Bei einem gemeinsamen Angriff von Dschihadisten und Tuareg-Kämpfern sind im Norden Malis mindestens 50 Soldaten getötet worden, als ihr Militärkonvoi die strategisch bedeutende Stadt Anefis verließ.

In Mali sind gestern bei einem gemeinsamen Angriff von Dschihadisten und Tuareg-Kämpfern mindestens 50 Soldaten getötet worden. Wie es heute aus Militärkreisen hieß, attackierten die Angreifer einen Militärkonvoi, der gerade aus der strategisch bedeutenden Stadt Anefis im Norden Malis herausfuhr. Der Konvoi wurde nach Angaben der Quelle auf dem Weg in eine andere Region angegriffen.

Es handelt es sich um einen der blutigsten Angriffe auf die Armee in dem seit rund 15 Jahren andauernden Konflikt in dem westafrikanischen Land. Die malische Armee hat in den vergangenen Jahren wiederholt schwere Verluste durch koordinierte Überfälle im Norden und Zentrum des Landes hinnehmen müssen. Die Region um Anefis gilt als Knotenpunkt für verschiedene bewaffnete Gruppen.

Hintergrund: Dschihadisten und Tuareg

Hinter dem Angriff steht nach Einschätzung von Beobachtern ein Bündnis aus dschihadistischen Gruppierungen und Teilen der Tuareg-Bewegung. Das in der Region aktive Extremistennetzwerk Al-Qaida und sein Ableger JNIM führen dort seit Jahren Angriffe auf Sicherheitskräfte durch. Auch Tuareg-Kämpfer, die sich früher in einem eigenen Aufstand gegen den malischen Staat wandten, haben sich demnach punktuell mit den Dschihadisten zusammengetan.

Die malische Armee ist seit dem Abzug französischer Streitkräfte im Jahr 2022 und der Hinwendung Malis zu Russland auf die Unterstützung privater russischer Sicherheitskräfte angewiesen. Die Sicherheitslage im Norden des Landes hat sich seitdem laut internationalen Beobachtern kaum verbessert, im Gegenteil: Bewaffnete Gruppen kontrollieren weite Gebiete außerhalb der wenigen urbanen Zentren.

Sicherheitslage im Norden

Militärvertreter erklärten, die Soldaten seien in einen Hinterhalt geraten, als der Konvoi die Stadt verließ. Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen und anhaltendem Beschuss über einen längeren Zeitraum. Rettungskräfte konnten demnach erst nach Stunden in das Gebiet vorrücken, was die hohe Zahl der Todesopfer erklären könnte.

Die malische Regierung hat zu dem Angriff bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben. In der Vergangenheit hatten die Behörden Opferzahlen teils nach unten korrigiert oder gar nicht bestätigt, wenn Angriffe in entlegenen Gebieten stattfanden. Internationale Medien, darunter die Nachrichtenagentur AFP, stützen sich bei der Berichterstattung vor allem auf Angaben aus Militärkreisen und lokalen Quellen.

Internationaler Kontext und Folgen

Der Konflikt in Mali hat sich seit dem Militärputsch von 2020 und der anschließenden Abkehr vom westlichen Bündnispartner Frankreich weiter zugespitzt. Die einstige Kolonialmacht hatte jahrelang versucht, mit der Operation Serval und später der Task Force Takuba die Sicherheitslage im Norden zu stabilisieren. Nach deren Abzug klafft nach Einschätzung von Experten eine Lücke, die weder die malische Armee noch die russischen Kräfte bislang schließen konnten.

Die Vereinten Nationen und humanitäre Organisationen hatten in den vergangenen Monaten wiederholt auf die Verschlechterung der Lage in Teilen Malis hingewiesen. Hunderttausende Menschen sind im Land auf der Flucht, viele Regionen sind für Hilfsorganisationen kaum erreichbar. Der Angriff auf den Konvoi bei Anefis verdeutlicht, wie fragil die Sicherheitslage auch im siebten Jahr nach Beginn des verstärkten internationalen Engagements bleibt.

Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Der seit rund 15 Jahren andauernde Konflikt hat die wirtschaftliche Entwicklung des westafrikanischen Landes massiv behindert. Mit jedem Angriff auf die Streitkräfte sinkt die Kontrolle des Staates über das eigene Territorium weiter, was wiederum den bewaffneten Gruppen neuen Raum zur Ausbreitung gibt.

Internationale Beobachter werten den Angriff als Zeichen dafür, dass die dschihadistischen Netzwerke in der Sahel-Region weiter an Schlagkraft gewinnen. Nach dem Abzug französischer Truppen haben Gruppierungen wie JNIM ihr Operationsgebiet ausgeweitet und greifen mittlerweile auch regelmäßig Ziele in den Hauptstadtgebieten an. Die Lage in Mali gilt vielen Analysten als Vorboten einer weiteren Destabilisierung der gesamten Sahelzone.