Mercedes-Benz verschärft Sparkurs: IG Metall ruft zu Protesten an mehreren Standorten auf
Stuttgart, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
Die IG Metall ruft Beschäftigte von Mercedes-Benz an mehreren deutschen Standorten zu Protesten gegen den verschärften Sparkurs des Unternehmens auf. Der Vorstand hatte zuvor unter anderem vorgeschlagen, die Arbeitszeit bei gleichem Lohn zu verlängern, und die für Juli erwartete Sonderzahlung auf das Folgejahr zu verschieben.
Die Gewerkschaft IG Metall hat für Freitag die Beschäftigten von Mercedes-Benz an mehreren deutschen Standorten zu Protesten gegen den verschärften Sparkurs des Autobauers aufgerufen, nachdem der Vorstand unter anderem längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn sowie die Verschiebung einer tariflichen Sonderzahlung vorgeschlagen hatte.
Hintergrund des verschärften Sparkurses
Die Gewerkschaft IG Metall ruft die Beschäftigten von Mercedes-Benz im Südwesten zu Protesten gegen die Verschärfung des Sparkurses auf. Das bestätigte ein IG-Metall-Sprecher in Frankfurt am Main. An den Mercedes-Standorten in Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim sowie Kuppenheim (Kreis Rastatt) und Rastatt sollen die Beschäftigten am Freitag gegen den verschärften Sparkurs des Unternehmens protestieren. Ferner soll es Aktionen in Bremen, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Ludwigsfelde und in Germersheim geben. Zudem soll es eine nicht öffentliche, digitale Kundgebung geben.
Verschiebung der Sonderzahlung
Wie aus einem Schreiben des Mercedes-Vorstands an die Mitarbeitenden in Deutschland hervorgeht, schlägt das Unternehmen vor, dass die Beschäftigten künftig für das gleiche Geld länger arbeiten sollen, um Kosten zu senken. In dem Brief heißt es, man müsse "weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken", um bei den Produktpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Vorstand kündigte an, in den kommenden Wochen und Monaten mit dem Betriebsrat darüber sprechen zu wollen, "wie man die Zukunftsfähigkeit von Mercedes in Deutschland sichern könne".
Darüber hinaus teilte der Vorstand den Beschäftigten mit, dass die für Juli erwartete tarifliche Sonderzahlung verschoben wird. Nach Angaben von IG Metall betrifft dies rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten von Mercedes-Benz in Deutschland. Die Sonderzahlung wird demnach auf das Folgejahr verlegt. Der Webseite der Gewerkschaft zufolge kann die Sonderzahlung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verschoben oder ausgesetzt werden.
Tarifliche Sonderleistung als Zankapfel
Bei der Sonderzahlung handelt es sich um den jährlichen "Transformationsbaustein", der sich nach IG-Metall-Angaben auf 18,4 Prozent des tariflichen monatlichen Individualeinkommens beläuft. Diese tarifliche Leistung sei ein zentraler Bestandteil der jüngsten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie gewesen. Mit der Verschiebung greife das Unternehmen unmittelbar in die Einkommenssituation der Beschäftigten ein, kritisiert die Gewerkschaft.
Nach Worten des Vorstands sei die Situation in Deutschland trotz aller Anstrengungen "dramatisch". So heißt es in dem Brief: "Trotz all unserer Anstrengung ist die Situation heute in Deutschland dramatisch." Die Konzernführung verwies zudem darauf, dass man bei Mercedes-Benz Prozesse radikal beschleunigen und gewachsene Strukturen verschlanken werde. Man werde "in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten", sei aus Sicht des Vorstands "der direkteste und in unseren Augen fairste Weg". Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden.
Kritik der IG Metall an den Vorstandsplänen
Die IG Metall kritisiert die Pläne des Vorstands scharf. "Aus Sicht der IG Metall richten sich diese Maßnahmen einseitig gegen die Beschäftigten und stellen zentrale tarifliche Errungenschaften infrage", erklärte die Gewerkschaft. Unter anderem solle dabei die 35-Stunden-Woche verteidigt werden. Die Gewerkschaft kündigte an, die Proteste seien als Auftakt für weitere Aktionen in der gesamten Automobilbranche gedacht.
Nach Angaben der IG Metall werden an dem Aktionstag Tausende Beschäftigte von Mercedes-Benz bundesweit auf die Straße gehen. Für den Auftritt in Düsseldorf ist nach Gewerkschaftsangaben die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner vorgesehen. Die Kundgebungen sind den Angaben zufolge für diesen Freitag an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim (Stuttgart) geplant.
Protestaktionen an mehreren Standorten
Die IG Metall verwies in dem Zusammenhang auf die angespannte Lage in der gesamten Automobilindustrie. "In ganz Deutschland sorgten die Entscheider der Automobilhersteller und Zulieferer für schlechte Nachrichten", teilte die Gewerkschaft mit. "Aber eines vergessen sie: Die Beschäftigten sind nicht schuld an der Misere." Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer würden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, "solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen".
