Mehrfachantritt beim MedAT: Bis zu 16.880 Bewerber konkurrieren um 1.950 Plätze
Wien, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
Beim Medizin-Aufnahmetest MedAT treten am Freitag bis zu 16.880 Bewerberinnen und Bewerber in Österreich an, um einen der 1.950 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin zu ergattern. Daten zeigen, dass der Test mehrfach angetreten wird und der Anteil Studierender aus nicht-akademischem Elternhaus seit Jahren unter der politischen Zielmarke von 50 Prozent liegt.
Beim österreichweiten Medizin-Aufnahmetest MedAT treten am Freitag bis zu 16.880 Bewerberinnen und Bewerber an, um einen der 1.950 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin zu erhalten.
Der Medizin-Aufnahmetest MedAT ist nach Angaben der Austria Presse Agentur (APA) das größte Aufnahmeverfahren des Landes. Insgesamt 16.880 Bewerberinnen und Bewerber stellen sich dem mehrstündigen, österreichweit einheitlichen Test, davon allein 8.235 in Wien. Vergeben werden 1.950 Studienplätze für Human- bzw. Zahnmedizin an den Medizin-Unis Wien, Graz und Innsbruck und der Medizin-Fakultät Linz – um 50 mehr als zuletzt. APA zitiert die Zahl mit Veröffentlichung am 2. Juli 2026, der Test selbst findet am 3. Juli 2026 statt.
Zahlen und Ablauf des MedAT
Davon sind bis zu 87 sogenannte „gewidmete" Studienplätze für Aufgaben im öffentlichen Interesse. Neu ist, dass ein kleines Kontingent an Studienplätzen für diese Aufgaben freigehalten wird – davon profitieren die Bundesländer, die Gesundheitskasse sowie das Innen- und Verteidigungsministerium. Wer sich um einen „gewidmeten" Studienplatz bewirbt, muss beim Test eine geringere Punktezahl erreichen, „aber im Gegenzug nach dem Abschluss eine gewisse Zeit bei einer öffentlichen Institution arbeiten." Mögliche Tätigkeiten sind laut APA etwa „Kassen-, Spitals-, Militär- oder Amtsarzt".
Mindestens 95 Prozent der Studienplätze in der Humanmedizin sind EU-Bürgerinnen und -Bürgern vorbehalten, 75 Prozent der Plätze Studienwerberinnen und -werbern mit einem österreichischen Maturazeugnis. Erfahrungsgemäß kommen rund 80 Prozent der Angemeldeten auch tatsächlich zum schriftlichen Test. Rechnerisch kommt damit nur etwa jede neunte Bewerberin beziehungsweise jeder neunte Bewerber tatsächlich zum Zug.
Der Test prüft vor allem medizinisches Basiswissen in Biologie, Chemie, Physik und Mathematik sowie kognitive Fähigkeiten wie Merkfähigkeit und das Erkennen von Implikationen. Jeweils zehn Prozent der Gesamtbewertung entfallen zudem auf das Textverständnis sowie auf den Bereich des sozialen Entscheidens und des Erkennens von Emotionen. Mit der mehrstündigen Prüfung wird der Zugang zum Medizinstudium seit der Einführung der Aufnahmeverfahren im Jahr 2006 zentral geregelt.
Soziale Herkunft der Medizinstudierenden
Eine IHS-Evaluierungsstudie zeigt, dass die Aufnahmeverfahren die soziale Selektivität im Medizinstudium verstärkt haben. Eine 2017 veröffentlichte Untersuchung hat dies an den drei öffentlichen Medizin-Unis gezeigt: Für diese wurden Studierende im ersten Jahr zu ihrer Verwandtschaft befragt. Bei 20 Prozent war der Vater Arzt, bei sechs Prozent die Mutter. Insgesamt gaben 45 Prozent an, Ärztinnen oder Ärzte in ihrer Verwandtschaft zu haben. In früheren Studien waren es sogar noch etwas mehr.
„Die Anfang der 2000er eingeführten Aufnahmeverfahren haben die soziale Selektivität im Medizin-Studium laut einer Evaluierung des IHS von 2020 noch verstärkt." Mit Einführung der Aufnahmeverfahren 2006 wurde der Zugang für Bewerber ohne akademischen Hintergrund noch etwas schwieriger. An den Medizin-Unis waren es 58 Prozent der Studierenden, die zumindest einen Elternteil mit Hochschulabschluss hatten – über alle Hochschultypen hinweg liegt der Wert laut IHS-Studierendensozialerhebung 2025 bei 45 Prozent.
Zumindest an der Medizin-Uni Wien wurde laut einer Auswertung für die APA die 50-Prozent-Hürde in den vergangenen beiden Jahren knapp genommen. Laut einer Evaluierung durch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) fielen 2023/24 nur knapp 43 Prozent in diese Gruppe (Kriterium ist ein Vater ohne Hochschulabschluss), fünf Jahre davor waren es noch 47. Eigentlich hat die Bundesregierung als Ziel ausgegeben, dass bis 2025 die Hälfte der Studienanfänger in Human- oder Zahnmedizin aus einem nicht-akademischen Elternhaus kommen soll.
