Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat im ZDF-Sommerinterview am Sonntag eine mögliche Kabinettsumbildung nach dem Rücktritt des CDU/CSU-Fraktionschefs Jens Spahn nicht ausgeschlossen und zugleich Gespräche über die Nachfolge in den kommenden Tagen angekündigt.
Das ZDF-Sommerinterview, das am Sonntagabend um 19:10 Uhr ausgestrahlt und ab 18:00 Uhr im ZDF-Streaming verfügbar war, entstand am Morgen desselben Tages in der Region Sauerland. Die ZDF-Journalistin Diana Zimmermann befragte den Kanzler zu den unmittelbaren Folgen des Rücktritts von Jens Spahn, der erst am Vortag, einem Samstag, seinen Posten als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion niedergelegt hatte.
Spahn war nach heftiger Kritik an der Tatsache zurückgetreten, dass er und sein Ehemann Daniel Funke mit Hilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen hatten. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten; die CDU lehnt sie ausdrücklich ab. In seinem Rücktrittsschreiben an die Fraktion erklärte Spahn, die Situation sei mit seinem politischen Amt nicht mehr vereinbar. Er schrieb wörtlich: „Ich habe die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, darüber informiert, dass ich mit diesem Schreiben an unsere Fraktion von meinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurücktrete.“
Hintergrund: Spahns Rücktritt am Tag vor dem Interview
In dem Schreiben hieß es weiter: „Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte.“ Merz bezeichnete den Rücktritt als „richtig“ und „unvermeidlich“ und dankte Spahn für die Zusammenarbeit.
Merz sagte im ZDF, Spahn habe die Partei und die Fraktion über seinen Schritt „sehr, sehr spät“ informiert. „Wir hatten alle kaum Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen“, so der Kanzler. Hätten sie mehr Zeit gehabt, „hätten wir das in Ruhe besprechen können, aber die Zeit hatten wir nicht“. Merz betonte zugleich, Glaubwürdigkeit sei „das höchste Gut in der Politik“. Der Schaden für die Glaubwürdigkeit der Union sei ihm am Samstag „überdeutlich geworden. Deswegen haben wir dann ja auch gehandelt.“