Wie die Gewerkschaft weiter mitteilte, seien im vergangenen Jahr in der Branche 50.000 Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern weggefallen. Die Gewerkschaft sieht die Belegschaften als Leidtragende einer politisch und wirtschaftlich schwierigen Phase. Mit den Protesten solle ein Zeichen gegen einseitige Belastungen der Beschäftigten gesetzt werden.
Reaktion des Unternehmens
Ein Mercedes-Benz-Sprecher betonte, dem Unternehmen sei es wichtig, "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig und transparent zu informieren - auch bei schwierigen Entscheidungen". Man nehme "mögliche Unsicherheiten und Sorgen ernst". Zudem respektiere man, dass sich der Betriebsrat zur Produktivitätsoffensive äußere. Man werde mit der Arbeitnehmervertretung darüber sprechen, wie man die Zukunftsfähigkeit von Mercedes in Deutschland sichern könne.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns. Wie aus dem aktuellen Geschäftsbericht hervorgeht, war der Konzerngewinn von Mercedes-Benz im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich eingebrochen, von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro - ein Rückgang um nahezu die Hälfte. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sank der Konzerngewinn um 17,2 Prozent. Sowohl der Absatz als auch der Umsatz des Unternehmens entwickelten sich rückläufig.
Wirtschaftliche Lage von Mercedes-Benz
Das Unternehmen verwies zur Begründung auf Zölle, negative Währungseffekte und einen intensiven Wettbewerb in China, die das Ergebnis belastet hätten. Bereits vor etwas mehr als einem Jahr hatte Mercedes-Benz ein Kostensparprogramm namens "Next Level Performance" gestartet, das vom Unternehmen selbst als Performance-Steigerungsprogramm beschrieben wird. Mit dem aktuellen Schreiben wird dieser Kurs nach Darstellung des Unternehmens weiter verschärft.
Der Betriebsrat habe die Mercedes-Benz-Konzernleitung vorab über die geplanten Protestaktionen informiert. Die Gewerkschaft sieht die Proteste ausdrücklich als Auftakt für weitere Aktionen in der gesamten Automobilindustrie. Die Entwicklung bei Mercedes-Benz steht nach Einschätzung der IG Metall exemplarisch für die angespannte Lage in der Branche, in der Hersteller und Zulieferer seit geraumer Zeit unter sinkender Nachfrage, hohem Kostendruck und verschärftem internationalen Wettbewerb leiden.
Mit den für Freitag geplanten Kundgebungen wolle die Gewerkschaft den Druck auf die Konzernleitung erhöhen und zugleich deutlich machen, dass die Beschäftigten nicht bereit seien, die Folgen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten allein zu tragen. Die Forderung nach Verteidigung der 35-Stunden-Woche ist dabei ein zentraler Punkt. Die Gewerkschaft signalisierte Bereitschaft, den Konflikt notfalls über die laufenden Aktionen hinaus weiter zu eskalieren.
Unterdessen kündigte die Unternehmensseite an, in den kommenden Wochen in Gespräche mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich einzutreten. Diese Gespräche sollen der Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in Deutschland dienen. Aus Sicht der IG Metall gefährden solche Pläne jedoch zentrale tarifliche Errungenschaften der Beschäftigten und untergraben die Grundlage der bisherigen Tarifverträge. Damit bleibt abzuwarten, ob die Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat zu einer einvernehmlichen Lösung führen oder ob der Konflikt mit den angekündigten Protesten weiter eskaliert.
Fragen & Antworten
Was hat IG Metall bei Mercedes-Benz angekündigt?
Die IG Metall hat für Freitag zu Protesten an mehreren Mercedes-Benz-Standorten aufgerufen, darunter Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim, Rastatt und Kuppenheim. Weitere Aktionen sind unter anderem in Bremen, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Ludwigsfelde und Germersheim geplant.
Welche konkreten Sparmaßnahmen schlägt der Mercedes-Vorstand vor?
Der Vorstand hat in einem Schreiben vorgeschlagen, dass die Beschäftigten künftig für das gleiche Geld länger arbeiten sollen, und die für Juli erwartete tarifliche Sonderzahlung "Transformationsbaustein" auf das Folgejahr zu verschieben. Betroffen davon sind rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland.
Wie reagiert Mercedes-Benz auf die angekündigten Proteste?
Ein Unternehmenssprecher erklärte, man nehme mögliche Unsicherheiten und Sorgen ernst und informiere frühzeitig und transparent. Zudem kündigte das Unternehmen Gespräche mit dem Betriebsrat über die Zukunftsfähigkeit von Mercedes in Deutschland an.
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