Marius Borg Høiby verfolgt Urteilsverkündung per Video aus dem Gefängnis
Oslo, 12. Juni 2026
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Kurzfassung
Marius Borg Høiby wird am Montag nicht persönlich im Osloer Bezirksgericht erscheinen, sondern die Urteilsverkündung aus gesundheitlichen Gründen per Video aus der Haft verfolgen. Der 29-Jährige, ältester Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, muss sich in 40 Anklagepunkten verantworten, darunter vier Vergewaltigungen.
Marius Borg Høiby wird am kommenden Montag nicht persönlich im Osloer Bezirksgericht erscheinen, sondern die Urteilsverkündung in seinem Strafprozess aus gesundheitlichen Gründen per Video aus der Haft verfolgen.
Gesundheitliche Gründe und Krankenhausaufenthalt
Das Osloer Bezirksgericht erklärte am Donnerstag, der 29-Jährige werde den Urteilsspruch "aufgrund von dokumentierten gesundheitlichen Ursachen" über eine Video-Schaltung aus dem Gefängnis mitverfolgen, wie die norwegische Nachrichtenagentur NTB berichtete. Høiby war demnach am Mittwoch in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Seine Anwältin Ellen Holager Andenæs bestätigte die Teilnahme per Videolink, machte jedoch keine näheren Angaben zu seinem Gesundheitszustand.
Høiby ist der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung. Die 52-Jährige leidet an der unheilbaren Lungenkrankheit Lungenfibrose, ihr Zustand hat sich in letzter Zeit merklich verschlechtert. In der vergangenen Woche wurde zudem bekannt, dass Mette-Marit auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt wurde.
Kronprinzessin Mette-Marit und die Familiensituation
Der 29-Jährige hatte kürzlich einen Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft gestellt, um an der Seite seiner schwer erkrankten Mutter sein zu können. Ein Berufungsgericht wies dieses Gesuch jedoch zurück und begründete, dass "weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehe, dass Høiby im Falle seiner Freilassung neue Straftaten begehen werde", berichtete der norwegische Rundfunk NRK.
Begründung der Richter: hohes Rückfallrisiko
Die Richter stützten ihre Entscheidung vor allem auf ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin, gegen das der 29-Jährige in der Vergangenheit bereits mehrfach verstoßen hatte. Diese wiederholten Verstöße gegen die gerichtliche Anordnung wurden als zentraler Grund für die anhaltende Haft genannt.
40 Anklagepunkte und Forderung der Staatsanwaltschaft
Insgesamt sieht sich Høiby in dem hochkarätigen Verfahren 40 Anklagepunkten ausgesetzt. Nach norwegischem Recht wird ihm unter anderem vorgeworfen, vier Frauen während des Schlafs vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten.
Prozessverlauf und Bedeutung des Urteils
Der Schuldspruch in dem viel beachteten Verfahren ist für Montagvormittag angesetzt. Damit endet ein Prozess, der seit Wochen die norwegische Öffentlichkeit beschäftigt und immer wieder Schlagzeilen produziert. Die Entscheidung, ob Høiby persönlich im Saal anwesend sein wird, war in den Tagen zuvor mit Spannung erwartet worden.
Mit der Video-Schaltung wählte das Gericht einen pragmatischen Mittelweg: Einerseits wird dem Gesundheitszustand des Angeklagten Rechnung getragen, andererseits bleibt der Prozess in seinen formalen Bahnen. Die Öffentlichkeit und die Pressevertreter können den Urteilsspruch wie geplant im Gerichtssaal verfolgen.
Reaktionen und gesellschaftliche Debatte
Die Rolle der Königsfamilie im Hintergrund des Verfahrens bleibt bemerkenswert. Kronprinzessin Mette-Marit, die selbst mit einer schweren Erkrankung kämpft, hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihren Sohn geäußert. Das norwegische Königshaus hat lediglich mitgeteilt, dass die Kronprinzessin die schwierige Zeit mit ihrer Familie durchstehe.
Rechtsexperten wiesen darauf hin, dass die Art der Urteilsverkündung – per Video oder in Präsenz – keine rechtlichen Konsequenzen für den Ausgang des Verfahrens hat. Entscheidend sei allein, ob die Beweislage die Anklage stütze und ob das Gericht die geforderte Strafe für angemessen halte.
Die kommenden Tage werden zeigen, wie die norwegische Gesellschaft das Urteil aufnimmt. Befürworter einer harten Linie hatten auf eine deutliche Verurteilung gedrängt, während andere auf die schwierige Familiensituation verwiesen. Beide Seiten erwarten den Montag als Schlusspunkt eines Verfahrens, das weit über den Einzelfall hinaus Beachtung gefunden hat.
Høiby war im November 2024 festgenommen worden, nachdem mehrere Frauen Strafanzeigen gegen ihn erstattet hatten. Die Ermittlungen führten zu einem umfangreichen Anklagekomplex, der neben den Vergewaltigungsvorwürfen auch Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstöße gegen Kontaktverbote umfasst.
Die Verteidigung hatte im Verlauf des Prozesses die Glaubwürdigkeit einiger Zeuginnen in Frage gestellt und auf fehlende physische Beweise verwiesen. Die Staatsanwaltschaft hingegen argumentierte, dass das Verhalten des Angeklagten ein klares Muster der Missachtung gegenüber Frauen und gerichtlichen Anordnungen zeige.
Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens wird erwartet, dass die Urteilsverkündung am Montag umfassend medial begleitet wird. Norwegische Sender wie NRK planen Sondersendungen, internationale Medien haben seit Prozessbeginn Korrespondenten in Oslo stationiert.
Mit der Entscheidung, den Urteilsspruch per Video zu übertragen, wird das Gericht auch einer Bitte der Anwältin Andenæs nachgekommen, die sich für eine würdevolle und gesundheitsschonende Form der Teilnahme eingesetzt hatte. Die Richter betonten zugleich, dass die Sicherheitsinteressen und die Schwere der Vorwürfe eine Fortsetzung der Haft rechtfertigten.
Fragen & Antworten
Wer ist Marius Borg Høiby?
Marius Borg Høiby ist 29 Jahre alt und der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung. Er ist in 40 Punkten angeklagt, darunter vier Vergewaltigungen nach norwegischem Recht.
Warum wird Høiby das Urteil per Videolink empfangen?
Das Osloer Bezirksgericht erklärte, Høiby werde den Urteilsspruch "aufgrund von dokumentierten gesundheitlichen Ursachen" über eine Video-Schaltung aus dem Gefängnis mitverfolgen, nachdem er am Mittwoch in ein Krankenhaus eingeliefert worden war.
Welche Strafe fordert die Staatsanwaltschaft?
Die Staatsanwaltschaft fordert in dem Verfahren gegen Høiby eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten. Ein Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft wurde zuvor vom Berufungsgericht wegen hoher Rückfallwahrscheinlichkeit abgelehnt.
Høiby-Urteil: Videolink aus dem Gefängnis am Montag | nachrichten360