderkommission des LKA Sachsen für Metalldiebstähle zusammengearbeitet", erklärte er. Ziel der Soko sei es gewesen, Strukturen im Hintergrund zu erkennen, weil Einzeltäter in der Regel nicht in der Lage seien, größere Mengen Kupfer oder Kabel abzutransportieren. Ohne organisierte Strukturen auf der Abnehmerseite lohnten sich die Taten kaum.
Hintergrund der erneuten Debatte ist der tödliche Hauseinsturz in Görlitz, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Nach den bisherigen Ermittlungen sollen zwei Männer auf der Suche nach wertvollen Metallen Kabel abgesägt und dabei möglicherweise eine Gasleitung beschädigt haben. „Nach bisherigen Ermittlungen sollen zwei Männer auf der Suche nach wertvollen Metallen Kabel abgesägt und dabei möglicherweise eine Gasleitung beschädigt haben." Drei Wochen nach dem Unglück verdichten sich laut n-tv die Hinweise auf eine Straftat, und neue Videoaufnahmen sollen die Flucht eines der Tatverdächtigen zeigen.
Ermittlungen zum Hauseinsturz in Görlitz
Trotz des dramatischen Vorfalls in Görlitz sehen die Branchenverbände der Bau- und Elektroindustrie in Mitteldeutschland derzeit keine akute Krise. „Nach Angaben von Verbänden der Bau- und Elektrobranche ist Buntmetalldiebstahl in Mitteldeutschland unterdessen derzeit kein akutes Problem." Vereinzelte Fälle häuften sich aber immer wieder, etwa auf Baustellen entlang von Bahnstrecken oder in der Nähe von Umspannwerken.
Dass Diebstähle ein attraktives Geschäft sind, hat auch mit dem Preis zu tun. Branchenangaben zufolge zahlen Schrotthändler bis zu zehn Euro pro Kilogramm Kupfer. Selbst kleinere Mengen, die von Privatpersonen oder aus Haushaltsauflösungen angeliefert werden, können sich für die Täter lohnen. Die meisten Anlieferungen stammen nach Angaben zweier Leipziger Annahmestellen allerdings aus der Baubranche oder aus Haushaltsauflösungen – also aus legalen Quellen.
Preis von Kupfer und Rolle der Annahmestellen
Die Schrotthändler selbst sind grundsätzlich verpflichtet, die Personalien ihrer Kunden zu erfassen. Bei Verdachtsfällen würden die Daten an die Polizei weitergegeben, schildert Heyer. „Die Soko habe empfohlen, die Annahme durchzufurchen, 'auch wenn das erstmal augenscheinlich gestohlene Ware ist; die Personalien festzuhalten – was wir ja sowieso immer machen'." Damit solle verhindert werden, dass Hinweise auf Täter verloren gehen, wenn Händler Ware voreilig ablehnen.
Parallel zur polizeilichen Arbeit haben sich Betreiber kritischer Infrastruktur zu einer eigenen Sicherheitspartnerschaft zusammengeschlossen. Unter dem Namen „Sicherheitspartnerschaft kritische Infrastruktur und Metalldiebstahl" (Sipam) bündeln die Deutsche Bahn, Mibrag und die Telekom ihre Erfahrungen. „Hier haben sich viele große Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Mibrag oder Telekom zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Metalldiebstahl vorgehen." Über ihre Sicherheitsstrategie wollten sie gegenüber MDR AKZUELL allerdings keine näheren Angaben machen.
Sipam: Bündnis der Infrastrukturbetreiber
Die Ermittler in Sachsen sehen die Arbeit des Bündnisses als wichtigen Baustein. Heyer betont, dass ohne ein Zusammenspiel von Polizei, Netzbetreibern und Schrotthändlern viele Fälle im Dunkeln blieben. Auch Hinweise aus der Bevölkerung hätten in der Vergangenheit dazu geführt, dass Täter identifiziert und gestohlene Materialien sichergestellt werden konnten.