Unterschiede zwischen Anmeldung und Inskription
Die Diskrepanz zwischen Anmeldung und tatsächlicher Inskription ist an der Medizin-Uni Wien besonders ausgeprägt: „Dort kamen 2019/20 zwar 40 Prozent der Angemeldeten aus einem nicht-akademischen Elternhaus, unter den Inskribierten waren es dann nur noch 31 Prozent." An den Medizin-Unis Graz und Innsbruck beziehungsweise der Medizin-Fakultät Linz war der „Schwund" teilweise etwas geringer, aber ebenfalls vorhanden.
Werden Kandidaten und Kandidatinnen beim ersten Versuch nicht zugelassen, versuchen viele ihr Glück erneut: 2025 waren an der Medizin-Uni Wien nur die Hälfte der Testteilnehmer Neulinge. 30 Prozent sind schon zum zweiten Mal angetreten, für elf Prozent war es das dritte Mal. Auch beim Maturajahrgang zeigt sich diese Verteilung: Ein Drittel der Studienplätze ging an Testteilnehmer aus dem Maturajahrgang 2024, 28 Prozent aus dem Jahrgang 2023. Gerade einmal sieben Prozent aus dem Maturajahrgang 2025 haben im Vorjahr an der Medizin-Uni Wien sofort einen Studienplatz erhalten.
Mehrfache Antritte und Erfolgschancen
Wer den Test besteht, gehört zu einer klaren Minderheit: Nur eine Minderheit ergattert beim bundesweit einheitlichen Aufnahmetest MedAT auf Anhieb einen Studienplatz, 2018/19 waren es laut IHS-Studie gerade einmal vier von zehn Bewerbern. „Ebenfalls rund 40 schafften es dann beim zweiten Versuch." Die IHS-Studie zeigt aber auch, dass seit Einführung der Aufnahmeverfahren die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Abschluss deutlich gestiegen ist: „Mehr als acht von zehn schaffen es zum Diplom" – auch unter Studierenden aus nicht-akademischem Elternhaus.
Wer keinen Platz bekommt, weicht vorübergehend vor allem in naturwissenschaftliche Studien aus, „wo die Chancen auf Anrechnung von Studienleistungen besonders gut stehen". Dauerhafte Ausweichstudien sind laut der IHS-Evaluierungsstudie für je ein Viertel Naturwissenschaften oder auch – Stichwort Berufsprestige – Rechtswissenschaften. Auch die Vorbereitung auf den MedAT ist mittlerweile ein Geschäft: „700 Euro für zehn Tage Vorbereitung: Das Geschäft mit dem Medizin-Aufnahmetest".
Ausweichstudien und Vorbereitungskurse
Neben dem MedAT startet am kommenden Montag das erste bundesweit einheitliche Aufnahmeverfahren für das neue Masterstudium Psychotherapie. Insgesamt stehen für das neue Studium 500 Plätze zur Verfügung. Das Studium läuft diesen Herbst an den öffentlichen Universitäten in Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg sowie an der Donau-Universität Krems an. Voraussetzung für die Testteilnahme ist ein passender Bachelor-Abschluss – etwa in Psychologie oder Sozialer Arbeit – sowie das bereits absolvierte Online-Self-Assessment.
Neues Aufnahmeverfahren Psychotherapie
Der dreistündige Aufnahmetest für die Psychotherapie deckt ein breites Spektrum ab: Abgefragt werden neben psychotherapeutischem Basiswissen und dem Verständnis englischer Fachtexte auch verbal-analytische Fähigkeiten sowie sozial-emotionale Kompetenzen. Damit baut Österreich neben den etablierten Verfahren in Human- und Zahnmedizin ein weiteres zentrales Aufnahmeverfahren auf.
Insgesamt verdeutlichen die Zahlen, dass der Andrang auf das Medizinstudium in Österreich ungebrochen hoch ist, während die soziale Durchmischung weiterhin hinter dem selbst gesteckten Ziel der Bundesregierung zurückbleibt. Der hohe Anteil an Mehrfachantritten zeigt zugleich, dass viele junge Menschen den Test nicht als einmalige Hürde, sondern als mehrjährige Kraftanstrengung erleben.
Fragen & Antworten
Wie viele Studienplätze werden beim MedAT 2026 vergeben?
Beim MedAT am 3. Juli 2026 werden insgesamt 1.950 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin an den Medizin-Unis Wien, Graz und Innsbruck sowie der Medizin-Fakultät Linz vergeben, darunter bis zu 87 gewidmete Plätze für Aufgaben im öffentlichen Interesse.
Wie viele Bewerberinnen und Bewerber treten heuer an?
Laut APA haben sich fast 17.000 Personen angemeldet, konkret bis zu 16.880; erfahrungsgemäß erscheinen rund 80 Prozent zum schriftlichen Test, sodass rechnerisch etwa jede neunte Person einen Platz erhält.
Warum liegt der Anteil Studierender aus nicht-akademischem Elternhaus unter dem Zielwert?
Laut IHS hat das 2006 eingeführte Aufnahmeverfahren die soziale Selektivität verstärkt; 2023/24 stammten laut CHE nur knapp 43 Prozent der Medizin-Erstsemestrigen aus einem Haushalt ohne akademischen Hintergrund, während die Bundesregierung eigentlich 50 Prozent bis 2025 anstrebt.
MedAT 2026: 16.880 Bewerber kämpfen um Medizin-Studienplätze | nachrichten360