Der Hauseinsturz in Görlitz hat das Thema Buntmetalldiebstahl erneut in den Fokus gerückt. Auch wenn die Branche die Lage in Mitteldeutschland nicht als flächendeckend akut beschreibt, zeigt der Fall, welche Folgen ein einzelner Diebstahl haben kann – von beschädigten Gasleitungen über unterbrochene Telefonleitungen bis hin zu Personenschäden.
Beim Schrotthandel selbst fordert Heyer eine konsequentere Kontrolle der Herkunftsnachweise. „Materialien sollten anschließend erst dann weiterverkauft werden, wenn die Herkunft ermittelt beziehungsweise für legal erklärt wurde." Schon der Verdacht, dass ein Stammkunde immer wieder größere Mengen anliefert, sollte aus seiner Sicht Anlass für eine Meldung bei der Polizei sein.
Aus Sicht des Handels spielt zudem die Frage eine Rolle, ob die Ankaufspreise nicht zu hoch sind. Solange Kupfer mit Gewinn weiterverkauft werden könne, bestehe ein Anreiz, an gestohlene Ware heranzukommen. Einige Händler fordern deshalb verbindlichere Obergrenzen oder strengere Dokumentationspflichten beim Erstkauf.
Forderungen aus dem Schrotthandel
Die Staatsanwaltschaft Görlitz ermittelt weiter zu dem Hauseinsturz vom Juni 2026. Ob die beiden mutmaßlichen Täter in Haft bleiben, war zunächst offen. Die Auswertung der neuen Videoaufnahmen, die einen Verdächtigen auf der Flucht zeigen sollen, dauert an. Die Polizei hatte zudem Augenzeugen und Anwohner in der Umgebung des Hauses befragt.
Für die Anwohner im Görlitzer Stadtteil, in dem das Haus einstürzte, hat sich der Alltag verändert. Viele berichten, dass sie nachts Geräusche gehört und verdächtige Personen gesehen hätten, ohne dies zuvor gemeldet zu haben. Lokale Initiativen rufen nun dazu auf, Auffälligkeiten künftig früher der Polizei zu melden.
Folgen für Anwohner und Ermittlungen
Die Diskussion über Buntmetalldiebstahl ist in Mitteldeutschland nicht neu. Bereits in den vergangenen Jahren hatten die Deutsche Bahn und Energieversorger über erhebliche Schäden durch Kabelklau berichtet. Die erneute Aufmerksamkeit durch den Görlitzer Fall könnte nun den Anstoß für strengere Regeln im Schrotthandel geben.
Am Ende, so Heyer, hänge viel davon ab, dass die Schrotthändler selbst mit der Polizei kooperieren. Wer gestohlene Ware annimmt, mache sich strafbar – und gefährde im schlimmsten Fall Menschenleben, wie der Fall in Görlitz gezeigt habe.
Fragen & Antworten
Wer ist Steffen Heyer?
Steffen Heyer ist Schrotthändler in Leipzig und berichtet, dass die Polizei bei ihm immer wieder nach gestohlenem Material sucht. Er hat nach eigenen Angaben in der Vergangenheit mit einer Sonderkommission des LKA Sachsen für Metalldiebstähle zusammengearbeitet.
Warum rückt das Thema Buntmetalldiebstahl derzeit in den Fokus?
Ein Haus in Görlitz stürzte ein, drei Menschen kamen ums Leben. Nach bisherigen Ermittlungen sollen zwei Männer bei der Suche nach wertvollen Metallen Kabel abgesägt und möglicherweise eine Gasleitung beschädigt haben.
Was ist Sipam?
Sipam steht für „Sicherheitspartnerschaft kritische Infrastruktur und Metalldiebstahl". In dem Bündnis haben sich unter anderem die Deutsche Bahn, Mibrag und die Telekom zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Metalldiebstahl vorzugehen.
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